14. September 2015

Miriam Meckel und die neue „Wirtschaftswoche“ Jeden Tag ein bisschen dümmer

Perfider träfe es natürlich auch

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Bildquelle: shutterstock Ausblick ins gelobte Land: Germania

Miriam Meckel, die vor Jahresfrist an der Spitze der „Wirtschaftswoche“ den sachverständigen Roland Tichy ablöste, weil sie als Kommunikationswissenschaftlerin, SPD-Sympathisantin, Frauenquotenpropagandistin, Lebenspartnerin von Anne Will und Autorin eines Burn-out-Bekenntnisbuches (zu einer anständigen Depression langt es bei diesen Betriebsnudeln ja nie) viel besser für diesen Posten geeignet ist als der Volkswirt Tichy, Miriam Meckel also dankte ihre Nobilitierung erwartungsgemäß damit, dass sie das ehedem vergleichsweise freimütige Magazin auf Staats- und Parteienlinie gebracht hat, das heißt, die EU-Finanzpolitik wird heute dort ebenso gepriesen wie die Energiewende oder die Privilegierung von Frauen im Wirtschaftsleben einzig ihres Chromosomensatzes wegen. Diese Woche widmet sich Frau Meckel in ihrem Editorial dem Thema „Flucht und Migration“ und vergleicht die heutige Situation mit jener Amerikas am Ende des 19. Jahrhunderts, als sich dort erstmals Unmut über die immer neuen Ankömmlinge aus Europa breitmachte (also innerhalb der Weißen, die Rothäute hatten diesen Unmut bereits etwas eher zu artikulieren begonnen). Meckel schreibt: „Damals waren die Europäer die armen Schweine, und das gelobte Land hieß Amerika. Heute heißt das gelobte Land Deutschland, und die armen Schweine kommen aus Syrien, Libyen und anderen von Krieg und Notstand geplagten Ländern.“

Die Dame fingiert also, sie könne nicht unterscheiden, nämlich zwischen

a) der Einwanderung in die endlosen Weiten eines kaum besiedelten Kontinents, wo von Anbeginn jeder Einwanderer sein Glück selber in die Hand nehmen musste, weil ihm niemand einen Cent schenkte, weshalb auch überwiegend sozial depravierte, aber arbeitswillige, entschlossene Europäer dorthin übersiedelten, ihre Vorstellungen von Staat, Gesellschaft, Moral et cetera von Grund auf gemeinsam prägten, und wo zur in Rede stehenden Zeit ein nicht unerheblicher Bedarf an Arbeitskräften für die boomende Industrie, für Landwirtschaft, Schiffahrt, Bergbau und so weiter bestand, und

b) der Invasion eines rappeldicht besiedelten, bereits Millionen Arbeitslose finanzierenden Hochtechnologieländchens durch meistenteils ungebildete, aber von tollkühnen Phantasien über das deutsche Schlaraffenland leider Gottes nicht einmal zu Unrecht beseelte Scharen künftiger Sozialhilfeempfänger und Billiglöhner aus einem durchaus fremden Kulturraum, wo in puncto Religion, Freiheit, Alltagsmoral oder Rolle der Frau Wertvorstellungen herrschen und gern auch aggressiv durchgesetzt werden, die sich erheblich von den Gepflogenheiten das Gastgeberbiotops unterscheiden. Wäre das heutige Deutschland das Amerika von 1890, wäre die Landnahme, wie sie sich gerade mit dem Segen der Partei- und Staatsführung mit der großzügigen Gewährung von Steuermilliarden und nahezu ohne Widerstand vollzieht, überhaupt kein Problem, es wären ja, erstens, keine Unterstützungsmilliarden vonnöten und es gäbe, zweitens, genug Raum, jeder Einwanderer müsste sich sein Haus selber bauen, seinen Job selber suchen, die Ausbildung seiner Kinder selber finanzieren, Unterstützung durch mildtätige Ortsansässige fände durchaus statt, aber nur für kurze Frist, und für den unvermeidlichen gelegentlichen Konfliktfall hätte jeder Einheimische ein Gewehr im Schrank. 

Wie heute gemeinhin üblich, verweist Meckel in ihrem Editorial auch auf die „etwa zwölf Millionen Menschen“, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs „aus dem Osten in die Westzone geflohen“ sind, um die Aufnahmebereitschaft der Deutschen zu spornen. Auch hier fingiert sie eine Vergleichbarbeit des Inkommensurablen: Damals flohen Deutsche innerhalb Deutschlands, sie sprachen die gleiche Sprache, gehörten fast allesamt zur Christenheit, besaßen eine ähnliche Mentalität und den meinethalben absonderlichen, aber nun einmal Zusammenhalt und Wohlstand stiftenden typisch deutschen Drang zur Arbeit. Auch diese Menschen wurden nicht vom Staat alimentiert (es gab den Lastenausgleich, doch das ist ein ander Ding), und sie wären im Traum nicht auf den Gedanken gekommen, dergleichen zu fordern.

„Die derzeitigen Flucht- und Wanderbewegungen sind Zeichen einer weiteren Wende hin zur real existierenden Globalisierung, in der dieser Begriff so richtig mit Leben gefüllt wird“, freut sich Frau Meckel, der neun von zehn Einwanderern als Lesbe das Daseinsrecht absprechen würden. Flucht und Migration seien eben der Normalfall in der Geschichte, belehrt sie die Zagenden. Aber Kriege, Zerstörung und der Zusammenbruch von Zivilisationen sind ebenso der Normalfall in der Geschichte. Meckels Feststellung hätte auch ein römischer Patrizier des frühen 5. Jahrhunderts treffen können, nur eben, als Römer, in stoischer Erkenntnis des Fatums, ohne dieses selbstgefällige, auf weitere Pfründen spekulierende MoralpredigerInnengrinsen, dessen immer weiterer Verzerrung ins Fratzenhafte und schließlichem Erstarren wir in den nächsten Jahren immerhin amüsiert werden hospitieren dürfen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Acta diurna.


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