30. März 2016

RezensionRudolf Taschner: Die Mathematik des Daseins

Eine kurze Geschichte der Spieltheorie

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Um mit dem Positiven zu beginnen: Hier schreibt ein Mann, der komplizierte Sachverhalte und Problemstellungen in einer auch für den Laien gut verständlichen Sprache darzustellen weiß. Der Autor pflegt einen flüssigen, leicht lesbaren Schreibstil und verfügt über das weit über sein Sachgebiet, die Mathematik, hinausgehende Wissen des Bildungsbürgers. Hat man erst zu lesen begonnen, fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Wer sich am Titel orientiert und hofft, eine profunde Darstellung der Spieltheorie vorzufinden, wird indes eine Enttäuschung erleben. Man gewinnt rasch den Eindruck, dass die geschilderten spieltheoretischen Problemstellungen lediglich den Aufhänger für eine Fülle anekdotischer Erzählungen über das Leben großer Mathematiker und Philosophen bilden. Zweifellos ist es interessant, zu erfahren, dass Wien in der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg ein Zentrum der Wissenschaften war. Auch die schlaglichtartig geschilderten Biographien von Männern wie Karl Menger (Sohn des Begründers der „Österreichischen Schule der Nationalökonomie“ Carl Menger), Hans Hahn oder Oskar Morgenstern sind hochinteressant. Dass die Spieltheorie in der Zeit des Kalten Krieges eine wichtige Rolle spielte, um politisch-strategische Entscheidungen zu erleichtern, ist sicher nicht allgemein bekannt. Dass spieltheoretische Erkenntnisse auch für wirtschaftlich handelnde Akteure überaus hilfreich sein können, genauso wenig. Doch leider kommt die von vielen Käufern des Buches erwartete Beschäftigung mit dem apostrophierten Spezialgebiet der Mathematik eindeutig zu kurz. Selbst ein in Fragen der Mathematik unterernährter Leser wie der Verfasser dieser Zeilen kann dem Band kaum Neues entnehmen. Der „Zahlensack“ (ein Falschspielertrick), das „Chicken-Game“ und das „Gefangenendilemma“ werden zwar anschaulich dargestellt, der Horizont der meisten Leser dürfte aber nicht entscheidend erweitert werden.


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