12. Mai 2015

Demokratie und Sucht Wie weit scheißt ein Schwein?

Gegen die selbstverschuldete Unmündigkeit anzukämpfen ist schwerer, als mit dem Saufen aufzuhören

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Bildquelle: shutterstock Ein Kreuz zu viel gemacht: Aber die Hoffnung stirbt zuletzt

Es war wohl wieder irgendwo Wahl oder es wird Wahl sein. Mein entsprechender Artikel zu diesem Thema (Kurt Kowalsky: „Durch den Parlamentarismus zur Freiheit?“) ist 18 Seiten lang. Für Eintagsfliegen eine Aufgabe, die nur in Generationen zu bewältigen wäre.

By the way analysieren immer noch welche in meiner Umgebung, warum die FDP in Sachen „Freiheit“ so versagt hatte. Das Strohfeuer der PDV ist auch erloschen. Doch schon naht ein neuer Ritter auf stolzem Ross und wedelt mit freiheitlichen Sprüchen durch den Sumpf der virtuellen Inzucht.

Ich kenne die Ursachen von Demenz nicht. Alkohol kann es nicht sein. Denn ich habe in „guten Zeiten“ täglich eine Flasche Whisky gesoffen und kann mich heute noch genau an die entsprechenden selbstverschuldeten Abgründe erinnern.

Gegen die selbstverschuldete Unmündigkeit anzukämpfen ist dann wohl auch schwerer, als mit dem Saufen aufzuhören. Denn einige meiner Freunde und Bekannten haben ja noch gar nie richtig gesoffen, die würde man bei den Anonymen Alkoholikern abweisen.

Ach so, vielleicht drängt es sie deshalb in die Nähe dieser politischen Lumpen, die – oh Wunder der parlamentarischen Logik – vereinzelt genau das verkünden, was man selbst schon immer gedacht hatte.

Nein, ich möchte nicht, dass jemand meine diesbezügliche Analyse liest. Ich kann sogar verstehen, dass man irgendetwas tun möchte – anstatt zu lesen. Hält man ja beim Bowling ebenfalls die Luft an, rollt die Kugel in Richtung der Pins. Dazu macht man mit dem Oberkörper noch ein paar mystische Verrenkungen, und schon fragt – ist man der Letzte im Turnier – kein Schwein danach, wie man das gemacht hat.

Unsinnige Aktionen sind also menschlich. Die Kriegstreiber, Sklaventreiber, Geldentwerter, Schuldenmacher und Schiffchenversenker freuen sich, wenn die Plebs unsinnige Verrenkungen macht, die Luft anhält und inständig hofft, auch mal zu den Gewinnern zu gehören.

Das ist nicht ausgeschlossen. Auch ein Pathologe verdient sein Geld mit und durch krankhafte und abnorme Zustände im menschlichen Organismus. Der Demokratismus erzeugt diese krankhaften und abnormen Zustände in der Gesellschaft und kultiviert sie. Und warum sollte sich nicht auch dieses Kulturschaffen versilbern lassen?

Es gibt ja ein paar (ehemalige Säufer?) in meinem Bekanntenkreis, die in diesem Zusammenhang stets von Widersprüchen reden. Widersprüche? Das ist ja noch ekelhafter als 18 Seiten Text bei eingeschaltetem Gehirn zu lesen. Wer kümmert sich denn um Widersprüche?

Es kann doch jeder selbst mal – nur so aus Spaß – bei seiner Nachbarin klingeln: „Entschuldigen Sie die Störung, gnädige Frau. Aber Sie beziehen als Russlanddeutsche Rente. Es ist wohl nicht arg viel, doch ihr Rentenbezug steht im Widerspruch zu meiner Selbstbestimmung.“

Zugegeben, das war jetzt ein schlechtes Beispiel. Warum sollte man gerade bei dieser armen Frau anfangen? Ja, man kann auch dem Mathematiklehrer der jüngsten Tochter beim Elternabend sagen, dass er sein Geld gefälligst durch frei bekundete Präferenz zu verdienen habe, anstatt hier so gescheit zu tun.

Wollen wir nicht?! Auch gut. Man will aber wohl der Sozialrentnerin und dem Herrn Oberstudienrat klammheimlich, quasi subkutan, über den Umweg der parlamentarischen Überzeugungsarbeit (ich würde sagen: durch sinnloses Gelaber) genau das unterjubeln, was man sich offline nicht zu sagen getraut.

Nun ist aber so eine Wahl geheim. Nur die Lügen sind öffentlich. Weniger Staat, weniger Steuern, weniger Schulpflicht, weniger Versicherungspflicht – mehr Freiheit – ist genau das Gebräu, das nicht nur für verbeamtete Mathematiklehrer, sondern auch für die Sozialrentnerin unverdaulich erscheint. Und da Letztere dies vielleicht nicht checkt, werden sich Millionen Mathematiklehrer (und solche, die auch nur einen Taschenrechner besitzen) aufraffen, für diese eine Rentnerin zu kämpfen.

Dämmert‘s? Man kann nicht Leute davon überzeugen, gegen ihre eigenen Interessen zu handeln, beziehungsweise hoffen, dass sie diese Dissonanz nicht bemerken.

Bereits die damaligen 15 Prozent, die sich der Pockennarbige auf die Schuhsohle hat nageln lassen, waren nicht für die Freiheit im Sinne von Individualität und friedlicher Kooperation. Es waren Kreuzchen, die Hinz und Kunz mal für die FDP gegeben haben und sonst nichts.

Nur irgendwelche libertären Aktivisten, Träumer und Nicht-Leser (zum Beispiel des Parteiprogramms dieser FDP) konnten hoffen, dass Herr Westerwelle etwas anderes täte, als der Frau Bundeskanzlerin den Bären zu lecken, während er es von Herrn Seehofer von hinten besorgt bekam. (Immer schön politisch bleiben und keinen Schweinkram denken.)

Ich kann also verstehen, dass man sich scheut, meine diesbezügliche Analyse zu lesen. Ich kann nicht verstehen, warum man dieses ganze damalige Affentheater bereits vergessen hat und glaubt, es hätte etwas mit der persönlichen Integrität dieser damaligen Führungspersönlichkeiten zu tun.

Jetzt, so hofft man, kämen endlich einmal Leute in den politischen Schweinestall, die ihr Wort halten würden. Wie weit scheißt eigentlich ein Schwein? Und scheißt es weiter, wenn es weiter scheißen will?

Die Hoffnung stirbt zuletzt – aber sie stirbt. In der pathologisch deformierten Gesellschaft, die der Demokratismus hervorgebracht hat, werden die kranken Hoffnungen offenbar alle vier Jahre reanimiert und leben dann als Untote weiter. Und während die EU den Faschismus 2.0 aufbaut (man wird ihn als Antifaschismus deklarieren), geistern die Untoten durch die sozialen Netzwerke und reden von Staats- und Bürokratieabbau. Als wäre in den letzten 70 Jahren noch niemand auf diese Idee gekommen.

Frau Merkel bestritt damit mal einen ganzen Wahlkampf. Und ist das morgen wieder irgendwie opportun, werden diese ganzen schwarzen und roten Gewaltverbrecher selbstverständlich diesen Staats- und Bürokratieabbau fordern.

Der Demokratismus kann die ethisch defekte Form des Zusammenlebens in dem Maße kultivieren, in dem es ihm gelingt, die Subjekte in seine Gewaltherrschaft mit einzubeziehen, sie zum Teil des Systems zu machen. Jede politische Forderung nährt diese Kultur des Wettbewerbs der Gauner.

Alkoholiker, so sagt man, schlössen beide Augen und glaubten sodann, dass sie niemand mehr sähe. Wie ich erfahren muss, braucht man überhaupt keinen Alkohol, um sich jedweder Logik zu entziehen und irgendwelchem stumpfsinnigem Aktionismus zu frönen. (Aber bitte, bitte, nicht persönlich nehmen und nicht meinen Artikel lesen.)

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


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