17. März 2016

Verbraucherschutz und Tabak Schockieren statt informieren

Offensive gegen den mündigen Konsumenten

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Bildquelle: shutterstock Tabak: Lecker!

Mit großer Spannung erwarten die Raucher in Deutschland die Schockbilder auf den Zigarettenschachteln. Ab dem 20. Mai 2016 ist es so weit. Was sich an diesem Datum noch ändert, ist hingegen noch nicht ganz so bekannt: Künftig ist der Abdruck der Teer-, Nikotin- und Kohlenmonoxidwerte auf den Zigarettenverpackungen, der seit 2002 gesetzlich vorgeschrieben war, verboten. Die bislang abgedruckten Informationen über die Inhaltsstoffe von Zigaretten ermöglichten es Rauchern, Produkte miteinander zu vergleichen und somit informierte Entscheidungen über den eigenen Tabakkonsum zu fällen. Genau dies ist aber offensichtlich den Verbraucherschützern ein Dorn im Auge.

Mit großem Unverständnis reagiert der Deutsche Zigarettenverband DZV auf diese Veränderungen: „Jeder Joghurtbecher und jedes Frühstücksei werden ab dem 20. Mai 2016 für den Verbraucher besser gekennzeichnet sein als Tabakerzeugnisse“, kritisierte DZV-Geschäftsführer Jan Mücke in einer Pressemitteilung des Verbandes vom 14. März 2016. „Es ist ein unerklärlicher Widerspruch der Verbraucherschutzpolitik, wenn Raucher über die Abrauchwerte von Tabakerzeugnissen nun nicht mehr informiert werden dürfen. Was bisher zwingend gesetzlich vorgeschrieben war, wird künftig verboten sein. Das hat mit logischer Politik und verlässlicher Kennzeichnung von Produkten nichts zu tun. Das Leitmotiv einer Verbraucherschutzpolitik mit Augenmaß muss das Informieren und nicht das Schockieren sein.“

Doch wer die Strategie der deutschen und europäischen Verbraucherschutzpolitik durchschaut, der kann diesen scheinbar sinnlosen Schritt nachvollziehen: Es geht Verbraucherschützern nicht darum, Verbrauchern hinreichend Informationen für einen selbstbestimmten Umgang mit Produkten bereitzustellen. Es geht vielmehr darum, den Verbraucher vor sich selbst und seiner eingebildeten Mündigkeit zu schützen. Dies gilt insbesondere für Konsumenten von Produkten, denen die Gesundheitsapostel und Verhaltenskontrolleure den Krieg erklärt haben. Daher macht es Sinn, Zigaretten nicht mehr wie transparente und damit den Anschein einer gewissen „Ungefährlichkeit“ und „Ehrlichkeit“ wahrende Produkte, sondern als Teufelszeug zu behandeln, dessen Inhaltsstoffe man besser gar nicht kennen sollte.

Zu dieser Verteufelungs- und Mystifizierungspolitik passt auch, dass es künftig ebenfalls verboten ist, ökologische Tabakanbaumethoden, besonders umweltfreundliches Verpackungsmaterial oder die Verwendung zusatzstofffreien Tabaks durch Hinweise auf der Zigarettenschachtel anzugeben. Auch hinter diesem Verbot steht dieselbe Denkweise: Wenn man den Bürgern auch nur den kleinsten Hinweis einer eventuell positiven Eigenschaft von Tabakprodukten liefert, so läuft die Gesellschaft Gefahr, massenweise dem Tabakkonsum zu verfallen. Um das zu verhindern, muss nicht nur jede genaue Information vermieden, sondern der teuflische Eindruck zudem mit Schockbildern verstärkt werden.

Was lernen wir daraus? Die deutsche und europäische Verbraucherschutzpolitik kritisiert nicht einzelne Produkte – sie verteufelt die normalen Bürger und die Vorstellung, diese könnten mit Produkten sinnvoll und selbstbestimmt umgehen. Je mehr Dinge als problematisch auf den Index kommen (Alkohol, Zucker, Fleisch, missliebige politische Parteien und so weiter), desto absoluter werden wir geschützt – vor unserer eigenen Freiheit.

Dieser Artikel erschien zuerst in der BFT Bürgerzeitung.


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Matthias Heitmann

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