14. Oktober 2015

Immobilien Der Mieter – eine Last?

Betrachten Sie ihn als Kunden!

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Bildquelle: shutterstock Immer schön freundlich: Der Mieter als Kunde

Mieterschutz, Mietkürzungen, ausstehende Mietzahlungen, Regularien und hinderliche Vorschriften, man hört die schlimmsten Geschichten von Vermietern über ihre Mieter. Viele Wohnungseigentümer sind frustriert und haben sich ganz vom Vermietungsgeschäft verabschiedet. Aus meiner Sicht ein Fehler.

Weitverbreitet: Das Verhältnis zwischen Immobilienbesitzern und Mietern ist emotional und belastet. Am liebsten hört man gegenseitig nichts voneinander. Ein falscher Ansatz. Wer vermietet, hat es nun mal mit Menschen zu tun. Ob er will oder nicht. Wer damit nicht klarkommt, der sollte in der Tat besser auf Mieteinnahmen verzichten. Mit Aktien und Anleihen schläft solch ein Typ von Mensch ruhiger und entspannter.

Wer seinen Immobilienbestand vermietet, der sollte drei Punkte im Auge behalten: Erstens mehr Sorgfalt bei der Auswahl der Mieter. Da lässt sich viel Ärger von vornherein vermeiden. Lieber ein Objekt länger mal leerstehen lassen und in der Zeit keine Mieten einnehmen. Das kann sich auszahlen. Zweitens die Miethöhe nicht immer ausreizen. Denn auch bei Mietern gibt es so etwas wie ein Gefühl für eine faire oder ausbeuterische Miete. Drittens und aus meiner Sicht ein besonders wichtiger Aspekt: den Mieter nicht als Last, sondern als Kunden betrachten. Ein überaus erfolgreicher Freund von mir, selbst in großem Stil Bauherr und Vermieter, hat mich darauf immer wieder hingewiesen. Er schildert den Fall so: Unterstellen wir einmal, Sie hätten eine kleine Fabrik. Jeden Monat käme ein Kunde und würde Ihnen einen Umsatz von 1.200 Euro bescheren, und das jahrelang. Wie würden Sie diesen Menschen betrachten? Würden Sie ihm am liebsten aus dem Weg gehen? Was für Gefühle hätten Sie, wenn die Sprache auf diesen Kunden kommt? Nun, er wäre Ihnen sicher lieb und teuer. Ein treuer Kunde. Einer der Besten. Nun, genau so etwas ist auch Ihr Mieter. Jeden Monat legt er Ihnen Geld auf den Tisch.

Wann haben Sie zum letzten Mal Ihren Mietern zum Geburtstag gratuliert? Wann haben Ihre Mieter das letzte Mal eine Weihnachtskarte von Ihnen erhalten? Einen Blumenstrauß zur Hochzeit? Eine kleine Aufmerksamkeit zum Abitur des Sohnes? Wann haben Sie Ihren Mietern das letzte Mal für den Eingang der pünktlichen Mietzahlungen gedankt?

Gerade heute, in einem finanzpolitischen Umfeld des „Nullzins-Einkommens“ bei Bankguthaben und Anleihen, empfinde ich regelmäßige, kalkulierbare Mieteinkünfte als einen Segen. Umso mehr ein Grund, den Mieter in einem anderen Licht zu sehen: Der Mieter – mein Kunde.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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