09. Juli 2015

Energiewende Der vermeintliche Klimaschutz

Die Rechnung wird immer größer

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Bildquelle: shutterstock Lässt sich nicht schützen: das Klima

Endlich, möchte man sagen. Endlich rafft sich eine angesehene Zeitung einmal auf, die Stromverbraucher wegen der ruinösen „Energiewende“ auf die Barrikaden zu rufen. Getan hat es die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ in ihrer Ausgabe vom 5. Juli. Der Leitartikel von Lena Schipper im Wirtschaftsteil war überschrieben mit: „Stromkunden auf die Barrikaden!“ Bislang ist diese Zeitung mit solcher eigenen Kritik an der Energiewende nicht gerade aufgefallen und das Mutterblatt „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mit solchen Redakteuren wie Andreas Mihm und Joachim Müller-Jung schon gar nicht. Aber werden die Stromverbraucher dem Aufruf folgen?

Das Folgen scheitert schon daran, dass die allermeisten Deutschen die „FAS“ nicht lesen, den Aufruf also nicht kennen können. Aber davon, was für ein Monster die Energiewende ist, haben sie ohnehin so gut wie keine Ahnung, wissen nicht, was sich hier wirklich abspielt. Die Autorin drückt dies so aus: „Niemand hat in dem Wust der Maßnahmen mehr den Überblick darüber, wo ihm zu welchem Zweck wie viel Geld aus der Tasche gezogen wird. Entsprechend schwachbrüstig sind die Proteste.“

Wer das nicht weiß, vermag auch schwerlich seinen Zorn zu artikulieren, es sei denn, er beschränkt sich darauf, den heftig steigenden Strompreis zu attackieren. Denn der ist durch die Energiewende das zwangsläufige Ergebnis. Aber selbst dies hat noch keine Massen auf die Straßen gelockt, auf die Barrikaden getrieben. Die mutwillige Stromverteuerung scheint für zu viele noch nicht schmerzhaft genug zu sein und noch nicht unbezahlbar.

Dabei läuft die Umsetzung der Energiewende, wie die Autorin schreibt, seit Jahren nach dem immer gleichen Muster ab: „Die Regierung formuliert eine Zielvorgabe und macht einen vage gehaltenen Vorschlag, wie diese erreicht werden könnte und wer für Kosten und Konsequenzen aufkommt. Die auserwählte Gruppe – ein Industriezweig, eine Gewerkschaft, gerne auch eine Landesregierung – legt lautstark Protest ein. Es gibt lange, ermüdende Debatten ohne Einigung, das Thema verschwindet in der Versenkung. In letzter Minute, wenn schon alle ziemlich sicher sind, dass das Vorhaben gescheitert ist, wird ein Alternativvorschlag präsentiert: Die Rechnung für die ursprünglich vorgesehenen Zahlmeister wird vernichtet. Zum Vorschein kommt eine neue, höhere Rechnung, adressiert an Stromkunden und Steuerzahler.“

Der Autorin „drängt sich unweigerlich eine Frage auf: Warum gibt es eigentlich noch keine landesweiten Proteste von den Leuten, die das alles über ihre höhere Stromrechnung begleichen sollen? Warum ist die Mehrheit der Deutschen nicht ähnlich auf Zack wie RWE, Vattenfall und die IG BCE, wenn es darum geht, sich gegen absurde Belastungen zu wehren, deren Nutzen für die Umwelt minimal ist? Eine Erklärung ist sicherlich die moralische Alternativlosigkeit, mit der Energiewende-Maßnahmen unabhängig von Sinn oder Kosten präsentiert werden: Es ist alles für einen guten Zweck. Wer will schon gegen Klimaschutz sein?“

Ach, dieser Klimaschutz. Den allerdings macht die Autorin nicht zum Thema. Dabei müsste ihr Barrikadenruf ihm und nur ihm gelten. Denn er ist es, mit dem die Bundesregierung, alle Altparteien, nahezu alle Politiker und sämtliche Profiteure die Energiewende (genauer: die Stromerzeugungswende) begründen. Statt diese Ursache der Energiewende aufs Korn zu nehmen, kapriziert sie sich nur auf das Bejammern der Folge, nämlich der Stromverteuerung. Um die Ursache schleicht sie herum wie die Katze um den heißen Brei. Mit Klimaschutz ist auch immer nur der Schutz vor einer Erwärmung der Erde gemeint, nicht ein Schutz vor ihrer Abkühlung. Aber Klima lässt sich nicht schützen. Dem stehen die Naturkräfte und Naturgegebenheiten entgegen. Klima ist deren Werk. Klimawandel hat in der Erdgeschichte stets stattgefunden.

Daran ändern auch 36 Nobelpreisträger nichts, wenn sie in einer Deklaration fordern, es seien „rasche Fortschritte bei der Senkung aktueller und zukünftiger Treibhausgasemissionen zu erzielen, um die wesentlichen Risiken des Klimawandels zu minimieren“. Zwar sei das Ausmaß des Klimawandels ungewiss, doch die Ergebnisse des Weltklimarates IPCC seien seriös und alarmierend genug, um schnell zu handeln („FAZ“ vom 4. Juli, Seite 1). Doch an dieser Seriosität mangelt es: Dass steigender CO2-Gehalt in der Erdatmosphäre die Erde aufheize, ist – wie in Beiträgen auf dieser Seite und woanders mehrfach belegt – eine Mär. Aber sie wird geglaubt – wie Menschen immer bereit sind, zu glauben, wenn es ihnen an Kenntnissen und Wissen fehlt, und Betrügern auf den Leim zu gehen. Der Physiker und emeritierte Professor Horst Joachim Lüdecke urteilte am 17. Juni so: „Je abartiger der Unsinn, umso größer ist seine politische Wirkung. Dieses Phänomen fehlgeleiteten menschlichen Verstandes ist Religionspropheten, Psychologen und Soziologen bestens bekannt.“

Lüdecke schrieb am 18. Juni auch dies: „Beträchtliche Klimaschwankungen sind stete Begleiter der Erdgeschichte. Seit Beginn der Industrialisierung bis 1998 ist es um weniger als ein Grad Celsius wärmer geworden, und seit 1998 stagniert die Erdtemperatur. Ein Zusammenhang (Korrelation) mit angestiegenem CO2 ist nicht festzustellen. Kein Klimamodell hat die bisherige Stagnation vorhergesagt, stattdessen werden ständig neue Erwärmungen vorhergesagt. Ob menschengemachtes CO2 überhaupt einen Klimaeinfluss ausübt, konnte bis heute wissenschaftlich nicht belegt werden.“

Lüdeckes Fazit lautet: „Die Klimaschutzbewegung widerspricht den naturwissenschaftlichen Fakten. Von wissenschaftlichem Konsens über eine angebliche Klimagefährlichkeit des anthropogenen CO2 kann keine Rede sein. Bevor nicht ein sachfundierter Nachweis über den Einfluss des anthropogenen CO2 auf Klimaparameter erbracht werden kann, gebietet alle Vernunft, die kostspieligen CO2-Vermeidungsmaßnahmen einzustellen. Die militanten Vertreter von Klimaschutzmaßnahmen streben eine planwirtschaftlich-totalitäre Politik an, wie beispielsweise eine ‚große Transformation‘. Seine politischen Bestrebungen, Agenden und Auswirkungen verweisen ‚Klimaschutz‘ in die Reihe gefährlicher totalitärer Ideologien.“

Der dänische Politikwissenschaftler und Statistiker Bjørn Lomborg schrieb in der „FAZ“ vom 8. Mai 2015 (Seite 18) unter anderem: „Deutschland ist ein gutes Beispiel für eine gescheiterte Klimapolitik. Die Energiewende hat sich als unglaublich kostspielig und unwirksam erwiesen. Dieses Jahr erreichen die Subventionen für erneuerbare Energien in Deutschland sagenhafte 21,8 Milliarden Euro oder 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Allein für Solaranlagen hat Deutschland insgesamt Förderzusagen von mehr als 100 Milliarden Euro gemacht. Das hat zum schwindelerregenden Anstieg der deutschen Strompreise geführt. Den Daten der OECD und der Internationalen Energieagentur zufolge sind die Strompreise für deutsche Haushalte zwischen 2000 und 2013 inflationsbereinigt um 80 Prozent gestiegen. Makroökonomische Modelle weisen zudem darauf hin, dass der wirtschaftliche Verlust durch Erneuerbare wesentlich größer sein könnte als einfach nur deren Mehrkosten, da erhöhte Produktionskosten alle anderen Branchen schwächen und das Wachstum drosseln. Der Durchschnitt aller großen Modelle deutet darauf hin, dass die derzeitige Klimapolitik Deutschland bis 2020 jährlich 43 Milliarden Euro kostet.“

Lomborg gehört nicht zu jenen, die einen Zusammenhang zwischen CO2-Zunahme und Erderwärmungsthese rundheraus ablehnen. Zumindest unterstellt er bei seinen Überlegungen zunächst, es gäbe ihn. Damit gelingt es ihm, sich der Streiterei um diesen Zusammenhang zu entziehen. Er beschränkt sich also darauf, die Wirkungslosigkeit der CO2-Verringerung und damit der vermeintlichen Klimaschutzpolitik darzustellen und deren überaus teure und sinnlose Folgen auszumalen. Unabhängig also davon, ob es die CO2-verursachte Erwärmung gibt oder nicht: Die Menschen zu zwingen, für nachweislich Sinnloses Geld auszugeben, ist verantwortungslos. Oder um es noch deutlicher und zugespitzt zu formulieren: Es ist ein politisches Verbrechen. Als Beleg sei Lomborg nochmals zitiert:

„Für all diese Milliarden erreicht Deutschland sehr wenig Nutzen für das Klima. Sämtliche Anstrengungen, die Deutschland zur Förderung der erneuerbaren Energien unternimmt, werden geschätzt zu einer Senkung der Emissionen um jährlich 148 Megatonnen führen. Im Standard-Klimamodell führt die gesamte Förderung der nächsten 20 Jahre zu einer Reduktion um gerade einmal 0,001 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts oder einer Hinauszögerung des Temperaturanstiegs bis zum Jahr 2100 um weniger als 18 Tage. Es sollte kaum verwundern, dass eine derart teure Klimapolitik, die so wenig Auswirkung auf das Klima hat, für die restliche Welt kaum nachvollziehbar ist.“

Anders zwar als Lüdecke schreibt Lomborg: „Die Erderwärmung ist Realität, und sie ist ein Problem.“ Aber gleichwohl kommt er mit seinen Erkenntnissen zu diesem realistischen Ergebnis: „Die derzeitige Klimapolitik scheitert seit 20 Jahren, und sie wird wahrscheinlich auch weiter scheitern. Wir würden gerne glauben, dass erneuerbare Energien kurz vor dem weltweiten Siegeszug stehen, aber selbst in 25 Jahren werden Solar- und Windenergie nur eine marginale Rolle spielen. Wir würden gerne glauben, dass erneuerbare Energien kurz davor sind, wettbewerbsfähig zu werden. Tatsächlich wird die Rechnung immer größer. 2012 hat die Welt 110 Milliarden Euro für die Förderung erneuerbarer Energien ausgegeben. 2040 werden wir fast das Doppelte bezahlen. Die aktuelle Klimapolitik basiert auf reinem Wunschdenken.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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