29. September 2015

Flüchtlingskrise Die Angst lähmt uns alle!

Die Wahlen in Oberösterreich waren ein Warnschuss

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Auch in Österreich auf dem Vormarsch: Radikale Kräfte

Die Wahlen in Oberösterreich haben eines deutlich gezeigt: Österreichs Bundesregierung hat es verabsäumt, die Ängste der Bürger und Bürgerinnen ernst zu nehmen. Nur so kann man sich die starken Zugewinne der FPÖ erklären. Kommenden Sonntag stehen die Wien-Wahlen an, und wir können mit einem ähnlichen Wahlausgang rechnen. Dass die FPÖ die Situation nicht verändern wird, sollte klar sein – allein schon aufgrund der Tatsache, dass Beschlüsse wie zum Beispiel die Umsetzung eines Aufteilungsschlüssels für Flüchtlinge nur auf Bundesebene beschlossen werden können. Nichtsdestotrotz ist das Ergebnis ein klarer, unmissverständlicher Warnschuss. Es zeigt uns, dass viele Bürger dieses aus ihrer Sicht übertriebene Gutmenschentum, gepaart mit Nichtentscheidung, nicht wollen. Und das sollte die Regierung ernst nehmen.

Eines sei klar gesagt: Wir haben eine moralische Verpflichtung, Menschen, die in Not sind, aufzunehmen und ihnen zu helfen. Doch alleine können wir das Problem nicht lösen. Es muss eine gemeinsame, gesamteuropäische Lösung her.

Europa ist derzeit durch die aufkeimende Angst seiner Bewohner und die völlige Handlungsunfähigkeit der EU wie gelähmt; es fehlt der Zusammenhalt zwischen den Ländern und innerhalb der einzelnen Länder, und das schwächt den Alten Kontinent. Es gibt Länder wie Schweden, Deutschland oder Österreich, die Flüchtlinge aufnehmen, und dann gibt es das andere Lager, Länder wie Polen, Ungarn und England, die die Fremden nicht wollen und sich vehement gegen die Aufnahme von Flüchtlingen wehren. Ebenso gibt es innerhalb der einzelnen Länder sehr starken Widerstand, wer wie viele Flüchtlinge aufnimmt, nach dem Motto „Wir bitte nicht“. Diese Situation spaltet Europa und führt zu einer Stärkung radikaler Kräfte. Die radikale Linke erfährt ebenso Zulauf wie die radikale Rechte, beides schadet der Wirtschaft. Die Linke verdammt Unternehmertum und haut blind auf vermögende Leistungsträger ein. Oft wird vergessen, wie viele Arbeitsplätze dank ihnen geschaffen werden. Die Rechte verdammt wiederum Ausländer. Dabei wird allzu oft vergessen, dass es unter den Flüchtlingen genügend Menschen mit guter Bildung gibt, die man rasch in den Arbeitsmarkt integrieren könnte statt sie in Flüchtlingslagern monatelang vegetieren zu lassen. Wie hätten sie sich sonst die teure Überfahrt leisten können? Und noch was: Flüchtlinge sind auch eine Antwort auf die schrumpfende Bevölkerung in Europa.

Hoffen wir, dass diese radikalen Kräfte dem Ansehen Österreichs und ganz Europas nicht schaden werden können. Hoffen wir, dass es zu keiner Spaltung der Gesellschaft und damit auch zu keinen Unruhen kommen wird. Ich plädiere an die Regierung: Redet offen über Ängste, nehmt die Sorgen der Bürger und Bürgerinnen ernst! Dass sie nicht wollen, dass alle ins Land gelassen werden, haben sie Euch gerade unmissverständlich gezeigt. Die Menschen, denen man aufgrund ihrer Notsituation Asyl gewährt, sollte man rasch in den Arbeitsmarkt integrieren, sonst entsteht in den Flüchtlingsunterkünften der nächste Brandherd der Radikalisierung.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog fisch + fleisch.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Migration

Mehr von Gerald Hörhan

Über Gerald Hörhan

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige