08. Mai 2015

Kriegsende bei Anne Will Tag der Befreiung und Neuversklavung

Wie ist das mit den ungefähr eine Million vertriebenen Deutschen vor Satan?

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Bildquelle: shutterstock Wer schreibt die bessere Satire?: Deutscher Journalist in seiner natürlichen Umgebung

Es ist wahrlich lästig, sich zu wiederholen, doch an Stelle von Frau Steinbach hätte ich gestern in der Gesprächsschau von Frau Will gesagt: Der 8. Mai 1945 war für viele ein Tag der Befreiung, für andere ein Tag des Zusammenbruchs, für wieder andere ein Tag der Neuversklavung, wobei es sich bei allen Gruppen jeweils um Millionen von Menschen handelte, weshalb es sich verbieten sollte, in oder gegen deren Namen zu sprechen. Wer dieses Datum in seiner Ambivalenz nicht erträgt, wer es sturheil ausschließlich als „Tag der Befreiung“ feiern will, weil der eine, der verbündete Massenmörder, gewonnen hatte und halb Europa unterjochen durfte, während der andere wohlverdient zur Hölle fuhr, der soll dies gemeinsam mit den Lemuren der Stalinistenverharmloserpartei der ebenfalls anwesenden (und übrigens durchaus appetitlich anzuschauenden) Frau Kipping tun, von einem Zivilisierten darf man dergleichen aber nicht verlangen. 

Und der offenbar ahnungslose Redakteur von Spiegel online, der an das Ende seines Artikels über die Sendung die „Erkenntnis“ stellte, „dass das am Kriegsende beklagte Leid schon an jenem Tag seinen Anfang genommen hatte, als Hitler an die Macht geholfen wurde“, sollte doch mal erklären, wie das mit den ungefähr eine Million vertriebenen Deutschen vor Satan und dem Ausbruch von Weltkrieg Zwo gewesen ist, vertrieben vor allem aus dem sogenannten polnischen, jedenfalls polonisierten Korridor, den der sogenannte Versailler Vertrag, der Anfang vor dem Anfang, ins Fleisch des Reiches geschlagen hatte. Dass die Sendung wiederum unter dem Motto stand „70 Jahre nach der Befreiung – müssen wir Russland heute noch dankbar sein?“, hat mit der Satireüberbietungsneigung hiesiger Medienschaffender zu tun und sollte, weil‘s längst egal ist, allenfalls diskret begrinst werden. Ich bin Russland insofern dankbar, als eine dermaßen würdelose Frage im russischen Fernsehen heute von niemandem ernsthaft diskutiert würde.   

Dieser Artikel erschien zuerst auf Acta diurna.


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