24. März 2016

RezensionGérard Bökenkamp: Ökonomie der Sexualität

Von der Liebesheirat bis zur Sexarbeit

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Mit „Der ökonomische Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens“ machte der 2014 verstorbene US-Ökonom Gary Becker in den 70er Jahren das mikroökonomische Instrumentarium zur Erforschung von Alltagssituationen salonfähig. Im Jahr 1992 erhielt er in Anerkennung seiner Transferleistung den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften. Besonderen Widerspruch provozierte freilich seine ökonomische Analyse familiärer Beziehungen inklusive der Reproduktion von Humankapital. Nichtsdestotrotz hat sich bereits vor zehn Jahren der ehemalige „FAZ“-Wirtschaftsredakteur Hanno Beck mit „Der Liebesökonom: Von Kosten und Nutzen einer Himmelsmacht“ erfolgreich an einer Variation des Themas versucht. Im deutlichen Kontrast zu dessen spielerischer Anthologie sowie dem romantisch-ordinäre Spannung suggerierenden Titel besticht Gérard Bökenkamps populärwissenschaftliche Abhandlung durch jenen unverwechselbaren Stil, für den ihn der geneigte ef-Leser kennt und schätzt: prosaisch, strukturiert, analytisch – stets gepaart mit einem stringent abgeleiteten epistemischen Mehrwert. Gestützt auf die Murray Rothbards Konzept des psychischen Einkommens entlehnten fünf Grundaxiome menschlichen Handelns durchleuchtet er zahlreiche Mikro- und Makrofacetten der schönsten Nebensache der Welt und damit verbundene Themenkomplexe: Partner- und Berufswahl, Gehaltsunterschiede und Geschlechterpolitik, Heiratsregeln und Familienstrukturen, Kinderwunsch, Kinderzahl und demographische Entwicklung, häusliche Arbeitsteilung sowie natürlich auch reproduktive, romantische und kommerzielle Pflege geschlechtsvertraulichen Umgangs. Wer die ef-Beiträge des jüngst zum Leiter von Open Europe Berlin berufenen Autors regelmäßig verfolgt, wird zahlreiche Versatzstücke, so zu den Themen Clangewalt (ef 105), Ehepolitik (ef 113), der Präferenztheorie nach Catherine Hakim (ef 136) oder Kinder als Produktionsfaktor und Konsumgut (ef 148) wiedererkennen, die mit neuem Ideengut zu einem erkenntnisreichen Theoriegebäude amalgamiert wurden.


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