18. März 2016

RezensionHans-Hermann Hoppe: Eine kurze Geschichte der Menschheit

Fortschritt und Niedergang

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Hier werden gegen den Hauptstrom gebürstete Erkenntnisse und Schlussfolgerungen präsentiert. Das Zitat: „Ich fördere keine unbekannten Fakten zutage oder bestreite bestehende Erkenntnisse“, trifft daher nur auf die beiden ersten Kapitel des Buches zu. In dessen erstem Teil werden jene Schritte beschrieben, die den Menschen in die Zivilisation geführt haben. Der vor etwa 11.000 Jahren erfolgte Übergang zur Sesshaftigkeit ist der wesentlichste davon. Im zweiten Teil beschreibt Hans-Hermann Hoppe den Weg der Menschheit bis zur „industriellen Revolution“, die den Weg aus der „Malthusianischen Falle“ weist. Die „kapitalistische“ Umwälzung führt zur substanziellen Zunahme der persönlichen Einkommen und liefert die Voraussetzungen für einen dramatischen Anstieg der Bevölkerungszahl. Im dritten Teil des Werks beschäftigt sich der Autor mit den Konsequenzen des Übergangs von der Monarchie zur Demokratie. Vorausgeschickt sei die Erkenntnis, dass mit wachsender Größe politischer Entitäten eine zunehmende Ausbeutung der Bürger durch den Staat einhergeht. In kleinen politischen Einheiten sind die Begehrlichkeiten des Leviathans geringer.

Grundsätzlich gilt: Während der Wettbewerb unter wirtschaftlich tätigen Menschen und Institutionen dem Bürger stets zum Vorteil gereicht, führt ein Wettbewerb auf der politischen Ebene stets zu stärkerer Regulierung, weniger Freiheit und höheren Steuerlasten für den Bürger. In der Demokratie werden die persönlichen Privilegien des Adels durch funktionelle Privilegien der gewählten Amtsträger ersetzt. Der Wegfall von Zugangsbarrieren zur politischen Macht nährt die Illusion, Krethi und Plethi könnten selbst an der Macht teilhaben und die damit verbundenen Pfründe kassieren. Darüber hinaus fallen alle Hemmungen bei der Erfindung neuer Staatsausgaben – in der Hoffnung, für diese nicht selbst aufkommen zu müssen, sondern sie anderen aufbürden zu können. Das in der Monarchie nur einer kleinen Personengruppe zustehende Privileg, parasitär auf Kosten anderer leben zu können, wird in der Demokratie im Prinzip auf die gesamte Gesellschaft ausgedehnt. Jeder kann am Diebstahl teilnehmen – wenn er nur geschickt genug ist, sich nahe genug an der Macht zu positionieren. Es ist kein Zufall, dass die Steuerlasten in der Massendemokratie ebenso unentwegt zunehmen wie das Ausmaß der vom Staat usurpierten Zuständigkeiten und die Zahl der Beamten. Da „in einer Demokratie sichergestellt ist, dass nur gefährliche Menschen zur Spitze der Staatsregierung aufsteigen“, nimmt die totale Politisierung der Gesellschaft autodestruktive Züge an. Demokratische Mehrheiten finden sich stets im Lager der Habenichtse, selten aber bei den im Wohlstand Lebenden. Daher besteht der Hauptzweck des heutigen Politsystems in der Wohlstandsumverteilung von den Produzenten zu den Nichtproduzenten. Anders ausgedrückt: von den Gescheiten, Fleißigen und Anständigen zu den Faulen und Unanständigen. Fatale Konsequenz: Kapitalverzehr und Wohlstandsverlust. Alle von Hoppe theoretisch entwickelten Überlegungen sind empirisch zu belegen: Konzentrationsprozesse, Schuldenexzesse, zunehmender Konformitätsdruck, Verfall der Moral, Freiheitsverluste – alles Symptome des politischen „Fortschritts“.

Der Autor erkennt – wohl zur Überraschung jener Leser, die dem Libertarismus kritisch gegenüberstehen – die wahre Machtelite in den „Plutokraten“, die sich der politischen Klasse als Werkzeug bedienen. Die Symbiose von Big Government und Big Business geht zu Lasten der Bürger. Als Ausweg aus dem Weg zum Zusammenbruch sieht Hoppe die Abkehr von der Megalomanie und eine Rückkehr zur kleinräumigen Ordnung – auf der Ebene von Städten und Dörfern, wo im Idealfall jeder jeden kennt und ein parasitäres Leben einer privilegierten Klasse durch die laufende Kontrolle der Kleingruppe unmöglich wird.


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