18. April 2016

RezensionHelmut Krebs: Klassischer Liberalismus

Die Staatsfrage gestern, heute, morgen

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Wer sich an der stets aktuellen Debatte über Ziele und Konsequenzen liberaler (heute meist in abwertender Weise gemeint, „neoliberaler“) Politik beteiligt, sollte über einen fundierten Überblick über die Ideengeschichte des Liberalismus verfügen. Dem Autor des vorliegenden Buches ist es außerordentlich gut gelungen, diesen Überblick in kompakter Form zu bieten. Mit David Hume beginnend, den er den „Begründer der klassisch-liberalen Staatslehre“ nennt, reiht der Philosoph Helmut Krebs die einschlägigen Gedanken von John Locke, Immanuel Kant, Wilhelm von Humboldt, Frédéric Bastiat, Jeremy Bentham und Ludwig von Mises aneinander, wobei er letzterem den größten Raum widmet. Selbst dem Leser, der sich bereits mit den Schriften der genannten Denker auseinandergesetzt hat, bringt die Zusammenfassung ihres staatspolitischen Denkens Gewinn. Immerhin nähern sich diese Herren der Frage nach Recht und Gerechtigkeit von sehr unterschiedlichen Standpunkten. Es ist hochinteressant, ihre Überlegungen in der hier gebotenen Dichte dargestellt zu finden. Der Autor formuliert bisweilen Kritik an bestimmten Positionen der Zitierten, was den Leser dazu anregt, seine eigenen Überlegungen vorzunehmen und sich nicht auf die passive Kenntnisnahme zu beschränken. In unserer Zeit des wuchernden Wohlfahrtsstaates, der willkürlich definierten Interessengruppen Sonderrechte einräumt, die zu Lasten von Freiheit und Eigentum der übrigen Bürger gehen, wird besonders anhand der Gedanken Kants und Humboldts deutlich, welch große Bedeutung der „Herrschaft des Rechts“ für eine Gesellschaft freier Bürger zukommt. Eines Rechts, das für alle gleichermaßen gilt. Von einem Rechtsstaat ist der heutige Wohlfahrtsstaat Lichtjahre weit entfernt. Mit dem für den Wohlfahrtsstaat typischen Einzug politischer Willkür kommen Recht und Gerechtigkeit unter die Räder. 


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