20. April 2016

RezensionRahim Taghizadegan/Eugen Maria Schulak: Die Alpenphilosophie

Eine Spurensuche nach vergessenen Weisheiten und Werten

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Von Aristoteles über Schopenhauer bis zu den derzeitigen Größen der Philosophie: Alle lebten und leben sie in der Stadt. Intellektuelle lieben Stadtluft. Nach der Beschaulichkeit des Landlebens steht ihnen eher nicht der Sinn. Was also treibt die zwei Wiener (Quer-) Denker Taghizadegan und Schulak in die Berge? Romantische Vorstellungen vom „gesunden Landleben“ und der naive Wunsch nach einem „Zurück zur Natur“ sind es zweifellos nicht. Die beiden im besten Sinn des Wortes konservativen Autoren spüren vielmehr dem im Alpenraum immer noch erhalten gebliebenen, wenn auch dort bereits schwindenden Sinn für die wichtigen Dinge des Lebens nach. Die von jeher harte, bisweilen auch gefahrvolle Existenz in den Bergen zwingt die Menschen – weit mehr als die in der Stadt wohnenden – zu einer Synchronisation ihres Lebens mit der Natur. Der Jahreskreis und dessen Abläufe bilden denn auch den Rahmen für den reich bebilderten Band. Beginnend mit dem Frühling werden, unter ständigem Bezug auf tradierte alpenländische Weisheiten, der Jahres- und der menschliche Lebenszyklus miteinander verknüpft. Wer eine Suche nach dem Sinn des Lebens erwartet, wird enttäuscht. Denn wer nach dem Sinn des Lebens sucht, der hat kein philosophisches Problem. Der Weg ist das Ziel. So auch der der Autoren, die den Sinn ihres Werkes im Philosophieren erkennen, nicht in der Welterklärung. Mit ausgesprochen viel Sinn für Sprache und Ästhetik werden die Herausforderungen, Freuden und die Plagen der Alpenbewohner erforscht und beschrieben. Sinn für Tradition, langfristige Planung und ein scharfer Blick fürs Wesentliche werden als Voraussetzungen für ein über Generationen erfolgreiches Bestehen im Einklang mit den unbarmherzig herrschenden Elementen erkannt. „Wir sind davon überzeugt, dass sich so manches aus der alten Zeit zwar nicht als Schablone, aber als Spiegel eignet, nicht zum exakten Nachzeichnen, aber als Korrektiv dienen kann.“ Ein schönes Buch!


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