12. April 2016

RezensionGerhard Schweizer: Syrien verstehen

Geschichte, Gesellschaft und Religion

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Ausgehend von seinen eigenen Erfahrungen in der Zeit vor dem bewaffneten Aufstand 2011 versucht Gerhard Schweizer, Strukturen innerhalb dieses außerordentlich komplexen und von vielerlei Interessen im Inneren wie auch auf Seiten außenstehender Mächte bestimmten Geschehens herauszuarbeiten und Zusammenhänge offenzulegen. Dabei macht er deutlich, dass zu den Schauplätzen jener Vielzahl an Konflikten, die sich in den syrischen Bürgerkrieg fortgepflanzt hatten, noch zahlreiche weitere dazukommen, die andernorts im Nahen Osten ihren Ursprung haben. Was sehr positiv auffällt, ist, dass der Autor durchaus in der Lage ist, westliche Versäumnisse und das Versagen der Großmächte des 19. und 20. Jahrhunderts beim Namen zu nennen. Er arbeitet heraus, warum eine Bewertung der Situation allein aus einem westlichen Blickwinkel zu kurz greift und wie die Entartungen der säkularistischen Denkmuster der Moderne einen erheblichen Teil dazu beitragen, dass deren Modelle in so vielen Ländern der Region auf Ablehnung stoßen. Auch islamfeindliche Dogmen werden gekonnt und mit großer Fachkunde auseinandergenommen, insbesondere dort, wo Schweizer herausarbeitet, wie eng die Traditionslinien der abrahamitischen Religionen tatsächlich miteinander verwoben sind und wo aus der jeweils orthodoxen Sicht der drei Weltreligionen die Gemeinsamkeiten, Trennlinien und die Grenzen der Toleranz liegen. Schweizer bemüht sich, zu differenzieren, wo gesellschaftliche Probleme, die politische Stabilität und wirtschaftliche Prosperität in der Region verhindern, tatsächlich auf islamische Ideen zurückzuführen sind. Insgesamt gelingt Schweizer ein sehr vielschichtiger, runder und erhellender Überblick über die Situation im Nahen Osten im Allgemeinen und in Syrien im Besonderen, der auch bei Lesern, die den Syrienkonflikt von Anbeginn an intensiv mitverfolgt haben, noch Erkenntnisgewinne auszulösen vermag.


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