23. März 2016

RezensionHenryk M. Broder: Das ist ja irre!

Mein deutsches Tagebuch

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Wer Henryk M. Broder schon einmal in einer Gesprächsrunde oder einer Lesung auftreten sah, weiß, dass der Journalist mit einem ganz eigentümlichen Humor aufwartet. In seinem neuen Buch, das er laut eigenen Angaben eigentlich nicht schreiben wollte, sind die täglichen „Entgleisungen, Fehlleistungen und Täuschungen“ deutscher Politiker und Journalisten dokumentiert und für die Nachwelt gesammelt. Wieviel Tugendwächtertum bereits im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres auf Deutschland eingeprasselt ist, wird erst durch ein Tagebuch wie dieses deutlich. Darin wird die mittlerweile große Vielfalt der Themen sichtbar, bei denen hiesige Medien ihre ansonsten hochgepriesenen journalistischen Standards reihenweise über Bord werfen. Broders Lieblingsthemen sind wie eh und je Israel, Islam und EU. Im Januar vermeldete das ZDF, dass die syrische Stadt Kobane nach monatelangen Kämpfen so aussehe wie Gaza nach der letzten israelischen Intervention. Broder: „Was für ein Unsinn! Verglichen mit Kobane sieht Gaza wie Bad Schwartau nach einem Unwetter aus. Kobane erinnert an Dresden nach dem Bombardement der Alliierten im Februar 1945.“ Besonders erheiternd sind diejenigen Entgleisungen, die keinen größeren Schaden anrichten. Hierbei nimmt Broder Claudia Roth, Frank-Walter Steinmeier oder Bayerns Vorzeigegrünen Anton Hofreiter aufs Korn. Letzterer sprach in einer Talkshow ganz gendergerecht von „weiblichen Freundinnen“. Broders Kommentare zum täglichen Islam-Hofieren und zu Broders EU-Lieblingen Elmar Brok und Martin Schulz lassen auch über seine notorische Liebe zu den Vereinigten Staaten hinwegsehen. In Zeiten von grenzenloser Euro-Rettung, Genderwahn, Internetüberwachung und Tugendterror ist es oftmals schwer, den ganzen Irrsinnswald vor lauter Stumpfsinnsbäumen zu sehen. Broders „deutsches Tagebuch“ sammelte zumindest diejenigen für ein Halbjahr. Einfach irre.


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