15. Juni 2015

ef 154 Editorial

Tatorte und Sockenpuppen

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Bildquelle: shutterstock Gut getarnte politische Botschaften: Sockenpuppenpropaganda

Als „Sockenpuppe“ wird in der Internetkultur eine unter falscher Identität versteckt auftretende Person bezeichnet. Die modernen Unterhaltungsmedien transportieren auch oft gut getarnte politische Botschaften – Sockenpuppenpropaganda.

Es ist gerade fünf Jahre her, da beschrieb Klaus Rainer Röhl in ef 101 den ARD-Tatort als „Schulfunk für Erwachsene“. Diese Bezeichnung trifft es noch heute – nur die Inhalte haben sich mit den neuen politisch korrekten Anliegen verändert. Röhl meinte damals, der sonntägliche Fernsehkrimi solle „die Zuschauer erziehen – gegen die verdammten Vorurteile, Männerfreuden, Frauenunterdrückung, Kegelklubs, Schützenfeste, Feuerwehrbälle, ländliche Idyllen, heile Welten. Der Mörder ist keineswegs mehr der Gärtner, die eifersüchtige Ehefrau oder Tochter, der albanische Menschenschmuggler oder der ukrainische Zuhälter. Nein, hinter allem steht eine Baufirma oder eine Investment-Gesellschaft, die Profite machen will! Man kann sicher sein: Der Reiche ist der Mörder.“

Vor einem halben Jahrzehnt noch hatte der Tatort vor allem einen antikapitalistischen Erziehungsauftrag. Heute steckt fast immer (auch) die Sockenpuppe Genderideologie dahinter. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich das erste Ermittler-Pärchen als schwul outet – noch wurde das in Leipzig und Münster nur angedeutet. Die weiblichen Kommissare sind stets entweder kinderlos oder alleinerziehend. In jeder Folge muss Mutti von der Kripo mindestens zweimal das weinende kleine Kind alleine zurücklassen, der Dienst ruft. Und das Drehbuch sagt getreu der zu vermittelnden Ideologie: Karriere vor Kind!

Kein Tatort mehr ohne homosexuelle Liebschaft – nur der Mörder ist immer der (und selten die) „Hetero“. Die wiederkehrende „beste Freundin“ des neuen Frankfurter Kommissars ist eine auch im wirklichen Leben Transsexuelle. Was der Zuschauer mangels Masse und Relevanz kaum je persönlich kennenlernt – im Tatort ist es längst normal. Man darf gespannt sein, was da noch kommt. Schon vor fünf Jahren resümierte Klaus Rainer Röhl: „Die Tendenz wird so dick aufgetragen, dass es eigentlich frech ist.“

Und das ist der beruhigende Befund auch manches Artikels zum Themen-Schwerpunkt dieser Ausgabe: Nicht immer erreichen die Propagandisten ihr Ziel. Auch in den wilden Kommentarspalten des Internets wird der Angriff mittels Sockenpuppe sehr schnell peinlich und geht dann am Ende nach hinten los.

Zwei, drei Worte noch zur AfD. Kein Tag ohne Neuigkeiten aus dem parteiinternen Intrigantenstadl. In der Druckausgabe würden wir da zwangsläufig hinterherhinken – auf unserer tagesaktuellen Internetseite ef-magazin.de ist die Partei ein viel beleuchtetes Dauerthema. Lucke und Petry haben bald jeden Kredit verspielt. Nicht trotz, sondern eher weil beide die „Mitte der Partei“ repräsentieren möchten, die sich immer aus den Karrieristen speist. Diese haben nun allerdings mit blindem Egoismus die junge Partei an den Rand des Abgrunds geführt. Jetzt spüren sogar die Pöstchenjäger an der Basis, dass es so nicht weitergehen kann und um des Erfolges willen jene lieber die Führung übernehmen sollten, denen es um Inhalte geht. Nicht das liberal-konservative Karrierezentrum ist jetzt gefragt, sondern eher die libertär-reaktionären Flügel. Weil sie authentisch sind. Und weil sie sich selbst zugunsten der Anliegen zurücknehmen können.

Bernd Lucke und Frauke Petry haben beide versagt, sie sollten abtreten. Der neu zu wählende Bundesvorstand muss jetzt möglichst breit aufgestellt werden – deshalb bitte auch wieder aus drei Sprechern bestehend. Wenn ich mir ein Führungs-Trio wünschen darf, wie wäre es damit: Joachim Starbatty als prinzipienfester Liberaler, Björn Höcke als authentischer Nationalkonservativer und Beatrix von Storch, die beide Strömungen als genuin Libertär-Reaktionäre zusammenführt. Sollte es am Ende nur eine einzige Vorsitzende sein, dann gäbe es auch kaum eine geeignetere Kandidatin als die adelige Berliner Abgeordnete aus Straßburg. Nicht dass Parteipolitik irgendetwas ändern könnte.

Nein, diese Illusion hat uns die FDP erfolgreich genommen. Aber eine an die Wurzeln gehende Alternative für Deutschland könnte für eine begrenzte Zeit – bis die Macht zwangsläufig auch sie korrumpiert hat – wichtige Themen und Ideen transportieren. Quasi als Sockenpuppe.

Ich wünsche Ihnen auch mit dieser Ausgabe viel Lesefreude und Erkenntnisgewinn! Empfehlen Sie uns weiter, eigentümlich frei, die nicht versteckt agierende Zeitschrift für freiheitlich-kulturelle Reformation.

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 19. Juni erscheinenden Jul./Aug.-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 154.


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