22. April 2016

RezensionKonrad Löw: Lasst uns trotzdem weiterkämpfen!

Eine Autobiographie

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Konrad Löw einen streitbaren Professor zu nennen, wäre eine krasse Untertreibung. Kaum ein deutscher Politikwissenschaftler kann sich rühmen, so zuverlässig den Hass der maßgebenden Gedankenpolizei auf sich gezogen zu haben. Und keinem widerfuhr es, dass er als Staatsgast der damals noch kommunistischen Tschechoslowakei für ein paar Tage ins Gefängnis gesteckt wurde, nachdem er vor Ort die marxistisch-leninistische Theorie gnadenlos zerpflückt hatte. Löw hat mit der Unsinnigkeit dieser Ideologie und insbesondere mit ihrem Säulenheiligen Karl Marx in mehr als einem Buch abgerechnet, ist aber auch dem Rätsel nachgegangen, warum der Kommunismus faszinieren konnte. Den größten Ärger hat er sich mit Büchern eingehandelt, in denen er die These von der Kollektivschuld des deutschen Volkes widerlegte – dies ganz in Übereinstimmung mit dem Springer-Kolumnisten Hans Habe oder mit Victor Klemperer, dem Sohn eines Rabbiners, der als Zwangsarbeiter Krieg und Bombardierung in Dresden überlebte und in seinen Tagebüchern konstatierte: „Fraglos empfindet das Volk die Judenverfolgung als Sünde.“ Konrad Löw sammelte und publizierte die Berichte jüdischer Zeitzeugen im Dritten Reich – und kaum war sein Manuskript im „Deutschland Archiv“ der Bundeszentrale für politische Bildung erschienen, brach ein Sturm der Entrüstung los. Noch am 31. März 2004 dankte der zuständige Redakteur für den Beitrag, fünf Tage später distanzierte er sich „in aller Schärfe“ von Löws Artikel. Die Exemplare, derer die Bundeszentrale noch habhaft werden konnte, wurden eingestampft! So liefert diese Autobiographie – sie ist mehr Dokumentation als leicht konsumierbare Erzählung – eine eindrückliche Zustandsbeschreibung des Meinungsdrucks und der journalistischen Feigheit und Verlogenheit in der Bundesrepublik. Konrad Löw, ein furchtloser Mann, hat weitergekämpft, wo andere aufgegeben hätten.


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