04. April 2016

RezensionAlexander Kissler: Keine Toleranz den Intoleranten

Warum der Westen seine Werte verteidigen muss

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Der Autor, der sich tief in die Ideengeschichte versenkt hat, bringt auf den Punkt, dass die als Toleranz getarnte Ignoranz oder Gleichgültigkeit, die sich in der unhinterfragten „Willkommenskultur“ unserer Tage ausdrückt, die Fundamente zerstört, auf denen Europa errichtet ist. Fundamente, die in spiritueller und philosophischer Hinsicht auf den Hügeln Jerusalems, Athens und Roms gelegt wurden. Die „Entdeckung des naturrechtlich aufgewerteten Individuums in der Antike“ bildet das „westliche Prinzip“. Vier Sätze des Evangeliums nennt der Autor sinnstiftend für das Denken der abendländischen Welt: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“, „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (diese beiden Forderungen bilden das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat), „Lasst beides wachsen bis zur Ernte“ (was dem Einzelnen die freie Entscheidung zwischen Gut und Böse einräumt) und „Wo euch jemand nicht annehmen wird, noch eure Rede hören, so geht heraus von demselben Haus oder der Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen“ (das Toleranzprinzip). All das ist der Welt des Islam unbekannt oder steht in direktem Widerspruch zu seinen Lehren. Individuelle Menschenrechte sind ihm fremd. Freier Umgang mit der Religion ebenfalls – was in der Logik eines Systems liegt, das Diesseits und Jenseits integriert und den Anspruch erhebt, alle irdischen Lebensbereiche bis ins Detail zu reglementieren (also dem einzelnen nicht einmal die Art und Weise freizustellen, wie er „richtig“ zu beten hat). In den seltenen Fällen, da in der Welt des Halbmonds „liberale Geister“ auftraten wie Avicenna (gestorben 1037) oder Averroës (gestorben 1198), hatten sie keine Vorläufer und blieben ohne jede Wirkung auf die Nachwelt. Freies Denken – die unabdingbare Grundlage jeden Fortschritts und jeder Weiterentwicklung des Menschen – sind dem Wesen des Islam entgegengesetzt, was die Rückständigkeit der Welt des Halbmonds in wissenschaftlicher, kultureller und ökonomischer Hinsicht erklärt. Freiheit bildet die Basis der „Killerapplikationen“, die es dem Okzident einst ermöglichten, die Welt zu erobern. Doch wie sagte schon Goethe: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ Und hier liegt das Problem: Die von den Vätern erstrittenen und von den Heutigen ererbten Errungenschaften – sie gelten allzu vielen als zu selbstverständlich, um etwas für ihre Verteidigung zu tun. Die heute allseits eingemahnte „Toleranz“ entpuppt sich oft als Unwissenheit oder Beliebigkeit – geboren aus dem Umstand, keine Ahnung davon zu haben, was dräut, wenn die Fundamente des abendländischen Denkens zerfallen. Kissler widmet sich ausführlich jenen Denkern, die er als diejenigen identifiziert, die entscheidende Impulse für das Denken und Handeln der westlichen Welt geliefert haben. Cicero, einer der wichtigsten davon, wurde zum ersten Protagonisten des Naturrechtsdenkens. Er wiederum lieferte die Grundlagen, auf denen lange Zeit später John Locke seinen „Brief über die Toleranz“ verfassen und Voltaire „Über die Toleranz“ schreiben konnte. Nichts davon wäre in der Welt des Islam möglich, ohne eine Fatwa auf sich zu ziehen. Nichts könnte den Unterschied zwischen orientalischem und okzidentalem Denken deutlicher machen als der Umgang der Herrschenden mit unbequemen, kritischen Geistern. Der Autor geht der Frage nach, was die muslimischen Attentäter umtreibt, die mit erschreckender Regelmäßigkeit unschuldige, meist völlig harmlose Mitmenschen (oft genug ebenfalls Muslime) massakrieren. Die Antwort darauf ist im Koran zu finden. In einem Buch, das als Grundlage und Rechtfertigung für alles herhalten muss. Um im Kampf der Kulturen gegen die islamische Welt bestehen zu können, bedarf es einer „wehrhaften Demokratie; einer offensiven Toleranz und des Mutes, nein zu sagen.“ Ein – besonders dieser Tage – lesenswertes Buch!


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