29. April 2016

RezensionThomas Mayer: Die neue Ordnung des Geldes

Warum wir eine Geldreform brauchen

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An durchaus passablen Büchern zum Thema Geld, Banken und Finanzsystem herrscht seit einigen Jahren beileibe kein Mangel. Was hebt nun diesen Titel aus der Masse entsprechender Publikationen hervor? Es ist vor allem der Autor, der einerseits seit Jahren trotz gänzlich unorthodoxer Thesen regelmäßig mit Leitmedienpräsenz punkten und andererseits als ausgewiesener Kenner der Materie gelten kann. Seine Meriten hat er sich dabei in knapp vier Jahrzehnten am Weltwirtschaftsinstitut in Kiel, dem Internationalen Währungsfonds, diversen Investmentbanken sowie zuletzt als Chefvolkswirt der Deutschen Bank verdient. Einem breiteren Publikum ist er vor allem durch seine Kolumne in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ bekannt, in der er sich schon lange klar als „Österreicher“ geoutet hat. Diese fachliche wie publizistische Kompetenz spiegelt sich auch im Inhalt der vorliegenden Neuerscheinung wider. Wohl selten zuvor wurden in einem populärwissenschaftlichen Werk die Untiefen der Geldentstehung und der dadurch ausgelösten zyklischen Boom- und Bustphasen derart hintergründig ausgelotet. Allein dieser erste Teil des Buches macht „Die neue Ordnung des Geldes“ lesenswert und bietet selbst mit der Materie vertrauten Lesern interessante Erkenntnisgewinne. Vor allem gelingt es Mayer hierbei völlig ideologiefrei, gängige Lehrbuchkausalitäten durch Freilegung der operativen Praxis im Interbankensystem teils in ihr Gegenteil zu verkehren. Diesem derart sezierten Kredit- oder Passivgeldsystem stellt er nach Feststellung der Praxisuntauglichkeit ein Voll- beziehungsweise Aktivgeldsystem gegenüber, welches deutlich die 100-Prozent-Geld- Initiative Irving Fishers aus den 1930er Jahren tradiert. Das Buch schließt mit technischen Umsetzungsmöglichkeiten der schrittweisen und nach Meinung des Autors politisch durchsetzbaren Einführung einer auf Aktivgeld basierenden monetären Ordnung. Einzig in diesem letzten Teil kann man ihm ein wenig Überoptimismus vorhalten.


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