27. April 2016

RezensionDietrich Eckardt: Die Freie Gesellschaft

Eine Alternative zur Staatsgesellschaft

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Der Bürger im Konflikt mit der staatlichen Obrigkeit und entmündigt von der Politik – das ist das Generalthema von Dietrich Eckardt. Das vorliegende Buch ist zweifellos sein Opus magnum und versteht sich explizit als eine Aufklärungsschrift. Es geht dem Autor darum, die theoretischen Grundlagen für den Aufbau und die Struktur einer dezidiert freien Gesellschaft im Sinne seiner libertären Grundauffassung zu entwickeln. Daher hat das Buch einen entsprechend großen Umfang. Den theoretisch-wissenschaftlich formulierten Text kann man mit einer Habilitationsschrift vergleichen. Erstmals liegt mit diesem Werk eine durchgängige theoretische Grundlage für die freie Gesellschaft als Alternative zu unserer traditionell obrigkeitsstaatlich geprägten Staatsgesellschaft vor. Eckardts „Freiheitswerk“ ist das Fundament für eine zukunftsweisende Form von Gesellschaftlichkeit. Es geht um eine gesellschaftliche  Praxis, die „mit der Natur des Menschen und der Welt übereinstimmt“ (Murray Rothbard). Da die heutige Gesellschaft in Bezug auf ihr Freiheitsverständnis nicht mehr im Zeitalter der Aufklärung, sondern eher in einem Zeitalter der Verdummung lebt, wird es Zeit, diese Situation zu ändern, und das bedeutet nach Meinung von Eckardt, uns in ein anderes Denken einzuüben: in das radikale Denken der Freiheit. Damit geht es auch um die Emanzipation von der obrigkeitlich angeordneten Vermüllung des Geistes. Der Autor verfolgt eine Denkrichtung weiter, die Franz Oppenheimer in seiner soziologischen Studie „Der Staat“ vor fast 100 Jahren eingeschlagen hat. Dort hat er als Alternative zur heutigen Staatsgesellschaft die von ihm so genannte „Freibürgerschaft“ proklamiert. Wie Oppenheimer versucht Eckardt, eine befriedigende Antwort auf die Frage nach der Beschaffenheit „wahrhaft freier Gesellschaftlichkeit“ zu geben. „Schlüssig-human“ nennt der Autor sein Modell einer wirklich freien Gesellschaft und meint den frei gestalteten Umgang der Bürger untereinander – insbesondere auch den frei gestalteten Umgang mit den Mächtigen der Gesellschaft. Eckardts umfassende und systematische Darstellung von Aufbau und Struktur seiner „Freien Gesellschaft“ geht über die bisherigen Ansätze libertärer Vordenker hinaus. So entwickelt Eckardt zum Beispiel ein neues Wahlsystem als Alternativmodell zur listengebundenen Wahl unserer „Mehrheits-Demokratie“. Er nennt es die „kandidatenfreie Persönlichkeitswahl“. Führt das bekannte Prinzip der Wahllisten der Parteien automatisch zu Cliquenherrschaft und einer Negativ-Auswahl der politischen Klasse, ermöglicht  sein vorgeschlagenes Wahlsystem die Auswahl von politischen Mandatsträgern, die tatsächlich die Gesellschaft repräsentieren und zur politischen Führung aufgrund ihres Wissens und ihrer Erfahrung geeignet sind. Die so gewählten (ehrenamtlichen) Mandatsträger leben für die Politik, nicht von der Politik. Der Autor verteufelt nicht die Eliten, sondern er weist pointiert auf die verborgenen Ungereimtheiten unserer Staatsverfassung hin. Von den Auswirkungen unserer anerzogenen staatsgläubigen Doktrin kann sich nur jeder selbst heilen, aber das „Verlassen des Bestehenden“ (Max Stirner) ist, wie wir wissen, nicht gerade die leichteste Übung im Leben. Das Buch will helfen, die „Sensibilität“ für gesellschaftlich Neues in „klares Bewusstsein“ zu überführen. Den Wortführern unseres sozial-sozialistischen Wohlfahrtsstaates, der den Bürger entmündigt, überwacht, kontrolliert und gegebenenfalls auch enteignet, wird dieses „Freiheitswerk“ auf jeden Fall ein Dorn im Auge sein. Nicht nur das spricht für den Autor und sein lesenswertes Buch. Es ist eine Pflichtlektüre für jeden freiheitlich denkenden Menschen, der nicht mehr willens ist, die gewaltige Diskrepanz hinzunehmen, die zwischen dem hohen Niveau derzeitiger Technik und Wirtschaft auf der einen Seite und der Einfältigkeit gesellschaftlicher, insbesondere gesellschaftspolitischer Praxis auf der anderen Seite besteht.


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