05. Februar 2016

Unglaublich Rotierende Urne

Auf die Idee mit dem Bargeld ist er nicht gekommen

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Bildquelle: stephanr66(CC BY 2.0)/flickr.com Zu Lebzeiten ein herausragender Tänzer: Erich Mielke (Bildmitte)

Nach gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen hat die Verwaltung des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde das Technische Hilfswerk um Unterstützung bei einer Urnenbestattung gebeten.

Wie bereits heute früh gemeldet, hatten Friedhofsbesucher auf dem Hauptweg etwa 150 Meter vor der dortigen Kapelle eine Urne gefunden. Ein auf das Fundstück aufmerksam gemachter Friedhofsgärtner verletzte sich an der rechten Hand beim Versuch, die etwa 35 Zentimeter hohe Urne in seine Schubkarre zu legen. „Sie dreht sich“, hatte eine Frau noch gerufen. Doch da war die Urne bereits wieder aus der Schubkarre gerollt und wie ein Kreisel in Richtung Kapelle gezwirbelt.

Da von der Friedhofsverwaltung noch niemand zu erreichen war, alarmierten Passanten die Berliner Feuerwehr. „Nach zwei Stunden“, so Hauptbrandmeister Erwin Müller, „konnten wir die rotierende Urne nahe dem Krematorium mit einem Stahlnetz einfangen und vorübergehend arretieren“.

Das Grab, aus dem sich die Urne dem Vernehmen nach selbständig befreit hatte, gehört, einer Meldung zufolge, dem am 21. Mai 2000 verstorbenen Staatssicherheitschef der ehemaligen DDR, Erich Mielke.

Mielke war der Hauptverantwortliche für den Ausbau des flächendeckenden Überwachungssystems in der DDR. Und er war stolz darauf!

In der vom MDR ausgestrahlten Serie „Außenseiter Spitzenreiter“ belegte Mielke in der Kategorie Überwachung der Bevölkerung über 25 Jahre Platz eins.

Nach Angaben der Fernsehanstalt war beabsichtigt, Mielke in der kommenden Woche aus den Top Ten zu nehmen und auf Platz eins den schwerbehinderten amtierenden Finanzminister zu setzen. Im Vergleich zu anderen Gaunern, Lügnern und Kryptofaschisten sei der ehemalige Geheimdienstchef geradezu ein Ehrenmann und Kämpfer für Freiheit und Pluralität.

„Natürlich“, so ein Redakteur zu unserer Agentur, „war der Stasichef ein Schweinehund. Doch auf die Idee, das Bargeld letztendlich zu verbieten, um jede Transaktion der Bürger überwachen zu können, ist er nicht gekommen.“

Normalerweise, so ein Bestatter, drehten sich Tote im Grabe um, überstiegen die Schandtaten ihrer lebenden Nachfolger ihre Vorstellungskraft. Dass sich aber Urnen wie Kreisel aus dem Erdreich herausbohren, hätte er noch nie erlebt. Es wäre wohl darauf zurückzuführen, dass Erich Mielke zu Lebzeiten ein hervorragender Tänzer gewesen sei.

Die Redaktion wünscht einen angenehmen Sozialfaschismus auf der Grundlage der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


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