20. April 2016

RezensionElmar Weixlbaumer: Billionaires Club

Warum Ungleichheit unvermeidbar ist und wie wir von der neuen Geldelite systematisch ausgeschlossen werden

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Werden Reiche tatsächlich immer reicher und Arme immer ärmer? Auf diese Frage hat jüngst nicht nur der Ökonom Thomas Piketty, sondern auch sein Fachkollege Elmar Weixlbaumer in seitenmächtigen Publikationen verpackte Antworten gegeben. Während der statistikaffine Franzose jedoch eher nüchtern auf der volkswirtschaftlichen Makroebene verharrt, taucht der wesentlich prosaischer argumentierende Österreicher tief in den hauswirtschaftlichen Mikrokosmos ein. Neben einer zunehmend divergierenden Einkommens- und Vermögensverteilung, die er mathematisch aus einer Kombination stochastischer Elemente in Verbindung mit dem Paretoprinzip herzuleiten versucht, treibt ihn vor allem die Sorge um die zunehmende Selbstverriegelung des einmal etablierten, postfeudalen Geldadels. Die hierbei zur Anwendung kommenden Mechanismen unterzieht er einem direkten Vergleich mit den aristokratischen Vorgängerinstitutionen, wobei er dem überwundenen Gottes- ein ebenso fatalistisches Geldgnadentum folgen sieht. Erfreulicherweise bedient sich der Autor dabei keinerlei Klassenkampfrhetorik, sondern stellt völlig wertneutral nachvollziehbare Individualbestrebungen in den Mittelpunkt seiner Analyse. Die Kritik am gängigen Konsum- und Investitionsverhalten prototypischer Mittelschichtler ist genauso positiv hervorzuheben wie sein Nachweis der faktischen Unmöglichkeit, monetäre Egalität via Fiskalpolitik herzustellen. Problematisch ist hingegen neben der mehr als wackeligen mathematischen „Beweisführung“ sein historizistischer Anspruch, den er analog zu Piketty durch geschichtliche Rückprojektion zu untermauern versucht, ebenso wie die Ausblendung jedweder geldtheoretischen Überlegungen. Letztlich kann es sich dann auch Weixlbaumer nicht verkneifen, Folterinstrumente aus dem etatistischen Gruselkabinett zu propagieren. Dass ihm insgesamt einige Schnitzer unterlaufen, stützt zudem nicht gerade das Vertrauen in seine argumentative Präzision.


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