25. März 2015

Deutschlands Energiewende Die Angst vor der Sonnenfinsternis kehrte zurück

Wenigstens eine absurde Folge wurde abgewendet

Dossierbild

Wenn uns ein bloßes Naturschauspiel mit einem Stromausfall bedroht, dann zeigt sich auch daran, wie verhängnisvoll die deutsche „Energiewende“ ist.

Wenn sich ein Blick verfinstert, muss man Ungutes ahnen. Wenn sich die Sonne verfinstert, ist es nur ein Naturereignis, aber ein seltenes und schönes. Die jüngste Sonnenverfinsterung haben wir am vergangenen Freitag (20. März) erlebt, als sich der Mond zwischen Sonne und Erde schob. Doch vor dieser Sonnenfinsternis hatten die Stromnetzbetreiber bei uns in Deutschland schon im September 2014 gewarnt und Angst vor einem Stromausfall geäußert. Merkwürdig? An sich ja, denn so selten so ein Ereignis eintritt, so wissen wir aber doch, dass es schon verschiedentlich vorgekommen ist, ohne dass unser Stromnetz auch nur im Geringsten gefährdet gewesen wäre. Diese Gefahr ergibt sich erst jetzt, seitdem Deutschland glaubt, Strom auch aus Sonnenschein (mittels Photovoltaik) machen zu müssen. Denn wenn die Sonne weg ist, ist auch der Sonnenstrom weg. Eine tolle Errungenschaft, dieser Sonnenstrom.

Die Stromnetzbetreiber haben schon früh gewarnt

Ein Rückblick auf die besagte Angstnachricht vom September 2014. Da lasen wir: „Die deutschen Stromnetzbetreiber sehen besorgt dem 20. März 2015 entgegen. Dann wird am Himmel über Deutschland wieder eine Sonnenfinsternis zu erleben sein. Sollten während der teilweisen Verfinsterung der Sonne keine Wolken am Himmel sein, würden die Solaranlagen im ganzen Land binnen weniger Minuten drastisch weniger Strom einspeisen. Dadurch würden die Netze gefährlich instabil. Bei einer installierten Leistung von mittlerweile fast 40 Gigawatt könnte ein abrupter Leistungsverlust für die Zentralen, die die Stromnetze steuern, nur schwer auszubalancieren sein. Die Stromnetzbetreiber erwägen deshalb, am Tag der Sonnenfinsternis große Solaranlagen gar nicht ans Netz zu nehmen.“ („FAZ“ vom 8. September 2014, Seite 22.)

Vorsorglich Urlaubssperren verhängt, Leitstellen doppelt besetzt

Daran erinnert wurden wir dann natürlich jetzt im neuen Jahr: „Im März verdunkelt der Mond die Sonne. Solaranlagen werden sich abschalten, die Strombranche bangt um die Versorgung. Damit es so weit nicht kommt bei der nächsten Sonnenfinsternis am 20. März, beraten europaweit Netzbetreiber über die Versorgungssicherheit. In den nächsten Tagen will ihr europäischer Verband, Entso-E, einen Maßnahmenkatalog vorlegen. ‚Wenn es überall wolkenlos wäre und man dann sieht, um wie viel und wie schnell sich die Photovoltaik-Stromerzeugung verringern und später wieder ansteigen könnte, da schluckt man schon ein bisschen’, sagt Geschäftsführer Konstantin Staschus. Aber man habe sich vorbereitet: ‚Es sollte dann alles gut laufen.’ In Deutschland klären die Netzbetreiber Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet-BW mit der Bundesnetzagentur die Lage. Und doch macht sich eine gewisse Nervosität breit. ‚Das wird eine Herausforderung für die Netzbetreiber‘, heißt es beim Energiekonzern Eon. Auch die Bundesnetzagentur sieht eine ‚besondere Herausforderung an das Netz‘. Netzbetreiber wie Tennet, mit dem größten Netz und den meisten PV-Anlagen in Deutschland, haben vorsorglich Urlaubssperren verhängt. Schichten für die Leitstellen werden doppelt und dreifach besetzt, damit das diesjährige Frühlingserwachen nicht böse endet.“ („FAZ“ vom 17. Februar 2015, Seite 18.)

Hochspannung in den Netzzentralen, aber alles ging gut

Nun, die Sonnenfinsternis ist vorbei, und wir wissen: Nix passiert, kein Netzzusammenbruch, kein Stromausfall, die Fachleute der Regeltechnik haben’s geschafft, uns wenigstens vor dieser einen absurden Energiewende-Folge zu bewahren. Jedenfalls diesmal. Dabei geholfen hat, dass in vielen Teilen Deutschlands Hochnebel war und viele Wolken den Sonnenstrom schon vorher minimiert oder auf Null gebracht hatten. Das hat es den Regeltechnikern einfacher gemacht, denn bei einem wolkenlosen Himmel überall im Land hätten sie noch höhere Leistungsschwankungen des Sonnenstroms auffangen müssen. Hochspannung hat in den Netzzentralen des größten deutschen Stromproduzenten trotzdem geherrscht: Im Einsatz gewesen sind doppelt so viele Mitarbeiter wie an normalen Tagen, hat ein RWE-Sprecher mitgeteilt.

Spürbare Auswirkungen, aber der Stromverbraucher hat nichts gemerkt

Aber monatelang, so las man in der „FAZ“, „hatte sich die Energiewelt auf das Ereignis vorbereitet. Nirgendwo in Europa war das Risiko eines Blackouts so hoch wie in Deutschland. Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von rund 38.000 Megawatt, etwa der Hälfte der europäischen Gesamtkapazität, produzieren hierzulande je nach Sonnenschein mehr oder weniger Elektrizität. Rein rechnerisch können die Anlagen so viel Strom liefern wie drei Dutzend kleine Atomkraftwerke. ‚Es gab spürbare Auswirkungen auf unser Netz, aber die Stromverbraucher haben davon nichts mitbekommen’, sagte ein Sprecher des Übertragungsnetzbetreibers Amprion.“ („FAZ“ vom 21. März 2015, Seite 22.)

Doch was für ein Aufwand

Doch was für ein Aufwand. „Um die Schwankungen abzupuffern, mussten die Netzbetreiber sehr viel Regelenergie vorhalten. Mit Beginn der Sonnenfinsternis ging die Einspeisung von Solarstrom binnen 45 Minuten von 13.000 auf gut 6.000 Megawatt zurück. Als die Sonne, inzwischen ein Stück höher am Himmel, wieder aus dem Mondschatten heraustrat, schoss die Einspeisung auf 21.000 Megawatt nach oben – das entspricht dem Strombedarf von 20 Millionen Menschen. Also mussten zunächst Kraftwerke hochgefahren und zusätzliche Reserveanlagen ans Netz gebracht werden, danach ging es darum, die Meiler rechtzeitig zu drosseln. Zusätzlich hatten die Netzbetreiber industrielle Stromgroßverbraucher unter Vertrag genommen, unter anderem Aluminiumhütten, die ihren Stromverbrauch erst zurück- und dann wieder hochfuhren. Die Schlussbilanz steht noch aus, aber am Nachmittag veranschlagten die Netzbetreiber den Gesamtaufwand für Regelenergie auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag.“ (Ebenfalls „FAZ“ vom 21. März 2015, Seite 22.)

Die Sonnenfinsternis müsste ein Erweckungserlebnis sein

Das Fazit aus diesem Ereignis lautet: So weit also sind wir mit der absurden (weil technisch und finanziell ruinösen) „Energiewende“ schon gekommen: Wir müssen die Zuverlässigkeit unserer Stromversorgung von einer schlichten Sonnenfinsternis geradezu gefährlich bedrohen lassen, und die Netzbetreiber waren gezwungen, sich monatelang auf diesen 20. März vorzubereiten. An sich eine Groteske, in Wirklichkeit ein Drama. Vor 20 Jahren wäre eine solche Sonnenfinsternis nur ein Naturschauspiel gewesen, mehr nicht. Es wäre nicht dieser Aufwand nötig gewesen, um uns vor einem Netzkollaps und Stromausfall zu bewahren. Es wären keine zusätzlichen Millionenkosten entstanden, die uns Stromverbrauchern ebenfalls noch aufgeladen werden. Die Sonnenfinsternis müsste ein Erweckungserlebnis sein. Das Energiewende-Experiment ist verhängnisvoll, es sollte endlich beendet werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.

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