29. Juni 2015

Petition gegen Bundesjugendspiele Weg mit dem Wettkampf

Die fehlende Demut einer Helikoptermutter

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Bildquelle: shutterstock Dorn im Auge: Jugendlicher Ehrgeiz

Gewinnen und Verlieren sind Teil des Lebens. Einen Gefallen tut man Kindern daher nicht, wenn man sie möglichst lange vor den Höhen und Tiefen des Lebens zu bewahren versucht. Eine alleinerziehende Mutter aus Konstanz scheint jedoch zu glauben, dass genau dies das Beste für ihren Nachwuchs ist. Die für das linkslastige Junge Forum Konstanz im Stadtparlament sitzende Christine Finke hat eine Online-Petition gestartet, um die Bundesjugendspiele abzuschaffen. Anlass war die herbe Enttäuschung ihres offenbar mit dem Sport auf Kriegsfuß stehenden Sohnes über den Erhalt lediglich einer Teilnehmerurkunde. Dazu muss man wissen, dass es für ein halbwegs gesundes Kind schon eines ausgeprägten Mangels an Ehrgeiz bedarf, um beim Schulwettkampf im Werfen, Laufen und Springen nicht wenigstens eine Siegerurkunde zu ergattern. Doch die dreifache Mutter mit eigenem Blog macht keinen Hehl daraus, dass ihr jedes Leistungsdenken ein echter Dorn im Auge ist. Der „starke Wettkampfcharakter“ sorge bei vielen Schülern für das Gefühl, „vor der Peergroup gedemütigt zu werden“, begründet sie ihre Petition, die schon mehr als 17.000 Unterstützer(innen) gefunden hat.

Der Sturm, der sich am Bodensee zusammengebraut hat, sorgt inzwischen für bundesweiten Wirbel. Ist es wirklich nicht mehr zeitgemäß, Schüler dem sportlichen Wettstreit auszusetzen, wie die selbsterklärte Twitter-Süchtige behauptet? Oder arbeitet sie sich etwa auf Kosten ihrer Kinder nur an eigenem Erlebten ab, weil sie selbst die Wettkämpfe „jedes Jahr aufs Neue gehasst“ hat, wie sie zugibt? Ich bin der festen Überzeugung, dass es für Heranwachsende keine bessere Schule für das Leben gibt als den sportlichen Wettkampf. Eine Mutter, die diesen abschaffen will, nimmt ihren Kindern die Chance, wichtige Erfahrungen zu sammeln und mit den unvermeidlichen Niederlagen des Lebens umgehen zu lernen. Sie verhindert, dass ihre Kinder elementare soziale Kompetenzen erwerben können. Vor allem aber stiehlt sie ihnen eines der größten Geschenke, die das Leben bereithält: Sie raubt ihnen die Fähigkeit, die süßen Früchte eigener Anstrengungen schmecken und genießen zu können. Denn wer die Tiefen nicht kennt, lernt auch die Höhen niemals so recht zu schätzen. Der öffentliche Vorstoß der linken Kommunalpolitikerin ist das traurige Eingeständnis des Scheiterns einer Mutter. Er steht aber auch sinnbildlich für die linke Ideologie.

Respekt, Demut und Anerkennung fremder Leistungen sind Fähigkeiten, die junge Menschen im Wettkampf mit anderen erlernen. Und es sind genau jene Eigenschaften, die dem linken Lager abgehen. Dabei verwundert es nicht, dass sich bereits viele Tausend Mitstreiter der Petition angeschlossen haben. Zu sehr ist heute leistungsfeindliches Denken in unserer Gesellschaft verankert. Es ist ja auch viel einfacher, den Wettbewerb abzuschaffen, als sich anzustrengen. Und in Zeiten ausufernder Umverteilung tut die Politik alles dafür, dem menschlichen Hang zur Trägheit nachzugeben. Der Länderfinanzausgleich ist dabei im Großen, was die auskömmliche Versorgung unterschiedlichster „Bedürftiger“ im Kleinen ist. Und immer gilt: Wer mehr leistet als andere, wird bestraft. Und wer vorgibt, „schwach“ zu sein, wird „solidarisch“ aufgefangen, ohne fürchten zu müssen, nach eigenen Anstrengungen gefragt zu werden. Die Stadträtin aus Konstanz profitiert seit vielen Jahren von der Solidargemeinschaft. Doch Geld ist nicht alles. Ihre Kinder sollen es einmal besser haben als sie: Die Aufgabe jeglichen Leistungsanspruchs ist da nur schlüssig. Kampflos werden wir den Linken das Feld aber nicht überlassen. Für uns gab es nämlich damals Siegerurkunden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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