15. September 2015

Vorhersagen Immer mehr Schreckensbilder

Alles nur Wahnvorstellungen?

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Bildquelle: Wikimedia commons/Ian Howard Zeichnete ein düsteres Bild der Zukunft: Carl Friedrich von Weizsäcker

Prognosen gibt es viele. Sie treten ein oder auch nicht. Man kann ihnen glauben oder auch nicht. Das war schon immer so. Wir alle kennen den Spruch „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Er wird dem dänischen Physiker Niels Bohr zugeschrieben, aber auch George Bernard Shaw und Winston Churchill. Die allermeisten Prognosen sind düster, künden Schlimmes an, Schreckliches, Furchtbares. Sie sollen die Menschen aufrütteln, damit sie nicht wahr werden. Oder sie dienen nur als Aufreger, verbreitet aus kommerziellen Interessen, sei es von Wichtigtuern oder von Scharlatanen. Prognosen können auf rationalen Überlegungen beruhen, also ernst zu nehmen sein, oder der reinen Phantasie entspringen, also nur Unterhaltungswert haben. Prognosen, die Schlimmes voraussagen und unglaubwürdig oder gar abwegig erscheinen, werden gerne abgetan als Verschwörungstheorien.

Bei einem Mann wie Carl Friedrich von Weizsäcker (1912-2007) dürfte das allerdings schwerfallen. Er ist nicht nur ein hervorragender Physiker und Hochschullehrer gewesen, sondern auch ein hochgeachteter Philosoph, Friedensforscher und Universalgelehrter. In seinem letzten Buch von 1983 sagt er Dinge voraus, die damals schier unglaublich klangen. Eben darum glaubte man ihm nicht – wie einst der Kassandra von Troja. Aber inzwischen droht sich ebendies auf gespenstische Weise zu bewahrheiten. Kassandra hatte recht, Troja fiel und ist nur noch ein Schutthaufen. Was blüht heute Deutschland, was den übrigen Ländern in Europa und anderswo?

Ein Schreckensbild für die Zeit nach dem Sowjet-Kommunismus

Damals, anfangs der 1980er Jahre, mag es nicht mehr sehr schwer gewesen sein, den Niedergang des sowjetischen Kommunismus vorauszusehen. Weizsäcker sprach ihn immerhin aus, indem er es niederschrieb. Aber er ging darüber weit hinaus und malte ein Schreckensbild für die Zeit nach diesem Kommunismus. Deutschland und die Welt würden sich hinein entwickeln in eine totale Katastrophe, darunter in eine Massenmanipulation durch die Medien, in totale Überwachung, in weltweite Kriege, in Verarmung, in Verseuchung des Lebens. Was er prognostizierte, findet sich in seinem Buch „Der bedrohte Friede – heute – Politische Aufsätze 1945 – 1981“, erschienen im Carl Hanser Verlag, München-Wien 1983. Er hat es selbst als sein letztes großes Werk bezeichnet. Zur Zukunft ganz allgemein schreibt er darin:

„Die Geschichte ist das Schicksal, die Zukunft wird einmal Gegenwart sein“

„Vergangene und zukünftige Ereignisse haben eine verschiedene Seinsweise: Vergangene sind faktisch, zukünftige möglich. Wirklich im engsten Sinne sind beide nicht. Beide aber sind von höchster Bedeutung für uns. Die Vergangenheit hat den Rahmen von Tatsachen geschaffen, in den unsere Gegenwart unausweichlich gespannt ist; die Geschichte ist das Schicksal. Die Zukunft aber wird einmal Gegenwart sein. An ihr haben wir also ein vitales Interesse. Wir versuchen, sie zu ergründen, sie zu beeinflussen. Ständig nimmt unsere Phantasie Zukünftiges vorweg. Sie behandelt Mögliches, als wäre es schon wirklich. Und in der Tat, einmal wird es wirklich sein.” Ich gebe hier Weizsäckers Thesen aus diesem Buch wieder, denen Rolf Ehlers im Juli 2012 die Realität von heute gegenübergestellt hat:

Erstens: Die Arbeitslosenzahlen werden weltweit ungeahnte Dimensionen erreichen. Ehlers:  Da sind wir längst angekommen. Nur die permanente Fälschung der Statistiken und die Verdrängung der Arbeitnehmer in unwürdige, nicht existenzsichernde Arbeitsbeziehungen haben es den Politikern und den gleichgeschalteten Medien bisher möglich gemacht, die Bevölkerung über das wirkliche Ausmaß zu täuschen. Es ist aber sicher, dass bald die Dämme brechen werden.

Zweitens: Die Löhne werden auf ein noch nie dagewesenes Minimum sinken. Ehlers:  Reallohnverluste gibt es schon seit mindestens einem Jahrzehnt. Selbst in akademischen Berufen sind die Einkommen seit der Wende um 50 Prozent gesunken.

Drittens: Alle Sozialsysteme werden mit dem Bankrott des Staates zusammenbrechen. Rentenzahlungen zuerst. Auslöser ist eine globale Wirtschaftskrise ungeheurer Dimension, die von Spekulanten ausgelöst wird. Ehlers: Biedenkopf wusste es schon in den 70er Jahren, dass das Rentensystem zusammenbrechen würde. Dennoch haben Millionen dem kleinen Abakus Norbert Blüm geglaubt, die Rente sei sicher. Sicher ist, dass sie nur noch die Hälfte wert ist. Jetzt geht es auch den Pensionen an den Kragen.

Viertens: Circa 20 Jahre nach dem Untergang des Kommunismus werden in Deutschland wieder Menschen verhungern. Ehlers: Circa ... Ob es wirklich schon in zwei Jahren so weit sein wird, ist nicht ganz sicher. Aber der Zulauf zu den Tafeln zeigt, dass die Armut grassiert.

Fünftens: Die Gefahr von Bürgerkriegen steigt weltweit dramatisch. Ehlers: Natürlich zuletzt in Deutschland. Wir gehören ja zu den Braven, die nach zwei verlorenen Kriegen nicht mehr zucken, wenn unsere Obrigkeit fremden Mächten ihren Willen tut. Unser Beitrag zum Krieg in Afghanistan ist nur ein Beispiel.

Sechstens: Die herrschende Elite wird gezwungen, zu ihrem eigenen Schutz Privatarmeen zu unterhalten. Ehlers: Noch sehen wir in Deutschland davon nicht viel. In den USA, wo noch bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts jedermann sein Haus offen stehen ließ und beim Einkauf die Autoschlüssel im Fahrzeug, mehrten sich schon in den 70er Jahren die abgeriegelten und streng bewachten Siedlungen für die Betuchten. Heute kann man in Mexiko City sehen, wo wir sehr bald landen werden. Dort sind alle Privatgrundstücke rundum mit Schutzzäunen und Schutzanlagen eingeigelt. In den Wohngebieten kommt man sich vor wie vor endlosen Gefängnissen – nur dass die Bewohner sich selbst sämtlich festungsmäßig eingesperrt haben. Wer Geld hat, leistet sich natürlich Bodyguards.

Siebtens: Um ihre Herrschaft zu sichern, werden diese Eliten frühzeitig den totalen Überwachungsstaat schaffen, eine weltweite Diktatur einführen. Ehlers: Unsere Regierung, auch unter dem osterfahrenen Innenminister de Maizière, mischt da kräftig mit. Die Diktatur funktioniert auch dann schon, wenn formal noch Verfassungen gelten, solange die Regierungen nur tun, was von ihnen verlangt wird. Etwa wie seinerzeit Joschka Fischer nach eigenem Bekunden direkt nach seiner Vereidigung zum deutschen Außenminister erst einmal zum Befehlsempfang nach Washington reisen musste.

Achtens: Die ergebenen Handlanger dieses Geldadels sind korrupte Politiker. Ehlers:  Was ist Klientelpolitik anderes als Korruption! Die Schwelle zur fast offenen dreisten Korruption riss schon früh der Neoliberale Otto Graf Lambsdorff. Ihm war aber der noch weit effektivere Liebling der Bayern und der Erzkonservativen, Franz Josef Strauß, vorhergegangen. Heute herrscht in Berlin eine ungeschminkte Parteienoligarchie, die folgsam alles umsetzt, was die Wirtschaftsmächtigen ihnen diktieren.

Neuntens: Die Kapitalwelt fördert wie eh und je einen noch nie dagewesenen Nationalismus (Faschismus) als Garanten gegen einen eventuell wieder erstarkenden Kommunismus. Ehlers: Das ist ein Punkt, an dem von Weizsäcker nicht ausreichend differenziert hat. Der Nationalismus dort, wo sich die Kapitalmacht konzentriert, war schon immer beachtlich. Für alle Länder, die willig folgen müssen, gilt dagegen das Diktat der Anpassung an eine ungehemmte Globalisierung.

Zehntens: Zum Zweck der Machterhaltung wird man die Weltbevölkerung auf ein Minimum reduzieren. Ehlers: Dies geschieht mittels künstlich erzeugter Krankheiten. Hierbei werden Bio-Waffen als Seuchen deklariert, aber auch mittels gezielter Hungersnöte und Kriege. Als Grund dient die Erkenntnis, dass die meisten Menschen ihre eigene Ernährung nicht mehr finanzieren können, jetzt wären die Reichen zu Hilfsmaßnahmen gezwungen, andernfalls entsteht für sie ein riesiges, gefährliches Konfliktpotential. Die Weichen sind gestellt. Der Codex Alimentarius ist ein wichtiges Hilfsmittel. WHO, FAO, WTC und IPCC sind Teil des Systems. BSE, Vogelgrippe, Tamiflu, Schweinegrippe und auch die Treibhauslüge sind Beispiele dafür, dass es längst abgeht in die angezeigte Richtung.

Elf: Um Rohstoffbesitz und dem eigenen Machterhalt dienend, werden Großmächte Kriege mit Atomwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen führen. Ehlers: Der Einsatz von Atomwaffen ist immer eine Option. Aber auch ohne sie kämpft Amerika im Vorderen Orient ums Öl. Verträge mit den Scheichs und die verlogenen Kriege im Irak und in Afghanistan zeigen deutlich, worum es geht. Der nächste Stein im Puzzle ist der Iran.

Zwölftens: Die Menschheit wird nach dem Niedergang des Kommunismus das skrupelloseste und menschenverachtendste System erleben, wie es die Menschheit noch niemals zuvor erlebt hat, ihr Armageddon. Ehlers: Das System, das für diese Verbrechen verantwortlich ist, heißt „unkontrollierter Kapitalismus”. Carl Friedrich von Weizsäcker lässt keinen Zweifel daran, dass die Menschheit kaum eine Chance hat, diesem Szenario zu entgehen. Wir können nur hoffen, dass er vielleicht doch nicht recht hat. Vielleicht hat er nicht sehen können, was vernetzte Opposition in allen Teilen der Welt bewegen kann. Aber wirklich nur vielleicht.

Weizsäcker über den „typischen Deutschen“

C. F. von Weizsäcker sagte 1983, sein Buch werde die Bevölkerung mit Sicherheit nicht verstehen. Somit würden die Dinge ihren Lauf nehmen. Das deutsche Volk beurteilte er so: absolut obrigkeitshörig, des Denkens entwöhnt, typischer Befehlsempfänger, ein Held vor dem Feind, aber ein totaler Mangel an Zivilcourage. Der typische Deutsche verteidige sich erst dann, wenn er nichts mehr habe, was sich zu verteidigen lohne. Wenn er aber aus seinem Schlaf erwacht sei, dann schlage er in blindem Zorn alles kurz und klein – auch das, was ihm noch helfen könne. Die einzige Lösung, auf die Weizsäcker verwies, sei die Hoffnung, dass die Erde nach diesen unvermeidlichen Schrecknissen noch bewohnbar bleibe.

Der Flüchtlingsansturm wie eine nahezu unaufhaltsame neue Völkerwanderung

Rolf Ehlers hat den zwölf Weizsäcker-Thesen die Realität vom Jahr 2012 gegenübergestellt. Jetzt sind wir drei Jahre weiter, und die Realität ist eine noch schlimmere geworden. Wir erleben gerade den Ansturm der Flüchtlinge wie eine ins Werk gesetzte nahezu unaufhaltsame neue Völkerwanderung, die in den Thesen explizit noch nicht vorkommt, aber implizit darin enthalten scheint. Wenn man diese Thesen jetzt wieder Revue passieren lässt, können einem selbst solche Darstellungen nicht mehr abwegig vorkommen, wie zum Beispiel die über „Die geheime Weltregierung“. Oder über den nicht mehr ganz so geheimen Globalisierungsplan der Vereinigten Staaten. Oder das, was in den USA selbst geschieht und worüber im Mai 2015 zu lesen war.

Kissinger: Aus Freiheit wurde Unterdrückung, aus Wohlstand Armut

In einer Besprechung des neuen Buches von Henry Kissinger „World Order“ schreibt Friedrich Romig: „Der heutige Befund einer aus den Fugen geratenen Welt ist dem Umstand zu verdanken, dass überall dort, wo Amerika seit Wilson intervenierte und seine ‚Völkerbund‘-Ideen propagierte, Chaos entstand. Kissinger konnte nicht verhindern, dass Siege zur Niederlage, aus Freiheit Unterdrückung, aus Macht Ohnmacht, aus Harmonie Spaltung wurden und Wohlstand sich in Armut verwandelte. Der Staatsmann, so seine Erklärung und sein Fazit, trifft oft genug in schwierigen Situationen Entscheidungen, deren Folgen er nicht absieht.“

Amerikas Legitimitätsgrundlage beginnt zu bröckeln

Weiter schreibt Romig: „Unbeirrt von den schlechten Ergebnissen amerikanischer Interventionen in allen Weltregionen hält Kissinger die Führungsrolle der USA sowohl auf philosophischer wie geopolitischer Ebene für unverzichtbar.“ (S. 424) Doch auch bei ihm mehren sich die Zweifel, ob Amerika dieser unverzichtbaren Rolle noch gerecht werden kann. Die von den USA vertretene „philosophische“ Legitimitätsgrundlage der Weltordnung – Demokratie, Menschenrechte und internationales Recht – beginnt zu bröckeln. Die „universalen Prinzipien“ und Begriffe werden höchst unterschiedlich interpretiert und von Kriegsparteien gar als „Schlachtrufe“ gegeneinander verwendet (S. 414). „Zu irgendeiner Ordnung führen diese Prinzipien nicht.“ Aber mehr als den Rat, „das Notwendige tun, bevor wir von den Ereignissen überrollt werden“, habe Kissinger seinen Freunden in den USA nicht zu bieten. (Henry Kissinger: „Weltordnung“, C. Bertelsmann Verlag, München 2014.) Nach meiner eigenen Wahrnehmung geht das, was in, was durch und was mit den Vereinigten Staaten geschieht, über ein „Bröckeln“ schon weit hinaus.

Das nächste große Schlachtfeld

Im Juni schrieb F. William Engdahl den Beitrag „Washington heizt Krieg in Europa an“ (Kopp Online vom 17. Juni 2015). Ebenfalls im Juni schrieb Claus Voigt über fünf Gründe, warum die Lage heute brisanter ist als je zuvor und warum der Zusammenbruch unseres Weltwährungssystems unvermeidbar ist (MMNews vom 26. Juni 2015). In der Tageszeitung „Die Welt“ war unter dem Titel „Das nächste große Schlachtfeld ist Europa“ unter anderem zu lesen: „Vor einem Jahr rief der IS sein Kalifat aus. Jetzt bereiten die islamistischen Terroristen eine neue Strategie vor. Systematisch schleusen sie Kämpfer über Flüchtlingsrouten in die EU.” (29. Juni 2015.) Näheres dazu im Beitrag von Niko Vogt „Angriffsziel Europa – Weltkrieg III mit anderen Mitteln” (Quer-denken.tv vom 8. September 2015). Oder von Gerhard Wisnewski „Migrationswaffe: Der genialste Krieg aller Zeiten“ (Kopp Online vom 10. September 2015). Von dergleichen ließe sich noch viel mehr bieten.

Alles nur Wahnvorstellungen?

Sind das alles nur noch Prognosen, nur Wahnvorstellungen? Gar Verschwörungstheorien? Das mag jeder zunächst für sich beantworten. Unlängst habe ich den Satz aufgelesen „Die sicherste Prognose ist die, dass sich kaum eine Prognose erfüllen wird“. Auf ihn sollten wir uns lieber nicht verlassen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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