20. Oktober 2015

Nachruf Ruhe in Frieden, Irwin Schiff!

Der Freiheitskämpfer starb in Unfreiheit

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Bildquelle: shutterstock Am Ende seines Freiheitskampfes: Endstation Gefängnis

Im „Star-Spangled Banner“, der Nationalhymne der Vereinigten Staaten von Amerika, werden selbige als das „Land of the Free“ bezeichnet. Ob diese Selbstbezeichnung gerechtfertigt ist, mag bezweifelt werden. Irwin Schiff hätte mit ihr vermutlich so seine Probleme gehabt, war es doch der US-amerikanische Staat, der ihn für viele Jahre hinter Gitter brachte. Viele sahen in ihm einen politischen Gefangenen.

Irwin Schiff, dessen Sohn Peter sich für wirtschaftliche Freiheit einsetzt und einst wirtschaftspolitischer Berater von Ron Paul war, befasste sich während seiner Studienzeit mit der Österreichischen Schule der Ökonomie – Hayek und Hazlitt haben es ihm angetan. Er setzte sich für freie Märkte, einen begrenzten Staat, eine strikte Auslegung der amerikanischen Verfassung und ein Ende der Staatsausweitung in der Post-New-Deal-Ära ein, was in seinem Buch „The Biggest Con: How the Government is Fleecing You“, das unter anderem im „Wall Street Journal“ besprochen wurde, besonders stark zum Ausdruck kommt. Weitere Bücher sollten folgen, von denen eines – „The Federal Mafia“ – verboten wurde, da es laut Gericht falsche Informationen enthalte und die Menschen dazu animiere, ihre Einkommenssteuern nicht zu zahlen. 

Im Jahre 1996 kandidierte er erfolglos für den Posten des Präsidentschaftskandidaten der Libertarian Party – er musste sich Harry Browne geschlagen geben.

Wirklich bekannt wurde Schiff aufgrund seines rigorosen Widerstands gegen die Einkommenssteuer, was ihm schnell den Ruf des Steuergegners einbrachte, der er freilich nicht war: Aus seiner Sicht gab es durchaus legitime und vernünftige Steuern. Dem Staat gestand er eine kleine, wenn auch wichtige Rolle in einer marktwirtschaftlichen Ordnung zu. Er war kein Anarchist. Er stellte sich lediglich der – aus seiner Sicht – mit der Verfassung nicht in Einklang zu bringenden Vollstreckung und Eintreibung der Einkommenssteuer entschieden entgegen. Dies und damit einhergehende Steuerdelikte brachten ihm zeit seines Lebens drei Gefängnisstrafen ein, von denen die letzte auf 14 Jahre ausgelegt war und die er im Alter von 77 Jahren antreten musste.

Am 16. Oktober starb Irwin Schiff nach einem Krebsleiden im Gefängnis – als unfreier Mann in einem „Land of the Unfree“. Wir trauern um einen standhaften Mann, der in seinem Kampf für ein freieres Land auf seine eigene Freiheit verzichtete.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freitum.


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