08. April 2015

Neger in Mainz Standhafter Enkel

Über eine grüne Kampagne

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Den wortgewaltigen Keulenschwingern der Anti-Rassismus-Front ist nichts heilig. Sie stürzen sich auf jeden, den sie rassistischer Gesinnungen verdächtigen. Dabei spielt es keine Rolle, ob nach objektiven Maßstäben tatsächlich Rassismus vorliegt – es reicht die bloße Unterstellung der latenten Gefahr. Die Richter im Namen des Guten haben nichts zu befürchten, trägt sie der Jubel des Zeitgeistes doch über die niederen Sphären von Anstand, Moral und Gesetz hinweg. So fest schwingen sie ihre Keulen, dass ihre Opfer sich bitte nie wieder regen mögen. Einer ihrer aktivsten Vertreter, David Häußer, darf sich heute über den „Klodeckel“ freuen. In Mainz haben er und seine eifrigen Mitstreiter es aktuell auf einen altehrwürdigen Handwerksbetrieb abgesehen, der 1909 gegründet wurde und heute unter dem Namen „Ernst Neger Bedachungen GmbH“ bekannt ist. Seit den 1950er Jahren ziert ihn ein zum Namen passendes Firmenlogo, das einen Dunkelhäutigen so zeigt, wie man ihn von naturverbundenen Stämmen in weiten Teilen Afrikas kennt: Mit Kreolen, Tellerlippen und Bastrock. Man kann das Logo mögen oder auch nicht, doch darf man eines getrost feststellen: Sein Erfinder, das 1989 verstorbene Mainzer Fastnachts-Urgestein Ernst Neger, ist sicher über jeden Verdacht erhaben, ein Rassist zu sein.

Neger wollte die durch seine Karnevalsauftritte erlangte Bekanntheit für einen einprägsamen Firmenauftritt nutzen und schuf das Logo des „singenden Dachdeckermeisters“ in Form eines Dunkelhäutigen, der heiter den Hammer schwingt. Er bildete dabei die Realität der Zeit ab. Wer dort mehr hineininterpretiert als das, was es ist, will offenbar Böses. Und bis heute haben sich drei Generationen am Firmenlogo auch nicht gestört. Doch so, wie die Political Correctness dem Negerkuss den Garaus gemacht hat und sich seit Jahren am Zigeunerschnitzel austobt, so, wie sie Kinderbücher zensiert und bereits überlegt, historische Romane umzuschreiben, so möchte sie auch das Logo der Firma Ernst Neger vernichten. Da ist es unerheblich, ob sich je ein vermeintlich Betroffener gerührt und seiner gefühlten Diskriminierung Ausdruck verliehen hat. Die Sprach- und Denkpolizei weiß, was gut für uns ist. Glücklicherweise zeigt sich Ernst Negers Enkel Thomas standhaft. Der aktuelle Firmeninhaber denkt nicht im Traum daran, sich den Moralaposteln zu beugen. Warum auch? Der Auftritt seiner Gegner gibt ihm Recht. Die Beleidigungen und Drohungen, mit denen die selbsterklärten Guten ihre Ideologie durchzusetzen versuchen, spricht für sich – und vor allem gegen sie. Da definiert sich Gut und Böse völlig neu.

Es ist das Grundübel der Diskriminierungs-Alarmisten, dass sie die Welt nicht so begreifen, wie sie ist. Totale Gleichheit ist ihre Utopie, was so lange ehrenwert ist, wie es um gleiche Rechte und Pflichten, vor allem aber um gleiche Chancen geht. Doch das ist nicht das Anliegen der Gutmenschen. Sie träumen vielmehr von einer egalitären Gesellschaft, die erst durch einen uniformen Auftritt und gleichförmiges Denken alle Unterschiede überwindet. Die Geschichte hat uns gelehrt, wie Versuche enden, derartige Gesellschaftssysteme zu errichten. Doch zurück zur aktuellen Hetzkampagne gegen Neger, die noch einen ganz anderen Beigeschmack hat: Ihr Urheber entstammt dem links-grünen Milieu und lieferte den Grünen im Mainzer Landtag eine willkommene Steilvorlage, die diese dankbar aufgriffen. In Rheinland-Pfalz wird in einem Jahr ein neuer Landtag gewählt, und Thomas Neger sitzt für die CDU im Mainzer Stadtparlament. Der stellvertretende Pressesprecher der Grünen-Landtagsfraktion schwärzte ihn eilig bei Facebook an, das Negers dortiges Firmenlogo umgehend löschte. Denunziation ist die Waffe derer, denen die Argumente fehlen. Die Grünen verlassen sich darauf, dass man ihnen dies immer wieder nachsieht. Wenn sie sich da mal nicht täuschen…

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.

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