18. Mai 2015

Klassenkampf im Hörsaal Unheimlicher Hochschulabschluss

Die Verleumdungsfreiheit linker Extremisten

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Bildquelle: shutterstock Gestern noch pöbelnder Extremist: Heute ins Mandat gespült

Die Lust an der Denunziation ist ein Merkmal sozialistischer Grundhaltungen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um den National-Sozialismus oder den Links-Sozialismus handelt. Die beiden Extreme unterscheiden sich höchstens in den Motiven. Der Links-Sozialismus ist vor allem durch einen ausgeprägten Hang zum Neid gekennzeichnet, der sich aus der irrigen Annahme speist, totale Gleichheit führe zu totaler Gerechtigkeit. Dies ist das Hauptargument seiner Verfechter, denen es Vergnügen bereitet, ihr Gegenüber in eine Grundsatzdiskussion zu verwickeln, in der sie stundenlang über die Schädlichkeit des Leistungsgedankens für die Gesellschaft referieren können. Überhaupt scheinen sich Linke als regelrechte Missionare zu verstehen. Ihr ausgeprägtes Sendungsbewusstsein erlaubt ihnen nicht, sich kurz zu fassen. Sichtbar wird dies regelmäßig dort, wo man im Internet oder in den Kommentarspalten der Zeitungen auf ihre Meinungsbeiträge trifft. Doch mit schlichtem Gerechtigkeits-Mantra geben sie sich längst nicht mehr zufrieden. Was sich aktuell an der Berliner Humboldt-Universität abspielt, hat eine ganz neue, erschreckende Qualität. Hier geht es nicht mehr um den Kampf der Trotzkisten – eine Handvoll Soziologiestudenten führt vielmehr einen Vernichtungsfeldzug.

Anlass sind die Vorlesungen ihnen nicht genehmer Professoren. Der jetzt bekanntgewordene Fall ist dabei keinesfalls der erste, doch nimmt die Hochschule diesmal eine unrühmliche Rolle ein. Zwar preist sie den aus dem Hinterhalt attackierten Dozenten Herfried Münkler zu Recht als einen der „herausragenden Professoren“ der Universität, der zu den „renommiertesten Politikwissenschaftlern Deutschlands“ zähle, doch vermeidet sie, sich wie in einem ähnlichen Fall im vergangenen Jahr scharf von den ehrabschneidenden Aktivitäten der „Stasi-Studenten“ zu distanzieren. Stattdessen lädt sie die feigen Heckenschützen gar zum „wissenschaftlichen Dialog“ ein – und man fragt sich, wie viel Naivität dazugehört, zu glauben, die Schmierfinken seien daran interessiert. Viel lieber nutzen die Klassenkämpfer einen eigens eingerichteten Blog, um aus der Anonymität des Netzes heraus absurde Behauptungen aufzustellen, krude Ableitungen zu führen und erschreckende Denkmuster zu offenbaren. Wäre dies alles nicht so traurig, müsste man lachen über die zur Schau gestellte Begrenztheit. Ganz offen bekennen die Blogger nämlich, dass sie es vor allem deshalb auf Professor Münkler abgesehen haben, weil er ihnen „rhetorisch überlegen“ sei und im Hörsaal „uneingeschränktes Rederecht“ genieße.

Doch damit nicht genug: Münkler werden rassistische Äußerungen unterstellt, die allerdings keiner der übrigen Studenten zu bestätigen vermag und auch der Gescholtene von sich weist. Er sei frauenfeindlich, weil er jedwedes Gendering vermeide, und bediene sich einer Sprache, die den hohen Maßstäben politischer Korrektheit nicht gerecht werde. Mit zahlreichen aus dem Zusammenhang gerissenen Beispielen und etlichen falschen Zitaten gelingt es dem Mob dabei offenkundig, eine größere Gruppe gegen den Professor aufzubringen. Grotesk ist das Treiben ohnehin, vollends absurd wird es dort, wo Münkler unterstellt wird, eine unzureichende Auswahl von Theoretikern zu treffen, anhand derer er seinen Vorlesungszyklus gestaltet. Er vernachlässige afrikanische Autoren ebenso wie den großen Mao. Man kann sich allerdings des Eindrucks nicht erwehren, dass die Klassenkämpfer schon mit der jetzigen Zusammenstellung politischer Denker intellektuell überfordert sind. Die Vorstellung, dass diese Menschen einen Hochschulabschluss erwerben werden, ist irgendwie unheimlich. Einige von ihnen werden wir auf der politischen Bühne erleben. Sie werden in Mandate gespült und unser Land mitregieren. Es ist ein schwacher Trost, dass sie dann immerhin nicht mehr anonym agieren können.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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