15. Juli 2015

Liberalismus-Debatte Hat Karen Horn vielleicht nur erfolglos geputscht?

Anmerkungen zur Häutung der Hayek-Gesellschaft

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Bildquelle: shutterstock Hayek-Gesellschaft: Liberale willkommen

Außenstehende können sich nur wundern, was in den letzten Wochen über die sonst stets ehrenhafte und honorige Friedrich-August-von-Hayek-Gesellschaft publiziert wird. Gemeinsam mit Prof. Dr. Wolf Schäfer habe ich die Mitgliederversammlung am 26. Juni 2015 in Leipzig über weite Strecken moderieren dürfen. Eine Zweidrittelmehrheit der Versammlung hatte dies im Vertrauen auch auf meine Neutralität freundlicherweise so bestimmt. Aus dieser Position heraus – und als langjähriges Mitglied der Gesellschaft – erlaube ich mir, Nachstehendes zur allgemeinen Erörterung beizutragen.

Über die Gründe, warum Karen Horn in der Zeit unmittelbar vor den anstehenden Hayek-Tagen 2015 plötzlich (und erstmals) in so massiver Weise an den unterschiedlichsten Stellen – und also auf alle Fälle unübersehbar – die Frage nach dem richtigen und dem unrichtigen Liberalismus aufgeworfen hat, lässt sich weidlich spekulieren.

Tatsache jedenfalls ist einerseits, dass vor der Mitgliederversammlung bereits intensiv darüber diskutiert wurde, ob Karen Horn (noch) eine geeignete Vorsitzende der Gesellschaft sei. Tatsache ist andererseits, dass die Mitgliederversammlung zu keinem Zeitpunkt von einem „radikalisierten Mob“ beherrscht worden wäre, wie der angesehene und üblicherweise professionell-nüchterne, selbst ortsabwesende Schweizer Bankier Konrad Hummler die ihm zugetragenen Berichte über den Leipziger Vormittag zusammenfasst.

Warum nur wurde – von wem auch immer – nach dem 26. Juni 2015 überall ein Bild von der Mitgliederversammlung gezeichnet, als habe man dort kurz vor einer Massenschlägerei gestanden? Wie plausibel wäre dies, wenn doch die Vorsitzende gleich anschließend die üblichen Hayek-Tage wie gewohnt gesittet, professionell, samt Medaillenvergabe und Festbankett, absolvierte?

Ein Verdacht steht im Raum. Karen Horn hatte demnach den Plan, nicht nur die operativ tätige Hayek-Gesellschaft an einen engeren eigenen Zügel zu legen; ihre Absicht war auch, die geldgebende Hayek-Stiftung mittelfristig unter ihre eigene Kontrolle zu bringen. Dafür sprechen nicht nur die geplanten Satzungsänderungen für die Gesellschaft. Dafür spricht auch die beabsichtigte personelle Erweiterung der Stiftungsgremien, die sie ins Werk setzte. Sollte dieser Verdacht zutreffen, dann  würde jedenfalls die plötzliche Hektik verständlich, mit der parallel zu den turnusmäßigen Hayek-Tagen und der Mitgliederversammlung von Karen Horn plötzlich im Hintergrund auch eiligst zu einer Sondersitzung des Stiftungsrates einberufen wurde, um von einem auf den anderen Tag dessen Satzung zu ändern. Denn mit der breiten Aufforderung an sie, ihren Platz zu räumen, drohten ihr auf einmal die Zügel zu entgleiten.

In einer E-Mail, die Karen Horn am Freitag, dem 26. Juni 2015, um 8.00 Uhr absetzte, hieß es unter anderem wörtlich:

„Aus dringlichen Gründen gemäß der Satzung der Friedrich A. von Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft lädt Prof. Dr. Wernhard Möschel, dessen ‚Postillon‘ ich hiermit ausnahmsweise sein darf, zu einer Stiftungsratssitzung im Steigenberger Grandhotel in Leipzig ein, am 27. Juni 2015 um 8:30 Uhr im Frühstücksraum.“

Als Tagesordnung wurde angegeben, dass beschlossen werden sollte, Mitglieder der Hayek-Gesellschaft sollten fortan nicht mehr dem Vorstand oder dem Stiftungsrat der Stiftung angehören dürfen. An Stelle von Karen Horn sollte Gerhard Wegner in den Stiftungsrat aufgenommen und an Stelle von Klaus Günther sollten Michael Zöller und Lars Feld neue Mitglieder des Stiftungsvorstandes werden.

Alle diese Beschlüsse waren – wie zitiert – für 8.30 Uhr im Hotel-Frühstücksraum vorgesehen, obwohl an diesem Samstag nur 90 Minuten später, um 10.00 Uhr, in der Alten Börse der reguläre Ablauf der Hayek-Tage seinen Fortgang nehmen sollte. Warum plötzlich diese Hektik von Freitag auf Samstag, mit einem Vorlauf von nur 24 Stunden? Warum „dringliche Gründe gemäß der Satzung“, ohne diese konkret zu benennen? Warum nun diese extreme Eile von einem auf den anderen Tag, obwohl Karen Horn der Gesellschaft zu diesem Zeitpunkt (in  kaum bestreitbarer Kenntnis aller Satzungstexte) doch schon seit Jahren vorstand?

Diese – von Gerd Habermann im Nachhinein mit der Vokabel „putschartig“ beschriebenen – Vorgänge wurden in der Mitgliederversammlung am Freitagvormittag thematisiert. Und Karen Horn wurde aus der Versammlung heraus gefragt, ob sie in der Tat derartige Pläne hege. Erst nachdem sie substantielle Antworten auf diese Fragen nicht gab, wurde die Mitgliederversammlung – wen könnte es wundern – tatsächlich lebendiger. Zu Übergriffen aber kam es nicht. Es blieb bei nordmitteleuropäischer, verbaler Empörung. Gleichwohl konnte die Versammlung aus Zeitgründen nicht beendet werden. Man vertagte sich. Zu einer neuen Einladung durch Karen Horn kam es nicht mehr. Sie trat aus der Gesellschaft aus und verlor damit satzungsgemäß automatisch ihre Vorstandsposition.

In dem Bestreben, Schaden von der Gesellschaft abzuwenden, habe ich selbst zwischen dem 30. Juni und dem 13. Juli 2015 ungezählte Gespräche geführt und Kompromisse vorgeschlagen. Unter anderem stand im Raum, Karen Horn nach Rückzug aus der Gesellschaft die alleinige Regie über die Stiftung zu überlassen. All dies fruchtete nicht. Wie die Welt seit dem 14. Juli 2015 weiß, sind jene beiden Wochen augenscheinlich genutzt worden, um medienwirksam den konzertierten Austritt von rund 13 Prozent der Mitglieder zu orchestrieren.

Warum all das? Mit welchem Ziel? Zu wessen Gunsten? Warum plötzlich die mehr oder minder offene Rebellion gegen Gerd Habermann? Der  nicht konkret spezifizierte Angriff „gegen rechts“? Das Verdikt, namentlich nicht genannte Mitglieder seien „reaktionär“? Nur wegen des Geldes der Stiftung?

Unter den Mitgliedern der Hayek-Gesellschaft kursieren inzwischen konkrete weitere Spekulationen. Die medial professionell in Szene gesetzte Darstellung über eine vom Mob gestörte Versammlung mag danach verschleiern, dass die handstreichartig feindliche Übernahme von Gesellschaft und Stiftung fehlgeschlagen ist. Mit der Theorie von einem weniger konturenscharfen Liberalismus empfiehlt sich Karen Horn jedoch augenscheinlich auch für zwei ganz neue Ämter. In der Gesellschaft fragt man sich: Liebäugelt sie mehr mit einer politischen Karriere neben Frau Suding oder erschiene ihr die Nachfolge von Wolfgang Gerhardt bei der Naumann-Stiftung genehmer? Sich den Anschein zu geben, gegen die politischen Gegner der Freien Demokraten auftreten zu können, steht jedenfalls keiner dieser Perspektiven entgegen. Einer, der mit Karen Horn gemeinsam aus der Gesellschaft ausgetreten ist, hat übrigens den Namen Christian Lindner.

Es steht zu hoffen, dass der Austritt mancher Mitglieder nur auf einer spontanen Fehleinschätzung der kolportierten Lage beruhte. Jeder wirkliche Liberale ist in der Gesellschaft weiter willkommen, gerne auch als Rückkehrer. Wir sollten rational handeln. Hayek würde es freuen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Make Love not Law.

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