05. November 2015

Goebbels-Vergleiche Bachmann war nicht der erste

Schwarzes Schirmmützchen für den Justizminister

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Bildquelle: flickr.com/SPD Schleswig-Holstein Nicht wie Goebbels: Heiko Maas

Und immer fort mit dem teuflisch-teutschen Narrenfest und St. Veits-Tänzchen! (Bin ich langsam selber ein Narr, dass ich‘s überhaupt noch zur Kenntnis nehme?) Die SPD, schallt‘s aus dem Walde, in den man gelegentlich hineinrief – oder umgekehrt, sei empört darüber, dass „Pegida-Cheforganisator“ („Die Welt“) Bachmann in seiner Rede Justizminister Maas (SPD) mit Propagandaminister Goebbels (NSDAP) verglichen habe. SPD-Parteivize Thorsten Schäfer-Gümbel sagte: „Verfassungsfeinde wie Bachmann sind ein klarer Fall für den Staatsanwalt und schon lange für den Verfassungsschutz“, wenn nicht gar für den Volksgerichtshof, und SPD-Bundesvize Ralf Stegner twitterte: „Dieser ekelhafte Brandstifter gehört vor den Kadi!“ (Dabei wandern die Kadis doch gerade erst ein.) Natürlich nutzen die Sozis, statt sich den existentiellen Fragen des ihnen kurioserweise teilweise zum Regieren anvertrauten Landes zu widmen, auch noch den abseitigsten, schäbigsten Vorfall, um von ihrem koalitionären Totalversagen in der sogenannten Flüchtlingskrise und all dem anderen Bockmist abzulenken, den Sozialdemokraten in hiesigen Debatten so von sich geben. Aber, Rotstrolche, schon vergessen, wer, nur einen Lidschlag der Geschichte ist‘s her, mit Goebbels-Vergleichen munter hantierte? Ja, der Brandt-Willy, euer Oberteraphim, nachzulesen im „Spiegel“-Artikel „Der schlimmste Hetzer in diesem Land“ vom 20. Mai 1985 (ich danke Leser T. für den Hinweis). Ein Auszug: „Wohl wissend, ‚was da bis 87 gegen uns aufgebaut werden soll‘, hatte Willy Brandt sich vorgenommen, bei passender Gelegenheit in der Bonner TV-Runde am Abend nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen ein paar Worte zur Geißler-Kampagne zu verlieren. Und Helmut Kohl lieferte prompt das Stichwort vom ‚primitiven Anti-Amerikanismus‘ der SPD.

Zwar schien Brandt die Fassung zu verlieren, als er den Kanzler bezichtigte, die Unwahrheit zu sagen. Doch trotz aller Erregung brachte er unter, was er hatte loswerden wollen. In gezielter Verwechslung sprach er Kohl als Reagan an. Und er hieb auf Geißler ein: ‚Ein Hetzer ist er, seit Goebbels der schlimmste Hetzer in diesem Land.‘
Auch diese Formulierung war wohl überlegt: Sie insinuiert den Vergleich, ohne ihn zu ziehen. Brandt: ‚Soll mir doch mal einer sagen, wann es bei uns seit Goebbels einen so begabten Demagogen wie Geißler gegeben hat.‘“
Keiner nahm‘s damals so richtig übel, es waren ja Demokraten unter sich. Aber, wenn man mich – unter Larven die einzig fühlende Brust – früge, und hier darf ich ja täglich so tun, als thät‘ es wer: Ich habe bei Maas noch nie an Goebbels gedacht. Bei ihm muss ich vielmehr und nahezu zwanghaft daran denken, wie gut ihn ein gewisses schwarzes Schirmmützchen kleiden würde.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Acta diurna.


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