09. November 2015

Berichte über rechte Gewalt Kannten Sie Schümann?

Der Angreifer wird niemals gefunden werden

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Bildquelle: shutterstock Charlottenburg: Eine Hochburg der Neonazis?

Kannten Sie Schümann? Nein? Ich auch nicht. Aber jetzt muss ich ihn kennen, denn das ist der tapfere Journalist vom „Tagesspiegel“, der vor einigen Tagen mitten in Charlottenburg von einem Rechtsradikalen niedergeschlagen wurde. Der Täter soll ihn attackiert haben mit den Worten: „Du bist doch der linksradikale Schümann vom ‚Tagesspiegel‘, du Drecksau.“ Da ist sich Schümann ganz sicher. Etwas weniger sicher scheint er zu sein, was ihm denn nun passiert ist, denn in diesem Punkt differiert die Berichterstattung. Mal wird er nur attackiert, mal niedergeschlagen, mal sauste eine Faust in seinen Nacken. Macht nichts, die Verurteilung dieser rechtsradikalen Schandtat, für die es keine Zeugen gibt, ist jedenfalls einhellig.

Nicht nur die Journalistenkollegen, auch Justizminister Maas, der zu den jüngsten Brandanschlägen auf Autos von Politikerkolleginnen und Aktivistinnen vernehmlich geschwiegen hat, der alle linksradikalen Angriffe in Leipzig der letzten Monate, einschließlich einer brutalen Attacke auf eine Polizeistation, schweigend überging, kann diesmal mit seiner Empörung und seinem Abscheu nicht hinter dem Berg halten.

Die Botschaft von Schümanns Ungemach ist also nicht zu überhören. Warum nur fehlt mir der Glaube?  Wenn sich der Überfall in Lichtenberg in der Weitlingstraße abgespielt hätte, wäre ich geneigt, trotz aller Zweifel, Schümanns Story eine gewisse Wahrscheinlichkeit einzuräumen. Der Kiez ist stadtbekannt für seine Neonazidichte. Aber Charlottenburg, in Kudamm-Nähe?

Nun zu meinen Zweifeln. Der typische Neonazischläger, darin stimmen alle Kenner und Experten überein, ist eher einfach gestrickt, von geringer Schulbildung. Er liest vielleicht die Überschriften von „Bild“, aber ganz gewiss keinen „Tagesspiegel“. Ich würde Schümann nicht erkennen, selbst wenn ich ihm stundenlang in der Bahn gegenübersitzen müsste. Liegt das daran, dass ich zu wenig rechtsradikal bin, um über dieses Insiderwissen zu verfügen? Es gibt von dem Vorfall nur Schümanns Schilderung. Er kann weder Personenbeschreibungen liefern, noch gibt es Zeugen. Tatsache aber ist, dass sich der „Tagesspiegel“ in schwersten wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindet, wie die Chefredakteure unlängst mitteilen mussten. Es gibt gravierende Einschnitte beim Personal. Wer wird aber einen Kollegen feuern, der Opfer einer rechtsradikalen Attacke wurde? Niemand.

Es gibt mehrere Blaupausen für den Schümann-Vorfall. Erinnert sich noch jemand an den süddeutschen Polizeichef, der vor seiner Haustür in sein eigenes Brotmesser gefallen ist und behauptete, Rechtsradikale hätten ihn attackiert?  Der Fall erschütterte wochenlang alle neudeutschen Medien. Die eingesetzte 50-köpfige Sonderkommission konnte allerdings nichts anderes herausfinden, als dass es nur Fingerabdrücke der Familie auf der Tatwaffe gab.

Oder die Rollstuhlfahrerin aus Halle, der Rechtsradikale ein Hakenkreuz auf die Wange geschnitten haben sollen? Nach einem beispiellosen medialen Erregungssturm kam heraus, dass die Dame sich das Hakenkreuz selbst beigebracht hat. In Mittweida war es ein Hakenkreuz auf der Hüfte. Dem Opfer dieser rechtsradikalen Schandtat wurde daraufhin ein Preis für Zivilcourage verliehen, bevor herauskam, dass auch dieser Vorfall erfunden worden war.

Nun also Schümann, der meint, seine Kolumnen gegen die Dunkeldeutschen wie Pegida, AfD und Co hätten ihn bei den Rechtsradikalen so populär gemacht, dass sie ihn unbedingt am „Anschreien“ gegen die braune Flut hindern müssten. Allerdings wurde Schümann nicht ernsthaft behindert. Er konnte sich sogleich auf Facebook mitteilen. Für meine Meinung, dass der rechtsradikale Angreifer Schümanns niemals gefunden wird, lege ich meinen Kopf unter die TTIP-Guillotine, die dem „Tagesspiegel“ keine Erwähnung wert war. Dafür ist das Blatt im helldeutschen Eifer des Kampfes gegen „rechts“ jüngst so weit gegangen, nicht nur international renommierte Professoren, sondern sogar eigene Autoren als rechtsradikal abzustempeln, ohne zu merken, dass es sich damit selbst bezichtigt, Rechtsradikalen ein Forum zu geben. Kein Wunder, dass die Auflage eines solchen Qualitätsblattes in den Keller rauscht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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