12. April 2016

RezensionFrank Jordan: Die Ministerin

Roman

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Der schmierige Zürcher Skandaljournalist Bernd Bickler wird auf einem Hausboot in Bern erschossen aufgefunden. Carl Brun vom Schweizer Inlandsgeheimdienst ermittelt mit seinem Team, obwohl er eigentlich schon auf dem Abstellgleis steht und seine Einheit aufgelöst werden soll. Dass es um mehr als einen einfachen Mord geht, ist ihnen allen klar. Aber welche Dimensionen der Fall wirklich hat und dass sie dabei sind, die Hintergründe der weltweiten Finanzkrise aufzudecken, wobei die Spuren nicht nur in die höchsten Kreise von Politik und Hochfinanz führen, sondern noch weit darüber hinaus, das übersteigt dann doch ihre Vorstellungskraft...  Ein Roman zur Finanzkrise – da mag man das Schlimmste befürchten. Der Schweizer Autor Frank Jordan hat aber mit seinem Erstling „Die Ministerin“ einen spannenden Verschwörungs-Thriller vorgelegt. Er erzählt in personaler Multiperspektive und versteht es meisterhaft, in die Haut eines Investmentbankers, einer Geheimdienstmitarbeiterin, eines desillusionierten Ermittlers, eines intriganten Strippenziehers im Hintergrund und der Schweizer Außenministerin zu schlüpfen. Keine der Figuren ist richtig gut, keine nur böse, sie alle verfolgen ihre eigenen Interessen und wähnen sich auf dem Weg zum Ziel, während der Leser die Katastrophe am Horizont schon kommen sieht. Angesichts der Vielzahl der Protagonisten (unter denen der aufmerksame Leser den ein oder anderen Bekannten ausmachen wird) wundert er sich, dass er nicht den Überblick verliert – die Lebendigkeit der Figuren macht es möglich. Die Dialoge hätten dementsprechend vielleicht noch etwas variantenreicher ausfallen dürfen. Insgesamt jedoch ein brillantes Erstlingswerk des Autors, der nicht nur schreiben kann, sondern auch noch – was unter Literaten fast so selten vorkommt wie unter Wirtschaftswissenschaftlern – durch ein Verständnis ökonomischer Zusammenhänge und der Hintergründe zur Finanzkrise beeindruckt. 


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