03. September 2015

Gesellschaftskritik Jeder der Verfassungsfeind des anderen

Es geht nur um Varianten der Unterwerfung

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Bildquelle: Junge Freiheit Unikat statt Füllsel: Günter Maschke

„Entgegen allen Verlautbarungen leben wir heute gerade nicht in einer ‚pluralistischen‘ Gesellschaft. Es gab sie etwa in Weimar, als es ein nationales, ein kommunistisches, ein katholisches, ein sozialdemokratisches et cetera Milieu gab – mit den entsprechenden Ideologen, Zeitschriften, Verlagen und so fort. Davon kann keine Rede mehr sein. Wir haben heute nur ein einig Volk von Verfassungspatrioten“, notierte Günter Maschke vor 30 Jahren in seinem glanzvollen Essay „Die Verschwörung der Flakhelfer“, der vielleicht profundesten Analyse deutscher Nachkriegsbefindität, die ja letztlich darin besteht, dass wir in einem Land leben, „in dem jeder zum Verfassungsfeind des anderen werden kann“. Deshalb gibt es hier auch mehr ehrenamtliche Verfassungsschützer als in jedem anderen Land der Welt, sei es nun im Auftrag oder bloß im Namen der verschiedenen Parteien, Lobbys und Minderheiten. (Manche nebenberufliche Verfassungsschützer wollen den Geltungsrahmen des Grundgesetzes gar via Asylrechtshypertrophie auf die ganze Welt erweitern und dafür sorgen, dass irgendwann jeder Bewohner der Bundesrepublik zum Verfassungsfeind sämtlicher Bewohner des Planeten werden kann, die daran Interesse bekunden.) Maschke: „Weil es um nichts geht, was dieses System transzendieren könnte, weil es immer nur um Varianten der Unterwerfung und der Selbstfesselung geht, ist es so schwierig, sich zu den einzelnen Konflikten und Ereignissen eine Meinung anzuquälen.“

Nach einer Besprechung im Auswärtigen Amt am 8. November 1941 – Thema: die Enteignung der deportierten Berliner Juden; von 25 Anwesenden sind 24 dafür – schreibt Helmuth von Moltke, diese Leute seien „wie Chamäleons. In einer gesunden Gesellschaft machen sie einen gesunden Eindruck, in einer kranken, wie der unseren, machen sie einen kranken. In Wahrheit sind sie weder das eine noch das andere. Sie sind Füllsel.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf Acta diurna.


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