18. April 2016

RezensionWilliam F. Engdahl: Die Denkfabriken

Wie eine unsichtbare Macht Politik und Mainstream-Medien manipuliert

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William Engdahl ist ein in Deutschland lebender Amerikaner, der über Geopolitik schreibt und sich besonders kritisch mit dem US-Establishment befasst. Manchmal wird er unter die Verschwörungstheoretiker gerechnet. Nun verhält es sich so, dass keineswegs alle Verschwörungstheorien an den Haaren herbeigezogen sind. Manche sind sogar richtig. Als ich einmal in New York von einem Direktor des Council on 

Foreign Relations zum Abendessen eingeladen war, fragte ich ihn beim Nachtisch, was der CFR denn eigentlich mache. Ganz einfach, sagte er: Wenn wir der Meinung sind, dass die amerikanische Außenpolitik eine bestimmte Richtung einschlagen solle, verfassen wir ein Memorandum – und meistens folgt das State Department dem auch. Der CFR beansprucht denn auch ein ganzes Kapitel in Engdahls neuestem Buch, und dann folgen unter anderem die Bilderberger, die Trilaterale Kommission, der seltsame German Marshall Fund, der gar nicht deutsch ist, und der noch seltsamere European Council on Foreign Relations (CFR). Völlig zutreffend wird auch dargestellt, wie und warum die Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg eintraten. Besonders pikant ist das, was Engdahl über George Soros herausgefunden hat. Der Autor ist ohne Zweifel ein ausgewiesener Kenner der angelsächsischen Denkfabriken, ihrer Querverbindungen und ihrer nach Europa und Japan reichenden Netzwerke. So entsteht ein etwas anderes, ungewohntes Bild weltpolitischer Realitäten. Man liest das gut geschriebene, sorgfältig recherchierte Buch mit Gewinn und oft mit Erstaunen, wird aber dem Autor nicht unbedingt immer folgen, zum Beispiel, wenn er die Rolle des Vatikans nach dem Zweiten Weltkrieg in ziemlich schwarzen Farben malt. Dahingestellt sei auch, ob der Rockefeller-Clan immer noch so viel Einfluss ausübt. Und nicht jeder genannte Politiker zählt zum inneren Kreis der Netzwerke.


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