23. Februar 2016

Journalismus Münchhausen in Ratingen

Der Flüchtling – dein Freund und Finder

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Bildquelle: shutterstock Das Märchen geht weiter: Geldfunde auf der Straße

Die „Rheinische Post“ ist einer der Platzhirsche in Nordrhein-Westfalen. Rund 300.000 Exemplare betrug die tägliche Auflage im vierten Quartal 2015. Das eher konservative Blatt kann sich zwar dem allgemein rückläufigen Trend nicht entziehen, wird aber nach wie vor von 270.000 Haushalten abonniert. Der seit 20 Jahren bestehende Internetauftritt ist der reichweitenstärkste Online-Dienst einer regionalen Tageszeitung in Deutschland. Es handelt sich hier also nicht um irgendeine Postille. Umso schlimmer, dass sich nun auch die „Rheinische Post“ für die billige Propaganda hergibt, die uns seit einem Dreivierteljahr verfolgt. Als im Frühsommer 2015 die Zahl der Zuwanderer explodierte und hernach die Einwanderung außer Kontrolle geriet, machten deutschlandweit fast täglich Meldungen von sogenannten Flüchtlingen die Runde, die angeblich größere Geldbeträge gefunden und artig abgegeben hatten. Die ausgedachten Geschichten hatten keinen anderen Zweck, als die staatlich verordnete „Willkommenskultur“ zu fördern. Sie waren Teil einer beispiellosen Kampagne, mit der man dem aufkommenden Unbehagen an der immensen Zuwanderungswelle begegnen wollte. Am Samstag meldete RP-Online, ein ehemaliger irakischer Landwirt habe in Ratingen ein „prall gefülltes“ Portemonnaie mit 4.000 Euro gefunden und auf der Polizeiwache abgegeben.

Die ausführliche Geschichte strotzt nur so vor Klischees. Keine Formulierung ist dem Erfinder des Rührstücks zu abgedroschen, kein Superlativ zu übertrieben, als dass sich nicht irgendwo im „Märchen von Ratingen“ Verwendung dafür finden ließe. Anders als in der Vergangenheit werden die Erzählungen von „Finderfreund Flüchtling“ nämlich inzwischen mit dicker Patina versehen. „So viel Schreckliches“, das man auf der Flucht gesehen habe, darf da ebensowenig fehlen wie der Bericht über ein Plakat, das die Zuwanderer gemalt hätten, um sich für die monatelange Gastfreundschaft zu bedanken. Natürlich kommt auch der erhobene Zeigefinger zum Einsatz, wenn es heißt: „Und das, obwohl die Stimmung im Stadtteil zum Beispiel auf der Infoveranstaltung der Stadt im Herbst alles andere als gastfreundlich gewesen war.“ Und wie immer fuhren die Polizisten anschließend extra raus zum selbstlosen Finder, um dem 36-jährigen Familienvater 20 Euro in die Hand zu drücken. Doch „nicht mal die wollte er annehmen“. Man kann es kaum fassen. Entweder halten die Redaktionen ihre Leser für absolut naiv oder für völlig bekloppt. Mit der Mär vom Ratinger Geldfund schlagen sie jedenfalls ein neues Kapitel auf. Es reicht nicht mehr, die in der Vergangenheit auch schon mal in verschiedenen Regionen versehentlich mit demselben Bild illustrierten „Zeitungsenten“ als schlichte Dreizeiler feilzubieten.

Die sich der Euphorie inzwischen mehrheitlich verweigernden Schäfchen sollen nunmehr mit einer Rosamunde-Pilcher-Story hinter der Staatsraison versammelt werden. Und die Masche könnte bei einigen sogar funktionieren. Immer noch gibt es in Deutschland Millionen von Menschen, die sich ausschließlich auf die Lektüre ihrer regionalen Tageszeitung verlassen. Sie liefern sich damit auf Gedeih und Verderb den Journalisten ihrer Heimatredaktion aus. Dazu schauen sie einmal am Tag die öffentlich-rechtlichen Nachrichten, was die Sache verschlimmert. Zwar nutzen in Deutschland immer mehr Menschen das Internet, doch ohne jede Ahnung, wie sie sich einen effektiven Überblick über die Nachrichtenlage verschaffen können. Man muss dazu gar nicht auf unabhängige Blogs vertrauen oder den ganzen Tag bei Facebook verbringen. Es würde genügen, sich ab und zu bei ausländischen Medien zu informieren, unter denen die „Neue Zürcher Zeitung“ mit einem hervorragenden Internetauftritt den Leuchtturm in der deutschsprachigen Medienwelt bildet. Nur auf diese Weise kann dem links-grünen Meinungskartell begegnet werden, das Europas Einheit zerstört hat. Dramatische Auflagenverluste für deutsche Leitmedien sind zwar erfreulich, schaffen aber noch keine Abhilfe. Erst wenn auch Lieschen Müller dem Propaganda-Journalismus den Rücken kehrt, hat der „findende Flüchtling“ ausgedient.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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