05. November 2015

Guy-Fawkes-Tag Freudenfeuer wegen Abwendung der Staatskrise

Heute besteht keine Gefahr

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Bildquelle: Rob Kints / Shutterstock.com Heute keine Bedrohung mehr: Möchtegern-Guy-Fawkes

Noch heute wird in Großbritannien an jedem 5. November, in der sogenannten „Bonfire Night“, jenes Ereignisses im Jahre 1605 gedacht, das im Falle seines Gelingens die Geschichte des Landes wohl nachhaltig verändert hätte. Es geht um den in jenem Jahr im letzten Moment vereitelten Sprengstoffanschlag („Gun powder plot“) katholischer Verschwörer unter Führung des englischen Offiziers Guy Fawkes, auf das Londoner Parlamentsgebäude. Mittels einer gewaltigen, in den Tagen zuvor in die Keller des Hauses verbrachten Schwarzpulversprengladung sollten der protestantische König Jakob I. sowie das an diesem Tage hier versammelte Ober- und Unterhaus auf einen Schlag ausgelöscht werden.

Mit einem ausgeprägten Sinn für englischen Humor und anarchische Ideen ausgestattete Zeitgenossen behaupten, Guy Fawkes sei der einzige Mensch gewesen, der je ein Parlament in ehrlicher Absicht betreten hat. Immerhin gilt die alte englische Spruchweisheit heute mehr denn je: Eigentum und Freiheit sind in Gefahr, so oft das Parlament tagt.

Im „Erfolgsfall“ hätte der Coup der Verschwörer das Land schwer erschüttert und in eine veritable Staatskrise gestürzt. Zur Feier des Umstands, dass der Anschlag auf die politische Elite – und zwar aufgrund eines Verrats aus den Reihen der Verschwörer selbst – für die Attentäter mit einem Fiasko endete (Guy Fawkes wurde schwer gefoltert und anschließend wie seine Mitstreiter hingerichtet), werden bis heute landesweit Freudenfeuer abgebrannt.

Es ist keine geringe Leistung der Obertanen, sich, trotz aller ihnen – zu Recht – entgegenbrachten Geringschätzung und Verachtung immerhin Gehorsam und Willfährigkeit der Untertanen bis heute bewahrt zu haben. Angesichts der täglich offensichtlicher werdenden Minderwertigkeit der Leistungen, die von der Nomenklatura geboten werden, ist das mehr als bemerkenswert.

Die Politelite braucht sich nicht zu sorgen: Das Leben in den modernen Wohlfahrtsdemokratien stumpft deren Insassen derart ab, dass niemand daran denkt, das von Fawkes und Genossen nicht zu Ende gebrachte Werk zu vollenden…


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