07. April 2016

RezensionMichael Klonovsky: Bitte nach Ihnen

Reaktionäres vom Tage. Acta Diurna 2012-2014

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Julius Cäsar gilt als Erfinder der Zeitung. Sein Acta diurna genanntes öffentliches Tagebuch dient dem Autor als Vorlage fürs vorliegende Werk. Michael Klonovsky verfügt über ein Sensorium für den Zeitgeist, das allenfalls durch die Schärfe seiner Wortwahl übertroffen wird. Seine Formulierungskunst besteht darin, beißende Kritik zu üben, ohne dabei je bösartig zu werden. Der Inhalt des Buches hält, was sein Titel verspricht: Hier schreibt ein „reaktionärer“ Autor, der jeden Sinns für politische Korrektheit und Zeitgeistrituale ermangelt. Ein schöngeistiger Kulturmensch und Bildungsbürger, der von der frischen Windradreligion ebenso viel hält wie von moderner Kunst: nicht das Geringste. Seine profunde Kenntnis des Werks Richard Wagners resultiert in vernichtenden Kommentaren zum derzeitigen, zumindest in deutschen Landen, namentlich in Bayreuth gepflogenen Umgang damit: Öde Nazivergangenheitsbewältigungstherapie. Dass jedem, von den Leitmedien gerne totgeschwiegenen, Übergriff fremder Zuwanderer auf eingeborene Deutsche nicht etwa der Ausdruck einer Sorge vor einer Wiederholung solcher Untaten folgt, sondern vielmehr ein Aufruf der politischen Klasse zum Kampf gegen rechts, quittiert Klonovsky mit Ironie und Ratlosigkeit. Der totale Sieg der politischen Korrektheit, der darin gipfelt, dass einige Verleger alle in ihrem Programm befindlichen Klassiker auf „anstößige Begriffe“ wie „Neger“ durchforsten, führt ihn zur Erkenntnis, dass man es hier mit der Umsetzung eines „Faschismus mit menschlichem Antlitz“ zu tun hat. Die euphorische Bejahung der Massenzuwanderung kulturfremder Individuen durch die Intellektuellen bildet einen der Schwerpunkte seiner Betrachtungen. Dass Einheimische die Schuld an der Desintegration muslimischer Immigranten tragen, liege auf der Hand. Indes stehe eine Erklärung für die erfolgreiche Integration von Ostasiaten aus. Was da wohl schiefgelaufen sein mag?


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