09. März 2016

Homosexualität Tabuthema Missbrauch

Warum sind Jungen stärker gefährdet als Mädchen?

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Bildquelle: shutterstock Ein Junge: Besonders gefährdet

„Jedes siebte Mädchen und jeder fünfte Junge erlebt mindestens einmal einen sexuellen Übergriff, oder, wie ich lieber sage, sexualisierte Gewalt“, so die „Missbrauchsüberlebende“ und Pastorin Susanne Jensen, die der SWR zur Talkshow „Nachtcafé“ am 4. März 2016 eingeladen hatte. Im ehemals christdemokratisch-liberalen Stammland, das heute mehrheitlich grün wählt, hat man da offenbar nicht gut genug aufgepasst, wen man sich da einlädt: Ein Mann als Täter, eine Frau als Missbrauchsopfer, das passt zum Rollenstereotyp der Sendung über geliebte, gehasste und bewunderte Väter, in denen meist die Mütter die positive Familienrolle spielten. Dass die durch ihre heldenhaft bewältigte Leidensgeschichte unangreifbare Pastorin dann aber in der Einführungsrunde diese überaus krassen Zahlen nennt, damit hatte man wohl nicht gerechnet. Jeder fünfte Junge und jedes siebte Mädchen! Ich stelle mir vor, wie in der Redaktion im Hintergrund die eilige Recherche heißlief, ob diesen Zahlen nicht etwas politisch Passenderes entgegenzusetzen sei – offenbar vergebens, in den ganzen folgenden 80 Minuten gab es keinen Versuch der Richtigstellung.

Vielleicht war das auch besser so, denn wie sollte man die Analyse der Zahlen, wäre sie erst einmal öffentlich in Gang, hinbiegen, bis sie zur rot-grün-postmodernen rosaroten Wolke passte? Ob es nun die offiziellen Zahlen sind etwa aus der „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“, der „Polizeilichen Kriminalitätsstatistik“ und dem „Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen“, oder solche hier und da aufgeschnappten und lebenspraktisch erfahrenen Zahlen: Wenn man annimmt, dass homosexuelle Menschen beiderlei Geschlechts weit überwiegend gleichgeschlechtliche Opfer missbrauchen und wenn man, der behaupteten und vermutlich richtigen Annahme der stärker ausgeprägten männlichen Neigung zu körperlicher Gewalt folgend, von einer männlichen Täterschaft im Bereich von 90 Prozent ausgeht (die „Bundeszentrale“ spricht sogar von 96,1 Prozent), drängt sich doch die Frage auf, um wieviel gewaltgeneigter die, hochgegriffen, zehn Prozent homosexueller Männer sein müssen, wenn ihre kleine Zahl ebensoviele wenn nicht gar deutlich mehr Opfer produziert als die breite Masse heterosexueller Männer, die an ihren weiblichen Opfern („jedes siebte Mädchen“) schon unfassbar viel Unheil anrichten – wenn auch nicht ganz so viel wie Männer anderer Kulturkreise wie dem ägyptischen, aus denen berichtet wird, dass so gut wie alle Mädchen sexuelle Gewalt in der Kindheit erleben müssen.

Dass die hier dargestellte Größenordnung – es sieht nach zehnfach höherer Missbrauchsneigung homosexueller Männer aus – wissenschaftlich hinterfragt werden muss, versteht sich. Es braucht klare Abgrenzungen von Tatbeständen, es braucht nach benannten Kriterien definierte repräsentative Stichproben mit definierten Methoden – aber vor allem braucht es dort, wo die finanziellen, strukturellen und intellektuellen Ressourcen vorhanden sind, den Mut, angesichts entgegenstehenden Zeit-Ungeistes zu forschen und zu publizieren. Wenn die Lückenpresse über Jahrzehnte ausdauernd über Missbrauch in der katholischen Kirche berichtet – wo bleibt das Thema Missbrauch bei den kasernierten Militär- und Polizeikräften? Wenn Schulen in freier Trägerschaft als Hort des Missbrauchs enttarnt werden – was ist mit der massenhaften homosexuellen Gewalt in staatlichen Strafanstalten? Der Fall Cohn-Bendit ist erst aufgearbeitet, wenn Missbrauch auf allen Ebenen gleich verurteilenswert und handlungsrelevant wird, sexuell, ethnisch, kulturell und religiös. Aber, oh Schreck, das wäre ja das Ende aller Politik!? Ja, genau so läuft das. Packen wir’s an!

Dieser Artikel erschien zuerst auf self-ownership.net.


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