29. März 2016

RezensionHeinrich Wohlmeyer: Empörung in Europa

Wege aus der Krise

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Der Autor wendet sich gegen „zukunftskriminelles Handeln“. Sein Buch sei ein Beitrag zum „Kurswechsel in Richtung Zukunftsfähigkeit der gesellschaftlichen Regelsetzungen“. So kämpft er sich durch Problembereiche wie „Ausblendung der ökologischen und sozialen Grenzen“, „unangepasste Energieversorgung“, die „von der Realwirtschaft abgehobene und diese dominierende (ausbeutende) Finanzwelt“ und vieles mehr. In der Analyse hat er recht. Dass kleinräumige Strukturen dem „rechten Maß“ näherkommen als gigantische, leuchtet ein. Dass eine dezentrale Energieversorgung mehr Krisensicherheit bietet als eine auf wenige Riesenkraftwerke gestützte, ist wahr. Dass sich die Finanzwirtschaft zum Monstrum entwickelt hat, dem sich selbst mächtige Staaten kaum noch entgegenstellen können, ebenfalls. Problematisch dagegen erscheinen die Therapiemaßnamen. Der Pfad zur Tugend ist für Wohlmeyer mit Verboten, Regulierungen und neuen Steuern gepflastert. Die geforderte „Internalisierung externer Kosten“ läuft auf die Verteuerung von Produkten und Dienstleistungen hinaus und bedingt – und das ist bedenklich – eine weitere Stärkung des Leviathans. Den Beelzebub der allzu mächtig gewordenen (Finanz-) Industrie mit dem Teufel eines allmächtigen (Welt-) Staates auszutreiben, ist keine gute Idee. „Die Macht kommt aus den Gewehrläufen“, wusste schon Mao Tse-tung. Microsoft, die Deutsche Bank oder Daimler-Benz unterhalten aber – im Gegensatz zum „Großen Bruder“ – weder Armeen noch (Geheim-) Polizeien. Der den gesamten Text durchziehende, naive Glaube ans Edle im politischen Verantwortungsträger offenbart eine erstaunliche Weltfremdheit des Autors. Wiederholt bricht Wohlmeyer eine Lanze für die Subsidiarität, beschwört aber ebenso den internationalen Gleichschritt bei der Umsetzung von Regulierungs- und Steuerungsmaßnahmen. Wie passt das zusammen? Die Erkenntnis, dass jeder für sein Handeln selbst verantwortlich ist, steht der faktischen Forderung nach einer alles und jedes regelnden Weltregierung klar entgegen.


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