28. September 2015

Die Akte „Naruto“ Ein Affe als Geisel militanter Tierschützer

Die großen NGOs sind längst Schattenregierungen

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Bildquelle: shutterstock Naruto: Im Visier der Eintreiber von Peta

Vielen Organisationen, die behaupten, sich für das Gute einzusetzen, haftet ein erheblicher Makel an: Das sektengleiche Auftreten, mit dem sie ihr Anliegen zur Religion erheben, führt ihr Engagement häufig ad absurdum. Die Tierrechtsorganisation Peta macht da keine Ausnahme. Immer wieder erntet sie Kopfschütteln und Gelächter für ihre schrillen Forderungen, die man gerne ignoriert, weil sie scheinbar keinen Schaden anrichten. Doch der jüngste Vorstoß der militanten Tierschutzaktivisten könnte zumindest für den britischen Fotografen David Slater Ungemach bedeuten. Dieser hatte 2011 einem indonesischen Schopfmakaken-Affen ziemlich unfreiwillig seine Kamera überlassen, der daraufhin zwei Schnappschüsse von sich fertigte. Die „Selfies“ des allzu neugierigen Regenwaldbewohners namens Naruto waren in den sozialen Netzwerken seinerzeit ausgesprochen beliebt – durchaus kein Vorteil für Slater, der wie jeder professionelle Fotograf davon lebt, seine Fotos zu verkaufen. Und als die unerbittlichen Tieranwälte vor einem Jahr eine Diskussion darüber vom Zaun brachen, wem wohl die Rechte am Selbstbildnis des Affen gehörten, musste Slater tatenlos mit ansehen, wie sich sein Werk im Rahmen der Berichterstattung kostenlos in aller Welt verbreitete.

Dies auch, weil die amerikanische Copyright-Behörde damals feststellte, dass dem Fotografen kein Urheberrecht an einem Bild zustehe, das zwar mit seiner Kamera, aber eben von einem Affen geknipst worden sei. Der bedauernswerte Brite machte aus der Not eine Tugend und verkaufte Kopien der Fotos, um zumindest einen Teil seiner Kosten zu bestreiten. Immerhin 1,70 US-Dollar pro Bild spendete er dabei an ein Projekt, das sich für Makaken in Indonesien einsetzt. Doch das rührte die Aktivisten von Peta nicht. Als selbsterklärter „Next Friend“ des ahnungslosen Tieres reichten sie nun bei einem Bundesgericht in San Francisco Klage gegen Slater ein. Und natürlich auch gegen dessen Verlag, um sicher zu sein, dass etwas zu holen ist. Denn am Ende geht es – wie so oft – vor allem ums Geld. Peta möchte die Einnahmen aus den Bildverkäufen einstreichen. Offiziell will die Organisation einem „nicht-menschlichen Tier“ (!) dazu verhelfen, Urheber und Eigentümer seines Fotos zu werden, um ein neues Kapitel in der „moralischen Evolution der Menschheit“ aufzuschlagen. Sicher sehr zur Freude entrückter Tierfreunde, die schon lange davon träumen, Hund Waldi ihr Vermögen vererben oder Schaf Dolly heiraten zu können.

Die nach eigenen Angaben drei Millionen Mitglieder zählenden Tierrechtler gebärden sich, als spräche man für die überwiegende Mehrheit der Weltbevölkerung. Es ist dieses Selbstverständnis, das sogenannte Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie Peta so gefährlich macht. Vor allem, weil sie als „Gemeinnützige“ in hohem Maße staatlich alimentiert werden, nicht nur durch direkte Mittelzuflüsse, sondern vor allem durch eine komplette Steuerbefreiung. Es ist längst an der Zeit, dies in Frage zu stellen. Wenn Staaten aus falsch verstandener moralischer Verpflichtung weltweite Wirtschaftskonglomerate zu einem erheblichen Teil mitfinanzieren, muss deren Rolle viel kritischer beleuchtet werden. Dies umso mehr, als die großen NGOs dieser Welt inzwischen längst zu Schattenregierungen aufgestiegen sind, die enormen Einfluss auf gesetzgeberische Verfahren nehmen. Und so sehr sie sich den Anstrich des Guten geben, sind die organisierten „Wohltäter“ doch ebenso aggressive Lobbyisten wie ihre Pendants aus der Finanz-, Pharma- und Automobilbranche. Anders als ihre Industriekollegen geben sie sich allerdings nicht mit Macht und Geld zufrieden. Sie wollen uns in erster Linie umerziehen. Dafür nehmen angebliche Tierschützer auch gerne mal einen wehrlosen Affen als Geisel. Alles für den guten Zweck.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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