15. April 2016

Böhmermann und Erdoğan Meinungsfreiheit statt Mimosenschutz!

Es gibt kein Eigentumsrecht auf Reputation

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Bildquelle: shutterstock Böhmermanns Stolperstein: Die Ziege

Nein, das Bedürfnis, mich mit Jan Böhmermann zu solidarisieren, habe ich zu keiner Sekunde verspürt. Und das trotz meines uneingeschränkten Bekenntnisses zur Meinungsfreiheit. Ich solidarisiere mich eben nur mit Menschen, die ich halbwegs mag. Böhmermann mag ich nicht. Der Mann wird durch Zwangsgebühren finanziert, ohne dass ich ihn auch nur annähernd unterhaltsam oder witzig finden würde. Der Humor des Zeitgeistes, für den Böhmermann und der ganze öffentlich finanzierte Komödiantenstadl stehen, ist nun mal nicht der meinige. 

Dass Böhmermann nun zu einem Helden stilisiert wird, kann ich nicht nachvollziehen. Mit Heldentum assoziiere ich Mut. Den kann ich bei Böhmermann bei bestem Willen nicht erkennen, nimmt er doch zumeist eh nur jene aufs Korn, die man problemlos aufs Korn nehmen darf, wenn man nicht allzu sehr anecken möchte: AfD – blöd, Pegida – noch blöder, Putin und Erdoğan – am blödesten. Klingt alles ein wenig wie in Oliver Welkes primitiver heute-show, über die ich einfach nicht lachen kann. Aber vielleicht bin ich ja auch nur eine humorlose Spaßbremse.

Nichtsdestotrotz gilt, dass in einer freien Gesellschaft alles geäußert werden dürfen sollte. Alles! Schlechte Witze, derber Humor, bekloppte Meinungen, ja selbst wüste Beleidigungen. Wenn Böhmermann den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in einem Schmähgedicht als „Ziegenficker“ beleidigt, dann ist das zwar schlechter Stil, sollte aber dennoch sein gutes Recht sein.

Denn Gesetze, die das Recht auf freie Meinungsäußerung dahingehend beschränken, dass Beleidigungen verboten werden, weil sie die Reputation des Beleidigten zu zerstören drohen, sind problematisch, da sie irrtümlicherweise von einem Eigentumsrecht auf Reputation ausgehen. Warum es ein Eigentumsrecht auf Reputation nicht geben kann, erklärte der libertäre Vordenker Murray Rothbard: ,,Niemandem kann seine Reputation gehören, weil diese einfach nur eine Funktion von Gefühlen und von Einstellungen anderer Leute ist. Da aber niemand wirklich das Bewusstsein und die Einstellungen anderer ‚besitzen‘ kann, kann auch niemand ein ‚Eigentum an seiner Reputation‘ haben.“ Auch nicht Erdoğan, der gerade zur Mimose mutiert. Respekt anderen gegenüber ist zwar wünschenswert, aber nun mal kein konstituierendes Merkmal der Meinungsfreiheit. Diese sieht keinen Mimosenschutz vor.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freitum.


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