29. März 2016

EZB Die verheerende Geldpolitik

Dreh- und Angelpunkt allen Unheils ist das staatliche Monopol

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Bildquelle: VanderWolf Images / Shutterstock.com Helikopter: Demnächst im EZB-Rettungseinsatz?

Mit der unseligen Politik der Niedrig-, Null- und Negativzinsen will die Europäische Zentralbank (EZB) in der Euro-Zone das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Das gleiche Ziel verfolgt sie mit dem Aufblähen der Geldmenge (Inflation) durch den Ankauf von Unmengen an Staats- und Bankanleihen, damit auf diese Weise mehr (Kredit-) Geld in den Wirtschaftskreislauf kommen soll. Die erste Maßnahme führt dazu, dass die Menschen für ihr Geld auf der Bank keine Zinsen mehr bekommen oder sogar Strafzinsen zahlen müssen, und mit der zweiten will die EZB außerdem erreichen, dass Geld auf schleichende Weise zusätzlich an Kaufkraft verliert. So sollen die Menschen gezwungen werden, das Geld auszugeben, statt es auf Girokonten herumliegen zu lassen.

Warum die staatlichen Notenbanken Geld verschenken sollen

Aber bislang ist der EZB der Wachstumsschub misslungen. Daher geistert jetzt durch die geldpolitischen Debatten der Gedanke, die Konjunktur dadurch zu stimulieren, dass die EZB Geld an die Unternehmen und Bürger in Massen verschenkt, wie es Ökonomen derzeit als letztes Mittel der Geldpolitik diskutieren. Bildlich gesprochen wäre das so, als würde die EZB Geld für alle aus dem Helikopter abwerfen, so dass dafür der Begriff „Helikopter-Geld“ entstanden ist. (Aufgekommen ist dieser Begriff, als der ehemalige Präsident der amerikanischen Notenbank Fed, Ben Bernanke, davon gesprochen haben soll, im Fall einer Deflation Geld notfalls aus dem Hubschrauber abzuwerfen. In Finanzkreisen trug ihm das den Spitznamen „Helikopter-Ben“ ein.) Tatsächlich jedoch würde die EZB (im Zusammenwirken mit den Geschäftsbanken) das Geldgeschenk zum Abruf auf den privaten Bankkonten bereitstellen, also als beliebig vermehrbare Guthaben – nämlich in der Hoffnung oder mit der Maßgabe, dass es ausgegeben wird, sei es für Investitionen, sei es für den Konsum. Täten Unternehmen und Bürger das und käme das Güterangebot der durch diese beliebig vermehrbare Geldmenge ausgelösten Güternachfrage nicht schnell genug nach, würde das entsprechende Preissteigerungen auslösen.

Helikoptergeld? Für Issing eine „totale Geistesverwirrung“

Zu den Gegnern von Helikopter-Geld gehört Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Er mahnte: „Ob und wie Geld an die Bürger verschenkt wird, ist eine hochpolitische Entscheidung, die Regierungen und Parlamente fällen müssten. Die Notenbanken haben dazu kein Mandat.“ („FAZ“ vom 21. März 2016, Seite 17.) Gewarnt hat auch der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing: „Die ganze Idee des helicopter money halte ich für besorgniserregend, für geradezu verheerend. Denn das ist ja nichts anderes als eine Bankrotterklärung der Geldpolitik. Eine Notenbank, die Geld verschenkt, wird kaum mehr die Kontrolle über die Notenpresse wiedererlangen können.“ Er hält diese Debatte „für eine totale Geistesverwirrung“. Technisch zwar gebe es für die Munition der EZB keine Grenze, doch müsse man fragen, was man mit immer expansiveren Mitteln erreiche. Die wirtschaftliche Lage werde „in ein Chaos“ hineingeredet. („FAZ“ vom 24. März 2016, Seite 19.)

Das Geld heute ist Schuldgeld, vermehrbar in jeder Menge und schnell

Möglich geworden ist diese verheerende Geldpolitik durch das herrschende und vom Staat monopolisierte Geldsystem. Es ist ein Schuldgeldsystem, weil in diesem System die Zentralbanken das Geld als Kredit bereitstellen. Sowie ein Kredit eingeräumt, also ein Guthaben entstanden ist und der Kreditnehmer darüber verfügen kann, ist Geld entstanden, in diesem Fall Buchgeld. Es handelt sich um eine „Geldschöpfung aus dem Nichts“. Natürlich kann man Geld „aus dem Nichts“ auch drucken (Noten) oder prägen (Münzen), aber das ist umständlicher und kostspieliger. Gibt der Kreditnehmer das durch Kredit erzeugte Geld aus, wird dieses Geld zu kaufkräftiger Nachfrage. Das Geld, das so und im elektronischen Geldverkehr mit dem Drücken auf wenige Computer-Tasten geschaffen werden kann, ist beliebig vermehrbar – in jeder Menge und vor allem schnell. 

Ein zerbrechliches System, das zum Kollaps führt

Mit den Folgen dieses auf Verschuldung basierenden Geldsystems mit der ungebremsten Geldschöpfung aus dem Nichts hat sich der Ökonom Ludwig von Mises (1881-1973) befasst. Er beschreibt, wie zerbrechlich dieses Schuldgeldsystem ist und dass es letztlich zum unausweichlichen Kollaps des Systems und der Wirtschaft führt.

Kunstgriffe für eine wirtschaftliche Scheinblüte

„Die Vermehrung der Menge des Geldes und der Umlaufsmittel wird die Welt nicht reicher machen und das nicht wieder aufbauen, was der Destruktivismus niedergerissen hat. Ausdehnung des Zirkulationskredits führt zwar zunächst zum Aufschwung, zur Konjunktur; doch diese Konjunktur muss notwendigerweise früher oder später zusammenbrechen und in eine neue Depression einmünden. Durch Kunstgriffe der Bank- und Währungspolitik kann man nur vorübergehende Scheinbesserung erzielen, die dann zu umso schwererer Katastrophe führen muss. Denn der Schaden, der durch die Anwendung solcher Mittel dem Volkswohlstand zugefügt wird, ist umso größer, je länger es gelungen ist, die Scheinblüte durch fortschreitende Schaffung zusätzlichen Kredits vorzutäuschen.“ (Ludwig von Mises, Die Gemeinwirtschaft. Untersuchungen über den Sozialismus. 1922 und 1932. Seite 461-462.)

Dreh- und Angelpunkt allen Unheils: das staatliche Geldmonopol

Zusätzlich gefährlich ist diese Geldschöpfung, weil sich die Staaten mit ihren Zentralbanken das Monopol darüber verschafft haben. In einem Beitrag für den Online-Auftritt des Ludwig-von-Mises-Instituts Deutschland schreibt Hubert Milz: „Der Dreh- und Angelpunkt allen Unheils, das die Politik verursacht und zum Scheitern des neoliberalen Projekts ‚soziale Marktwirtschaft‘ führen musste, liegt im staatlichen Monopol der Geld- und Währungspolitik begründet, also in einem der Eckpunkte der Ordnungspolitik. Leider wissen die meisten Menschen nicht, was Geld leisten soll. Die Hauptfunktion von Geld ist es, Tauschmittel zu sein. Die Funktionen Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel sind lediglich Unterfunktionen. Ebenfalls glauben viele noch, dass Geld durch Gold gedeckt sei oder Geld den Wert der Waren und Dienstleistungen zu spiegeln hat, oder glauben gar, dass der Wert des Geldes von der Regierung festgelegt wird.“

Vom einstigen Naturaltausch bis zum politischen Zwangsgeld der Gegenwart

Hubert Milz ist Diplom-Ökonom und Diplom-Betriebswirt und in dieser Eigenschaft auch als Publizist tätig. „Auch die Entstehung des Geldes wird oftmals ganz selbstverständlich in Verbindung mit einem hoheitlichen Akt gesehen; das staatliche Geld- und Währungsmonopol wird als eine Selbstverständlichkeit angesehen. Dass das Geld durch menschliches Handeln langsam entstanden ist und dies ein steiniger Weg war, wird von kaum jemandem reflektiert: der Weg vom Naturaltausch zur Entdeckung eines allgemein akzeptierten Tauschmittels (Edelmetalle – später in Form von Gold- und Silbermünzen); die Okkupation der Münzhoheit durch die staatlich Mächtigen zum Schaden der Allgemeinheit; die Entwicklung des modernen Bankwesens mit dem staatlichen Privileg, die Depositenkonten (Gold- und Silberkonten der Bankkunden) zu veruntreuen, zum Vorteil der Banken und des Staates – das Privileg nennt man Teilreserve: Die Banken brauchen nur einen Teil der jederzeit fälligen Gelder vorzuhalten; der klassische politische Goldstandard des späten 19. Jahrhunderts, der durch zwei Weltkriege zur Anekdote wurde; eine Anekdote, die nach 1945 noch als blasser Schein im Währungssystem von Bretton-Woods als „Untote“ fortbestand; und die schließlich 1971 in ein reines, ungedecktes politisches Zwangsgeld ohne inneren Wert mündete, ins papierene Scheingeld der Gegenwart, das keinerlei reale Begrenzungen kennt und durch die Regierungen problemlos vermehrt werden kann und durch nichts gedeckt ist.“

Vordergründig verantwortlich: eine angeblich unabhängige Zentralbank

„Papiergeld“, so erläutert auch Milz, „kann leicht, schnell und billig vermehrt werden; Regierungen könnten also ganz einfach Geld drucken. Doch so plump sind auch Politiker nicht, die Geldvermehrung findet subtiler statt. Verantwortlich für die Geldpolitik ist vordergründig eine angeblich unabhängige Zentralbank (Notenbank), die die allgemeine Wirtschaftspolitik der Regierung zu unterstützen hat. Das System ist so organisiert, dass Regierungen nur zwei Wege der Geldbeschaffung haben: durch Steuern und Abgaben oder durch Verschuldung, das heißt Staatsanleihen ausgeben.“

Fast immer eine Geschichte von Lug und Trug

Milz weiter: „Ein Staatsgeldsystem lädt Regierungen immer zum Betrug ein. Die Geschichte des staatlichen Geldwesens ist bis auf wenige kurze Zeiträume, wie Friedrich A. von Hayek dies anmerkte, immer eine Geschichte von Lug und Trug gewesen. Deshalb plädieren Autoren wie Baader, von Hayek, Hülsmann, Polleit, von Prollius und andere für die Abschaffung des Staatsgeldsystems, des Teilreserve-Banksystems und der Zentralbanken. Das Geld soll dem Markt, wo es entstanden ist, zurückgegeben werden.“ Lesen Sie zum Thema auch den Beitrag „Geldmengenausweitung – ein Weg der versteckten Besteuerung“ des amerikanischen Ökonomen Murray N. Rothbard (1926-1995). Einschlägig ferner: „Die letzten Strohhalme der Geldpolitik: Negativzins und Bargeldverbot“ von Frank Hollenbeck und „Der Vertrauensverlust in das Geldsystem wird zunehmen“ von Antony P. Mueller.

Die Lehre der „Austrians“ verdrängt von den Epigonen des J.M. Keynes

Ludwig von Mises ist, wie wohl so manchen Lesern bekannt, Mitbegründer und Hauptfigur der Österreichischen oder Wiener Schule der Nationalökonomie, aus der unter anderen auch Friedrich A. von Hayek stammt. Ihre Vertreter heißen im englischen Sprachraum kurz „The Austrians“. Doch findet diese Lehre an den Hochschulen, zumal an deutschen, kaum noch statt. Als Folge der Lehren des britischen Nationalökonomen John Maynard Keynes (1883-1946) und seiner Epigonen in Wissenschaft und Politik ist sie aus den Hörsälen der Wirtschaftsfakultäten nahezu verschwunden und gleichsam verbannt worden – zu Unrecht und zum Schaden der Menschen.

Das deficit spending und sein politischer Missbrauch

Keynes wies die Aufgabe, die Wirtschaft eines Landes aus einer Unterbeschäftigung (wieder) in die Vollbeschäftigung zu führen, der Regierung und der Notenbank zu, also dem Staat. Dieser müsse in einer wirtschaftlichen Depression mit eigenen Ausgaben die Wirtschaft ankurbeln, finanziert durch Kreditaufnahme, also mittels Staatsverschuldung (deficit spending). Politiker griffen nach diesem Rettungsanker nur allzu gern, um Tätigkeit und scheinbar kraftvolle Politik zu demonstrieren, aber sie missbrauchten ihn auch bei normalen und nur kleinen Konjunkturdellen, was zu immer mehr staatlichen Eingriffen in den Wirtschaftsablauf führte, vor allem in der Geldpolitik, die eine Politik des leichten Geldes ist.

Den VWL-Studenten auch vermitteln, was die „Austrians“ zu sagen haben

Jüngst las ich, an deutschen Universitäten würden die Studenten der Volkswirtschaftslehre zu wenig zum Nachdenken über das eigene Fach angeregt. Zu diesem Nachdenken gehört, dass diese Studenten auch viel über die Geschichte des ökonomischen Denkens vermittelt bekommen und über die Denkschulen der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen („Dogmengeschichte“). Es wird Zeit, dass sie dabei ebenfalls erfahren, was „The Austrians“ zu sagen haben, die es auch mit jüngeren Wirtschaftswissenschaftlern nach wie vor gibt. Doch haben sie es nach wie vor schwer, an deutsche Universitäten berufen zu werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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