01. Februar 2016

Religion und Politik Wenn der Koran zum Gesetzbuch wird, Teil 2

Warum der Staatsislam nicht zu Deutschland gehört

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Bildquelle: shutterstock Schweinefleisch: In Europa nicht darauf verzichten

Die Diskussionen über die Silvesternacht in Köln zeigen, wie schwer sich Politik und Medien tun, einen eindeutigen Sachverhalt sachlich zu beschreiben und zu bewerten. Männer haben Passanten bestohlen und Frauen begrapscht. Das ist eine Formel, die noch eine Mehrheit findet. Dass davon die meisten aus Nordafrika kommen, geht gerade noch durch. Dass sich darunter auch „Flüchtlinge aus Syrien“ befanden, wird schon ziemlich wegdiskutiert, passt nicht in eine Kultur des „Alle sind willkommen“. Wenn es dann über die Rolle der Religionszugehörigkeit geht, wird es völlig konfus. Den Islambeschönigern geht es darum, die Übergriffe lediglich als kriminell einzustufen. Mit dem Islam habe das nichts zu tun.

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, ging in einer Sendung mit Sandra Maischberger sogar so weit, dass er darauf hinwies, dass in den Berichten von angetrunkenen Männern die Rede war. Das zeige doch, dass es sich nicht um Moslems gehandelt haben könne, denn die trinken keinen Alkohol. Ja, wenn es so einfach ist, was regen wir uns denn auf? Mazyeks Wahrnehmungsvermögen übergeht die Terrorakte in der ganzen Welt als unislamisch und verbittet sich gleichzeitig, die vielfältigen Konflikte in der islamischen Welt zu kritisieren.

Dabei setzt er konsequent Rassismus mit Islamkritik gleich. Mazyek und Lamya Kaddor, die Religionslehrerin aus Dinslaken, sind zwei der Experten, die durch die deutschen Talkshows geistern und dabei eine Debatte befeuern, die die deutsche Parteienlandschaft reflektiert, aber nichts mit dem Islam in der Welt zu tun hat. „Von einer giftigen Mischung aus nordafrikanisch-arabischer Kultur und Religion“ schreibt Samuel Schirmbeck, ARD-Korrespondent in Algier für Nordafrika. Aber statt Reportagen und Filme von Journalisten vor Ort zu senden, pflegen die öffentlich-rechtlichen Sendungen ihre unheilstiftenden Palaverrunden.

Die krampfhaften Versuche, eine Debatte über die unveräußerlichen Werte des Islams zu unterlaufen, blenden einfach aus, was die islamische Welt selbst festgelegt hat. In der Kairoer Erklärung von 1990, einer Art Menschenrechtserklärung der islamischen Welt, haben 45 Regierungen ihre Variante der UN-Menschenrechtserklärung festgelegt. Darin steht unter anderem: Es gelten nur die Menschenrechte, die im Einklang mit der Scharia stehen.

Die Redefreiheit beschränkt sich auf Meinungsäußerungen, die mit der Scharia übereinstimmen. Es gibt keine Religionsfreiheit, und es gibt keine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Alle Islamvertreter mit und ohne deutsche Staatsangehörigkeit werden, wenn sie gläubig sind, den Koran über das Grundgesetz stellen – und wer genau zuhört, erfährt dies auch von Aiman Mazyek. Aber genau das ist die Kluft, die zwischen unserer Zivilisation und dem politischen Islam aufreißt.

Wenn wir eine Million und mehr Flüchtlinge aufnehmen wollen, dann müssen wir vorher die Frage stellen: Wie weit sind wir bereit, mit unserer Toleranz einer intoleranten Religion entgegenzukommen? Wie weit sind wir bereit, die mühsam erkämpften Werte der Aufklärung und Umsetzung der allgemein gültigen Menschenrechte teilweise zu relativieren, und wie weit sind wir bereit, die Mehrheit der hier lebenden Bevölkerung zu überfordern, um eine ihr fremde Kultur aufzuoktroyieren?

Wenn ich in Länder mit einer mohammedanischen Bevölkerung gereist bin, dann habe ich auf Alkohol, Schweinefleisch und christliche Symbole verzichtet. Aber ich bin nicht bereit, in Mitteleuropa deren Lebensweise aus Religion und Kultur zu übernehmen oder auch nur zu tolerieren, weil sie nämlich diese Toleranz nicht haben und missverstehen. Sie fühlen sich dann auch noch in ihrer Wertewelt bestätigt, die dem gottlosen dekadenten Westen überlegen ist.

Es ist schon ziemlich absurd, dass ausgerechnet die europäische Linke eine fast grenzenlose Toleranz gegenüber einer Religion zeigt, die all die Werte der Emanzipation der Menschen verneint. Dies ist möglicherweise mit den antiwestlichen, vor allem antiamerikanischen Tiraden zu erklären.

„Maghbar Amrika“ – Tod für Amerika, schreien die aufgeheizten Massen in Teheran und die hauptsächlich saudischen Terroristen zerstörten mit den World-Trade-Türmen in New York Symbole der amerikanischen Wirtschaftsmacht. Zumindest verbal sind sie sich mit den Aktivisten von Attac, den Linkssozialisten und Anhängern autoritärer Regime einig. Wann immer aber wir ohne unsere Aufpasser von den islamischen Garden waren, drängten sich einfache Menschen um uns, schüttelten unsere unreinen Christenhände und versicherten uns: „Are you American – we love you“ (Seid ihr Amerikaner? Wir lieben euch!) Darin unterschieden sich die Iraner von Attac und linken Verschwörungstheoretikern.

Der Umsturz im Iran 1979 zeigt noch ein Muster, das sich bei fast allen Aufständen in der islamischen Welt wiederholt. Der Sturz des Schahs wurde in Europa vor allem von den Linken stürmisch gefeiert. Im Iran selbst hatten die linken Volksmudschaheddin großen Anteil am schnellen Sieg des Ajatollah Khomeini. Sie waren es, die uns die Foltergefängnisse des Schahs zeigten. Was wir dort sahen, wurde in der Redaktion in Mainz zum Teil gekürzt, weil die grausamen Bilder dem Publikum nicht zuzumuten waren.

Es waren weitgehend im Westen ausgebildete Technokraten, die glaubten, jetzt einen modernen Iran aufbauen zu können. Sie waren unsere Gesprächspartner als Öl- und Handelsminister. Beide Gruppen nahmen in Kauf, dass religiöse Gesetze die Gesellschaft ruckartig veränderten. Schon nach wenigen Wochen trugen alle Frauen Kopftücher, sonst hatten sie mit Belästigungen durch die Religionswächter zu rechnen.

Da das iranische Fernsehen nicht mehr funktionsfähig war, musste ein Cutter aus Mainz kommen, damit wir vor Ort arbeiten konnten. Zu meiner Überraschung kam aber eine im Sender als militante Linke bekannte Cutterin, die ihre Begeisterung über die Vertreibung des Schahs vor Ort ausleben wollte. Nach 24 Stunden saß sie heulend in ihrem Zimmer. Morgens lagen in unserer Hotellobby Leichen, denn nachts wurde gekämpft. Wer da genau gegen wen schoss, war nicht festzustellen. „Hier sterben ja Menschen“, schluchzte sie. Als dann die islamischen Garden mit gezogenem Bajonett auf uns losgingen, fing sie an, vor Angst zu kotzen. Ihre revolutionäre Sturm- und Drangphase war schnell verflogen.

Schon im Januar 1980 waren die Foltergefängnisse des Schahs wieder belegt. Dort saßen jetzt einige der jugendlichen Linken und demokratischen Techniker, die uns vor einem Jahr noch geholfen hatten. Die Religiösen eliminierten als erste ihre ehemaligen Mitstreiter. Nachdem Abolhassan Banisadr, der als Linksnationaler in Frankreich im Exil lebte, im Januar 1980 zum Präsidenten gewählt worden war, mussten wir ihn schon nachts und heimlich treffen, weil die Revolutionsgarden den Zugang zu ihm kontrollierten. Heute sitzt er wieder im Pariser Exil. Übriggeblieben ist im Iran eine Machtelite, die einen gnadenlosen intoleranten Islam praktiziert und exportiert. Die linken und die demokratisch orientierten Schah-Gegner dienten erst als nützliche Idioten und jetzt sind sie wieder im Exil oder tot.

Der andere Exporteur eines mörderischen und noch intoleranteren Islams ist Saudi-Arabien. Die beiden Regime wetteifern um den zweifelhaften ersten Rang, wer die meisten Menschen hinrichtet. Der Iran finanziert unter anderem schiitischen Terror im Libanon, im Irak, in Syrien, Gaza und dem Jemen, die Saudis finanzieren die für unsere Gesellschaft feindlichste aller Islamvarianten, den Wahhabismus. Beide sind so auf ihre Art für die zunehmende Islamisierung ganzer Völker und Kontinente verantwortlich. Ergänzt werden sie von dem Atomstaat Pakistan und zunehmend von der Türkei.

Gegenüber all diesen Tendenzen und Bedrohungen haben weder wir in Deutschland, noch die Mehrheit der anderen europäischen Staaten eine Strategie. Ja, wir leisten uns immer noch den Luxus, darüber zu diskutieren, ob der Islam mit dem Terror, der in seinem Namen verübt wird, in Verbindung gebracht werden darf. Wir diskutieren mit entschuldigendem Unterton darüber, dass die Übergriffe gegen Frauen eher mit den Lebensumständen der Täter und ihrer Ethnie als mit dem Glauben zu tun haben.

Spät in der Nachtausgabe der Tagesschau hat am 20. Januar der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi deutlich gesagt, was sich kein deutscher Politiker mehr traut: Die Quelle der Frauenfeindlichkeit hat ihre Wurzel im kanonischen Recht aus den Quellen des Korans und den Praktiken des Propheten. Dort steht: „Die Bewohner der Hölle sind Frauen“, und weiter sagt Abdel-Hakim Ourghi: „Die Erziehung im Islam ist für das kranke Bild über Frauen verantwortlich.“ Da fiel mir wieder meine Begleiterin Azadeh im Flug von Teheran nach London ein.

Mit der Masseneinwanderung aus dem Nahen Osten und Nordafrika und der „Nacht von Köln“ ist der Satz des naiven Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff: „Der Islam gehört zu Deutschland“ unhaltbar, da er einen Islam ohne Scharia unterstellt. Ein intoleranter und Gewalt akzeptierender Islam, wie er von fast allen korangläubigen Staaten ausgeht, gehört nicht zu Deutschland, ja, er muss sogar von einer Regierung bekämpft werden, die auf unser Grundgesetz vereidigt ist. Wir werden so gut wie keinen Einfluss auf die Gesetzgebung in mohammedanischen Staaten nehmen können, die sich ja sogar von der UN-Menschenrechtscharta absetzen. Wir können aber dafür sorgen, dass diese Weltanschauung nicht in unsere Gesellschaft herüberschwappt. Dazu gehören eine Überwachung wahhabitischer Moscheen durch den Verfassungsschutz, die Ausweisung aller Imame, die gegen unsere Grundwerte predigen, und die sofortige Unterbindung der Auseinandersetzung der verschiedenen Glaubensrichtungen des Islam auf deutschem Boden.

Dazu gehört eine Außenpolitik, die den Terror, der vom Islam ausgeht, nicht verharmlost, und dass die Formel: „Gewalt ist keine Lösung“ überdacht wird, solange in weiten Teilen Nordafrikas, des Vorderen Orients bis nach Südostasien mit Gewalt die Landkarte verändert und Millionen von Menschen vertrieben werden. Die Flüchtlinge, die hier ankommen und ganz Europa durcheinanderwirbeln, fliehen vor der Gewalt.

Die Chance, den Massenmörder Assad zu stoppen, wurde vor circa drei Jahren vertan. Jetzt hat er Russland und den Iran als Überlebenshelfer gewonnen. Jetzt kann er weiter wüten. Damit die deutsche Regierung ihre verfehlte Beschwichtigungspolitik nicht in Frage stellen muss, fragen wir vorsichtshalber nicht nach, ob die Flüchtlinge, die sich zu uns quälen, mehr vor Assad oder mehr vor dem Islamischen Staat Angst haben.

Ein Islam, wie ihn der Freiburger Religionswissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi versteht, wird durch unsere Religionsfreiheit gedeckt und muss vor den Angriffen der Radikalen geschützt werden. Davon sind wir noch weit weg. Wenn wir schon auf die innere Verfassung der meisten Staaten, die zur Islamkonferenz zählen, nicht den geringsten Einfluss haben, dann ist es die Pflicht unserer Regierung, in Deutschland den militanten Islam zu bekämpfen. Dabei ist die Auseinandersetzung mit den Muslimen so vielschichtig und unterschiedlich wie die Herkunft und die kulturellen Hintergründe der Einwanderer.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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