27. Januar 2016

Die ekelhafte Kampagne der „Bild“-Zeitung gegen den Menschen Beatrix von Storch Worte aus Spingers Hetzer-Werkstatt

Für den Presserat in 20 Jahren und für die Geschichtsbücher ...

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Bildquelle: shutterstock Zombies: Die „Bild“ gibt Andersdenkende zum Abschuss frei

Die Umwertung aller Werte und die Verdrehung der Worte in ihr Gegenteil schreitet munter voran. „Für Toleranz“ und „Mut gegen Hass“, das bedeutet in Deutschlands Gazetten konkret oft feige Hetze der Etablierten gegen Andersdenkende und Außenseiter. Und diese Jagd wird bösartiger. Ja, sie beinhaltet längst auch Lügen (etwa durch bewusstes Vertauschen der Personen, die wirklich in einer Sendung ständig dazwischenquatschen), insofern bestätigt die Lügenpresse auch ihren Ruf, aber kleine Lügen müssen nicht immer menschenverachtend (in der ursprünglichen Bedeutung auch dieses geschundenen Wortes) sein. In der „Bild“ sind sie es zuweilen.

Wir erinnern uns: Beatrix von Storch ist eine liberal-konservative AfD-Politikerin. Befragt nach ihren Zielen antwortete Sie einmal in zwei Sätzen: „Ich will weniger Steuern, weniger Regulierung, weniger staatliche Einmischung ins Private, mehr Bürgerrechte und mehr Demokratie – vor allem direkte. Ich will ein Deutschland der Bürger, keines der Untertanen.“ Diese Dame war also am Sonntagabend zu Gast bei Anne Will. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm fiel während der Sendung immer wieder den Gesprächspartnern ins Wort. Von Storch dagegen war so, wie Freunde sie kennen und schätzen: eher zurückhaltend. Viele wohlwollende Zuschriften gratulierten ihr später zu ihrem „besonders sachlichen Auftritt“ und schrieben die „vornehme Bescheidenheit“ ihrer Premiere vor so großem Publikum und „sicher auch ein wenig Nervosität“ zu. 

Umgekehrt ließ Kommissarin Anne Will von Storch kaum einen Satz zuendesprechen. Wieder einmal hatte man den Gast der AfD (und nur den) zielgerichtet mit einem Zitat „konfrontiert“. Das wirkt nach dem gerade gesendeten Tatort besonders anschlussfähig, legt man doch quasi die „Beweise“ im „Kreuzverhör“ gegen die ungeliebten Alternativen auf den Tisch und versucht sie so, mit den per Film eingespielten „Indizien“, in die Enge zu treiben.

Soweit die kriminologische Vorgabe der ARD am Sonntagabend gegen die Gedankenverbrecherin Beatrix von Storch. Danach übernahmen die Schergen der „Bild“-Zeitung „den Fall“. In nicht weniger als fünf Artikeln innerhalb der vergangenen drei Tage ließ Deutschlands immer noch auflagenstärkstes Blatt gegen die Politikerin feuern – und dabei stets unter der Gürtellinie.

Es soll später keiner sagen, man wusste nicht, was man angerichtet hat. Julius Streicher war auch nicht unschuldig. Schon jetzt gibt es eine nie gesehene Welle der Gewalt gegen die federführend von der „Bild“ zum Abschuss freigegebenen AfD-(Un-)Menschen. Das Auto von Beatrix von Storch wurde bereits – O-Ton-„Bild“ – „abgefackelt“. Die Scheiben ihres Büros schlugen „Unbekannte“ erst vor wenigen Tagen wieder ein. Und in einem Theaterstück („Fear“) fürs ohnehin aufgehetzte linke Publikum in Berlin halten sich „Schauspieler“ ein Foto unter anderem von Beatrix von Storch vors Gesicht. Sie wird als „Hassreden schwingender“ Nazi-Zombie dargestellt. Vor dem Hintergrund der Fotos wird gesagt, man solle „Zombies mitten ins Gesicht schießen, nur dann sind sie wirklich tot“. Hier also der dokumentierte Kampf der „Bild“ gegen diese bisweilen Untote, für den Presserat in 20 Jahren und für die Geschichtsbücher ...

Erster Artikel

Überschrift: „AfD-Frau schockt mit Total-Entgleisung“. Wortwahl: „Nationalistische Töne“; „Beatrix von Storch schockierte Zuschauer und Studio-Mitstreiter gleichermaßen“; „in Talk-Shows ist man von AfD-Politikern Pöbeleien gewohnt“; „ihre wirre These“; „sorgte für Kopfschütteln“; „behauptet von Storch völlig schmerzfrei“; „von Storchs Komplett-Entgleisung“; „von Storch in ihrem himbeerfarbenen Blazer lehnt sich arrogant zurück“; „während der Sendung fällt auf, dass AfD-Politikerin von Storch ihre kruden Thesen recht lange ausführen darf“; „Anne Will hakt zwar nach, lässt sie aber im Prinzip gewähren“; „grässlicher Facebook-Post“; „die AfD-Frau in die Schranken weisen“; „von Storch quakt mehrfach dazwischen“; „warum stoppt niemand diese Frau?“.

Zweiter Artikel

Überschrift: „Die AfD-Frau, die bei Anne Will total entgleiste“. Wortwahl: „Auch sonst ein eher wirrer Auftritt der Rechtsaußen-Politikerin“; „pöbelte sie“; „als eine Art Blubber-Bea quatschte von Storch den anderen Gästen immer wieder dazwischen“; „sorgte mit ihren absurden Thesen für Kopfschütteln“; „müssen solche üblen Entgleisungen zur besten Sendezeit wirklich sein?“; „AfD-Hetzer“; „ihrem Unsinn keine zusätzliche Plattform bieten“; „die Adlige mit dem Pöbel-Image“; „die EU-Hasserin“; „ihre Großväter waren Nazis“; „ultra-konservativ“; „selbst kinderlos“; „Anführerin eines rechten Netzwerks“; „schon vor ihrem wirren Auftritt sorgte von Storch immer wieder für Schlagzeilen“; „eine Aufführung der Berliner Schaubühne mit dem Titel ‚Fear‘ versuchte sie vor dem Landgericht zu unterbinden, Begründung: In dem Stück, in dem Fotos von ihr gezeigt wurden, sah sie ihre Menschenwürde verletzt, damit blieb sie aber erfolglos“; „AfD-Frau schockt mit Total-Entgleisung“; „extrem hetzen“; „von Storch zog eine wirre Show ab“.

Dritter Artikel

Überschrift: „Auswandern: Vorschläge für AfD-Politiker“. Wortwahl: „Erst stutzten die Zuschauer am Sonntagabend bei Anne Will – dann folgte ungläubiges Kichern, der Grund: Talkgast Beatrix von Storch“; „ein Hirngespinst“; „neuer AfD-Umfrage-Schock“; „BILD hätte Ideen, in welches Exil die AfD-Spitze gehen könnte; Beatrix von Storch (44) nach Mali: dort überwintern die Störche am liebsten“; „Frauke Petry (40) zum Angeln nach Alaska: Petry Heil!“.

Vierter Artikel

Überschrift: „Post von Wagner“. Wortwahl: „Eine Bundeskanzlerin auf der Flucht ist so, wie wenn die Erde nicht mehr bewohnbar ist“; „wir hören ihren Schwachsinn“; „Gefahr AfD“.

Fünfter Artikel

Überschrift: „Von Storch und Co: Die übelsten Sprüche der Pöbel-Populisten“. Wortwahl: „Die Politiker der sogenannten Alternative für Deutschland wüten in sozialen Netzwerken“; „sie pöbeln zur besten Sendezeit vor einem Millionenpublikum“; „beängstigend“; „eine Praxis von Provokationen und Entgleisungen“; „ein Albtraum für Deutschland“; „rechte Polit-Pöbeleien“; „harscher Ton, wirre Vergleiche und üble Hetze gehören zum alltäglichen Repertoire der AfD-Auftritte“; „die wildesten Entgleisungen, die schrägsten Auftritte und übelsten Sprüche“; „Björn Höcke pöbelte, er hetzte, er drohte“; „das ist widerlich“; „Volksverhetzung“; „offenbar fanden die Staatsanwälte die Aussagen aber trotz allem nicht eindeutig genug, sie stellten das Verfahren wegen Volksverhetzung ein“; „ekelhaft"; „Beatrix von Storch nutzt jede Plattform für Provokationen“; „als Unbekannte ihr vor zehn Tagen die Scheiben ihres Büros einwarfen, machte sie die Kanzlerin dafür verantwortlich, sprach von Merkels Sturmtruppen, eine klare Anlehnung an die Nazi-Zeit“.


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