03. Juli 2015

Attac Großzügig in der Theorie

Für 1,67 Euro pro Stunde gegen die kapitalistische Ausbeutung

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Bildquelle: shutterstock Fünf Stunden Arbeit bei Attac: Mindestlohn

Großzügig sind sie ja, unsere antikapitalistischen Freunde von Attac. Zumindest in der Theorie: „Soziale Sicherheit“, „Ernährungssouveränität“, „Solidarität“ und „ein gutes Leben für alle“ stehen ganz oben auf ihrer Agenda. Attac versteht sich als „eine internationale Bewegung, die sich für eine demokratische und sozial gerechte Gestaltung der globalen Wirtschaft einsetzt“. Hehre Ziele, könnte man meinen!

Schimpfen tun die dauerempörten Moralapostel von Attac gerne auf den ach so bösen „Raubtierkapitalismus“, auf seine „privatwirtschaftliche Profitlogik“, der zufolge die kaltblütigen Unternehmer ihre Arbeitnehmer zu Hungerlöhnen ausbeuten würden. Unwissenheit und Neidinstinkte der Bürger werden von Attac gekonnt ausgenutzt, um effektive Sozialdemagogie betreiben zu können. Da sind Forderungen nach einem Maximallohn für die Reicheren und einem Mindestlohn von 1000 Euro im Monat für die Ärmeren nur die logische Konsequenz. Dass der ohnehin schon stark verfälschte Preismechanismus, der – im Idealfall – auch auf Arbeitsmärkten die Nützlichkeit einer Tätigkeit und damit die Höhe ihrer Entlohnung festlegt, dadurch noch weiter verzerrt würde und es deshalb zwangsläufig zu noch größeren Fehlallokationen kommen müsste – wen interessiert das schon?

Vielen planwirtschaftlichen Verlustlogikern ist es schlichtweg egal, ob ihr Wirtschaftsprogramm zu mehr oder zu weniger Reichtum führen würde, vielmehr geht es ihnen um die Nivellierung desselben. Ludwig von Mises schrieb sinngemäß, dass es politische Kräfte gebe, denen gleich verteilte Armut lieber sei als ungleich verteilter Reichtum, da materielle Armut leichter zu ertragen sei, wenn es niemandem besser gehe. Würde Ludwig von Mises heute noch leben, so ist anzunehmen, dass er Organisationen wie Attac Armutsegalitarismus attestieren würde. Zum Glück blieb ihm das erspart.

Dass die von Attac angestrebte Nivellierung mit allergrößter Wahrscheinlichkeit eine nach unten wäre, beweist Attac übrigens selbst: In einer aktuellen Stellenausschreibung wird potentiellen Praktikanten für die Mitarbeit an der „TTIP-STOPPEN-Kampagne“ bei einer Arbeitszeit von 25 bis 30 Stunden pro Woche eine „üppige“ Aufwandsentschädigung von 200 bis 250 Euro im Monat versprochen. Das entspricht einem Stundenlohn zwischen 1,67 Euro und 2,50 Euro. Um auf den von Attac angestrebten Mindestlohn von monatlich 1000 Euro zu kommen, müsste man also bei der von Attac angebotenen Entlohnung 100 bis 150 Stunden pro Woche arbeiten: Ist das das von Attac angestrebte „gute Leben für alle“? Und wer ist hier der wahre Ausbeuter? 

Aber klar, gepredigte Großzügigkeit ist nun mal nicht so einfach in die Praxis umzusetzen – schon gar nicht, wenn sie das eigene Portemonnaie tangiert. Vom Vorwurf der Doppelmoral und Scheinheiligkeit befreit dies die theoretisch großzügigen Damen und Herren von Attac jedoch nicht: Es ist grundsätzlich ja völlig in Ordnung, Praktikanten nur bescheiden oder gar nicht zu entlohnen – so will es die Vertragsfreiheit. Aber wer ständig mit dem Finger auf die bösen Unternehmer zeigt und sie der Ausbeutung bezichtigt, würde der eigenen Glaubwürdigkeit dienen, wenn er mit gutem Beispiel vorangehen und seine eigenen Mitarbeiter höher entlohnen würde, als es etwa die verhassten Kapitalisten tun. Diese mögen zwar in der Theorie geiziger sein, sind in der Praxis jedoch großzügiger. Und darauf kommt es letztlich an.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freitum.


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