07. April 2016

RezensionJean Raspail: Das Heerlager der Heiligen

Roman

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„Meine Herren, wir müssen uns weltweit solidarisch Gedanken machen. Es ist unsere Pflicht, still zu sein und zu sagen: Diese Menschen sind auch unsere Brüder!“ Worte, die man unwillkürlich mit jenen salbungsvollen Platitüden assoziiert, die uns das politische Personal der BRD derzeit serviert. Mit feiner Ironie und derbem Humor glossierte der am 5. Juli 90 Jahre alt gewordene, im Jahr 2009 mit dem Prix Wartburg de Littérature für sein Lebenswerk ausgezeichnete französische Schriftsteller Jean Raspail in seinem Roman „Das Heerlager der Heiligen“ bereits 1973 die Zustände eines Frankreichs, das der Invasion einer Million Fremder entgegenblickt. „Eine Million!“ ruft der hellsichtige Publizist Machefer in einer fiktiven Pressekonferenz, während ihm das Wort entzogen wird. Raspail besitzt eine prophetische Gabe: Immerhin 0,8 Millionen Fremde werden sich heuer auf die Reise nach Deutschland machen, im übrigen Westeuropa sieht es kaum besser aus. Die veröffentlichte Meinung freut sich, sind es doch „Fachkräfte, Ärzte und Ingenieure“, die herbeieilen, um fleißig und großherzig unsere Rentenkassen aufzufüllen. Raspails finstere Vision zeichnet jene welthistorische Wende vor, an deren Abschluss die in der Antike wurzelnde europäische Kultur zu verlöschen droht. Vor über 40 Jahren war es noch möglich, solches zu Papier zu bringen; heute ist die Meinungsfreiheit derart fortgeschritten, dass Raspail Dutzende von Strafverfahren blühen würden. Jetzt ist sein Opus magnum, 1985 von Erich Kopp für den Verlag Hohenrain-Grabert direkt aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt, wieder und diesmal in kompletter Länge erhältlich, neu übersetzt und überarbeitet von ef-Dokumentarfilmkritiker Martin Lichtmesz. „Das Heerlager der Heiligen“ ist von packender Aktualität, der Rückbezug auf die biblische Apokalypse ordnet die Ereignisse in ihrer Größenordnung treffend ein. Das Buch verdient weitestmögliche Verbreitung.


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Dossier: Literatur

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Wolfgang Viereth

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