12. April 2016

ef 162 Editorial

Wiederentdeckt: Julius Faucher

Dossierbild
Bildquelle: Wikimedia Commons (CC0)

Zum zweiten Mal haben wir in diesem Frühjahr einen ef-Jungautorenwettbewerb für Unter-30-Jährige ausgerufen. 2015 beteiligten sich acht Talente mit originellen und oft sehr guten Beiträgen zum Thema „Deutschland 2030“. Der Sieger, Dominik Ešegović, erwies sich als Rohdiamant, der danach bereits wiederholt als Autor und Übersetzer für eigentümlich frei tätig war und auf unserer großen Liberalismus-Konferenz auf Usedom im Herbst letzten Jahres eine viel beachtete humorvolle Rede gehalten hat. In diesem Jahr hat sich die Teilnehmerzahl mit nun 15 eingereichten Artikeln nahezu verdoppelt – und erneut sind wir in der Redaktion begeistert von der durchgängig hohen Qualität. Wir hatten diesmal zwei Themen zur Auswahl gestellt. Der erste Vorschlag lautete „Mehr Sicherheit: Privat statt Staat“. Die zweite zur Wahl stehende Fragestellung hieß: „Brauchen Libertäre Blumen, Lieder und Fahnen?“ Dabei bezogen wir uns auf ein recht bekanntes Zitat von Ludwig von Mises aus dem Jahr 1927. Mises schrieb damals in seinem Buch „Liberalismus“: „Rhetorisches Wortgepränge, Musik und Gesang erklingen, Fahnen flattern, Blumen und Farben dienen als Symbole. Der Liberalismus hat keine Parteiblume und keine Parteifarbe, kein Parteilied und keine Parteigötzen, keine Symbole und keine Schlagworte; er hat die Sache und die Argumente. Die müssen ihn zum Siege führen.“ Wir stellten aber fest, dass bis heute der Liberalismus trotz hervorragender Argumente nicht zum Sieg geführt wurde. Und deshalb fragten wir unsere jungen Leser und Autoren: Liegt es vielleicht an den fehlenden Blumen, Liedern und Fahnen?

Acht der 15 Beiträge finden Sie in diesem Heft – vier im Themenschwerpunkt „libertäres Marketing“ und vier zum Thema Sicherheit in den Bereichen Wirtschaft und Kultur. Diese acht Artikel werden zusammen mit den anderen sieben in einem gesonderten Dossier online auf ef-magazin.de erscheinen. Bei der Wahl des Siegers werden wir gerne Leser-Kommentare und -Likes mit berücksichtigen. Die Autoren der acht gedruckten Beiträge sowie zwei weitere der anderen Teilnehmer erhalten einen kostenlosen Platz in einem für Januar 2017 geplanten mehrtägigen ef-Seminar für junge Autoren. Der Gewinner wird mit einem dafür geschaffenen neuen Preis ausgezeichnet, den wir zukünftig jährlich verleihen möchten, nämlich der Julius-Faucher-Medaille.

Der Journalist Julius Faucher lebte von 1820 bis 1878, er war vermutlich der erste Anarchokapitalist in Deutschland. Faucher war im Jahr 1850 für ein paar Monate Herausgeber der „Berliner Abendpost“, einer kleinen Tageszeitung, die als freihändlerisches Kampfblatt galt und dann recht schnell von der preußischen Zensur unterdrückt wurde. Später war Faucher Sekretär Richard Cobdens in England – also quasi die deutsche Feder des Manchester-Liberalismus. Wiederentdeckt hat diesen Julius Faucher der amerikanische Historiker Ralph Raico in seinem wunderbaren Buch „Die Partei der Freiheit: Studien zur Geschichte des deutschen Liberalismus“. Um zu verstehen, warum die preußische Zensur den Postversand der „Abendpost“ untersagte und wie radikal der junge Faucher tatsächlich war, reicht es aus, zu zitieren, was er in der „Abendpost“ schrieb, als gerade ein Politiker verstorben war: „Gott sei Dank, wieder ein Staatsmann weniger!” Wohlgemerkt: im Jahr 1850!

Ein Name also wie eine Kampfansage – denn gerade heute halten wir es für nötiger denn je, junge Menschen mit „dem Geist Julius Fauchers“ zu befeuern. Wir möchten die Jugend wieder für die Freiheit begeistern, die immer auch Herrschafts- und Staatskritik ist. Julius Faucher hätte zum Beispiel Political Correctness verachtet, und er wusste bereits damals vor der Erschaffung des heutigen Wohlfahrts-, Überwachungs-, Betreuungs-, Betrugs- und Umverteilungsmonsters namens moderner Staat: Politik ist nicht die Lösung, sondern das Problem!

Das Wecken von Begeisterung für die liberalen und libertären Ideen und die Lehre und Festigung derselben sollen die eine Hälfte des angesprochenen Seminars bestimmen. Die andere Hälfte wird sich um Schreibtechnik und Autorenschulung bewegen. Ich bin zuversichtlich, dass wir in ein paar Jahren Dutzende von Perlen wie im letzten Jahr Dominik Ešegović geborgen und gefördert haben werden – einige davon finden Sie, verehrte Leser, erstmals in diesem Heft, bei dessen Lektüre ich wie immer viel Erkenntnisgewinn und Lesefreude wünsche.

Das Seminar für junge Freunde der Freiheit soll zukünftig regelmäßig stattfinden – dazu suchen wir noch Sponsoren. Ich freue mich über eine Rückmeldung, wenn Sie sich hier angesprochen fühlen! In diesem Sinne verbleibe ich wie so oft mit einer Mahnung, die von Julius Faucher stammen könnte: Kein Fußbreit den neosozialistischen Ausbeutern aller Parteien! Mehr Freiheit!

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 14. April erscheinenden Mai-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 162.


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Dossier: Faucher 2016

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