03. August 2015

Flüchtlinge und Deutsche Antrag ins Notaufnahmelager

Es zählt nur der Bezug zu anderen Menschen

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Bildquelle: shutterstock Freisinnig: Persönlicher Bezug ist wichtiger als der Staat

Es vergeht kein erbärmlicher Tag, an dem mir nicht das Elend der Bundesdeutschen vor Augen geführt wird. Glaubt man der Time-Line auf Facebook, besteht die Welt nur noch aus Asylanten und Islamisten, die entweder Geld finden und es dummerweise abgeben oder sich gegenseitig die Köpfe einschlagen.

Ich wohne hier in Berlin – fünf Minuten vom Kurfürstendamm entfernt – in einer Gegend, in der sicherlich mehr Ausländer leben als auf Mallorca Deutsche. Asylanten mögen auch darunter sein – ich weiß es nicht.

Was ich weiß, ist, dass 99,99 Prozent der Gauner, die mir mein erarbeitetes Geld wegnehmen, mich mit Vorschriften überziehen, mir das Rauchen per Verordnung verbieten, mich zwangsversichern, mich täglich anlügen, mein Vermögen entwerten und so weiter, sogenannte deutsche Staatsbürger sind.

Und was ich ebenfalls weiß, ist, dass eine übergroße Mehrheit meiner deutschen Mitbürger diese Gauner mit ihrer Wahlstimme unterstützen und legitimieren. Und dabei spielt es ausdrücklich keine Rolle, ob die Partei, die man gewählt hat, an der derzeitigen Regierung beteiligt ist oder nicht.

Es geht lediglich darum, ob man das Prozedere des Parlamentarismus unterstützt oder es ablehnt. Denn mit nahezu jeder politischen Forderung anerkennt man, dass es ein legitimer, ethisch einwandfreier Weg sei, mit dem Aufreißen seiner dummen Fresse die gesellschaftlichen Verhältnisse umzugestalten. Exekutiert werden soll dies selbstverständlich mittels staatlichen Gewaltmonopols, also durch die oben erwähnten deutschen Gauner, die mir täglich einen Teil meines Geldes wegnehmen, mich zwangsversichern und so weiter.

Ich möchte meinen Online-Bekanntschaften nicht vorschreiben, wie sie ihre verdammte Lebenszeit verbringen, doch hätte ich offline einen Bekanntenkreis, der mir ständig irgendwelche Zeitungsmeldungen unter die Nase reibt oder mir blödsinnige Geschichten erzählt, welche Typen wo wieder einen Sack Reis umgeworfen haben – oder was für einen Scheiß die glauben, ich würde ihnen die Bekanntschaft kündigen.

Für einen freiheitlichen Menschen zählt lediglich der persönliche Bezug zu anderen Menschen. In welche Kategorie der Staat diese Menschen einteilt, ist Sache des Staates. Wie ich nicht unterscheide, ob ich es mit einem Steuerzahler oder einem Steuerhinterzieher zu tun habe, ist mir der behördliche Aufenthaltsstatus von Mitmenschen einerlei.

Die Religion meiner Mitmenschen ist mir allerdings nicht einerlei. Und ich unterscheide da sehr genau in Aberglauben und Aberglauben. Ich bin also ein Verfechter der Religionsfreiheit. Wären die Menschen nämlich frei von Aberglauben, würden sie auch nicht mehr daran glauben, dass das staatliche Gewaltmonopol mit „richtiger“ Politik ihre widerstreitenden Interessen vertreten wird.

Die Klage gegen irgendwelche Zuwanderungen oder über sonstige gesellschaftlichen Zustände ist eine Anerkennung der Unterdrückungsstrukturen dieses Staates. Die so Klagenden wollen vielleicht nicht diese, aber eben eine andere Unterdrückung. Die diesbezüglichen Auseinandersetzungen in der AfD haben dies zuletzt verdeutlicht. Vielleicht glauben einige dieser intellektuellen Süßmoster, sie hätten jüngst einen Sieg errungen. Die Wege des Parlamentarismus sind geradezu zugeschissen von derartigen Siegen. Stets siegte der Staat, stets rüstete die Polizei auf, stets verstärkte sich die Überwachung und stets wurde die Freiheit der Menschen weiter eingeschränkt. Die Hoffnung starb immer zuletzt – doch sie starb!

Klar doch, liest man als Nachtwächter oder Arbeitsloser den ganzen Tag Zeitung, hat man so den Eindruck, dass einem das ausländische Problempack die Schlinge um den Hals legt und langsam zuschnürt. Ist aber nur der Eindruck.

Das deutsche Problempack (ich habe es oben hinlänglich definiert) hat schon lange die Schlinge gelegt und zieht jedes Jahr ein bisschen mehr zu.

Und noch was: Die Leute, mit denen ich geschäftlich zu tun habe, sind meist gut situierte Bürger und Unternehmer. Keiner davon hat es mit Sozialhilfe und staatlichem Scheißdreck zu irgendetwas gebracht. Die arbeiten alle und sind froh, wenn sie sich nach Feierabend nicht noch Gedanken darüber machen sollen, ob ein Asylant einen Geldschein gefunden hat oder der Staat einen Geldschein mehr verschwendet. Ist also kein Zufall, wenn zwei in einem Mercedes sitzen und davon einer einen sogenannten Migrationshintergrund hat (nämlich der Taxifahrer). Ist auch kein Zufall, wenn sich in meinen Büros die Akademiker mit den Ausländern vertragen, die letzteren putzen nämlich oder sind die Boten.

Aber ich würde dafür kämpfen, dass auch der letzte deutsche Idiot seine eigene Obsession verfolgen darf. Es ist wie beim Wichsen. Der eine schafft es mit seiner Fantasie, der andere nur mit der Blöd-Zeitung.

Ich jedenfalls melde mich nun in einem Notaufnahmelager an, da verdient man sich ja angeblich eine goldene Nase.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.

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