21. April 2016

RezensionPeter Boehringer: Holt unser Gold heim

Der Kampf um das deutsche Staatsgold

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Ein halbes Jahrhundert lang war der Aufbewahrungsort der deutschen Goldreserven intransparent – ein zuverlässiges Indiz für den Souveränitätsmangel der Bundesrepublik Deutschland. Als die Unionsabgeordneten Martin Hohmann und später Peter Gauweiler bei der Bundesregierung anfragten, erhielten sie nichtssagende oder sogar irreführende Auskünfte. Bis dann Peter Boehringer 2011 seine Initiative „Holt unser Gold heim“ gründete und Unterschriften sammelte; bis der Bundesrechnungshof in seinem Bericht vom Herbst 2012 die Bundesbank in Zugzwang brachte; bis Frankfurt dann doch die Lagerstellen bekanntgab. Inzwischen hat die Bundesbank damit begonnen, einen Teil ihrer Goldreserven zu repatriieren – aber nur einen Teil. Dass der Fall damit keineswegs abgeschlossen ist, lässt sich unschwer aus Boehringers hochinformativem Buch entnehmen. Es schließt eine Lücke in der Gold-Literatur. Mit der Akribie eines Kriminologen widerlegt der Autor Punkt für Punkt die Ausflüchte der Währungshüter, so auch die unsinnige Schutzbehauptung, die Hälfte der deutschen Goldbestände müsse in New York und London verbleiben, damit sie im Notfall verpfändet oder in Dollar getauscht werden könnten. Besonders amüsant die Blütenlese von haarsträubenden Anti-Gold-Kommentaren zum Beispiel in der „Financial Times Deutschland“ oder in der „Zeit“ („die 1.546 Tonnen aus New York sollte man im Atlantik versenken“). Inzwischen wurden in mehr als einem Dutzend Ländern ähnliche Initiativen gegründet, zu denen Boehringer den Kontakt pflegt. Durchaus mit Erfolg: Im vergangenen November machten die Niederlande Schlagzeilen, nachdem sie 120 Tonnen aus New York heimgeholt hatten. Übrigens stammen die heutigen deutschen Goldreserven vollständig aus den Exportüberschüssen des Wirtschaftswunders. Die Bank deutscher Länder, die Vorläuferin der Bundesbank, musste bei null anfangen.


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