18. März 2016

RezensionLuis Pazos: Gold-Revision

Vom kosmischen Fall zum irdischen Aufstieg der Edelmetalle

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Früher war Gold noch Geld. Und Gold stellte einen echten Wert dar, weil es knapp war, schön glänzte und deshalb als Schmuckmetall Verwendung fand und somit auf einem freien Markt nachgefragt wurde. Und zur Standardware vulgo Geld taugte es, weil es knapp, haltbar, gleichartig und teilbar ist. So lehren es die Ökonomen, einschließlich derer der Österreichischen Schule. Nein, sagt Luis Pazos. Die Wertschätzung des Goldes habe mit einem freien Markt nicht viel zu tun. Ausgehend vom Misesschen Regressionstheorem, demzufolge sich das monetäre Vertrauen aus der historisch tradierten Stabilität einmal standardisierter Tauschgüter speist, geht der Autor der Frage nach, wie diese Kette des Vertrauens und des Kaufkrafterhalts ihren Anfang nahm.

Dem „Mythos Gold“ versucht er eine (prä-) historische Analyse entgegenzusetzen. Den ökonomischen Hintergrund bildet eine fundamentale Kritik an der Österreichischen Schule: Bevor Menschen Überschüsse erzielen können, sind sie erst einmal damit beschäftigt, Defizite auszugleichen. Vor diesem Hintergrund kann die ursprüngliche ökonomische Wertschätzung des Goldes nur erklärt werden, wenn auch das Gold einen ganz praktischen Nutzen beim Ausgleich der „Urschuld“ hatte. Und diesen Nutzen sieht der Autor in seiner Verwendung als Waffenmetall und „Herrschaftsmetall“. Wer das nun für fragwürdig hält, sollte sich dadurch nicht von der Lektüre abhalten lassen, denn wie Pazos zu seinen Schlussfolgerungen gelangt, das ist spannend wie ein Krimi.

Wo Vertreter der Österreichischen Schule die Geschichte des Geldes oft so erzählen, wie sie a priori „gewesen sein muss“, damit es zur Theorie passt, liefert Pazos historisch-empirische Indizien für eine andere Sicht der Dinge. Nichts wäre mehr zu wünschen, als dass ein „österreichischer“ Ökonom in die historischen „Niederungen“ stiege und eine Replik auf die „Gold-Revision“ auf gleichem Niveau verfasste. 


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Ulrich Wille

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