21. Februar 2015

„Bio“ als „Gütesiegel“ Nicht auf meinem Wein!

Weinreiselese

Von einer Weinreise durch die Pfalz bleiben drei Erkenntnisse. Erstens: Es gibt eine registrierbaren Klimawandel, der sich in einer leichten Erwärmung und vor allem in einer Zunahme der Wetterextreme manifestiert. (Worauf er zurückzuführen ist, soll hier egal sein; dass manche Winzer Lagen revitalisieren, die seit vielen Dekaden, ja zuweilen seit Jahrhunderten ungenutzt waren, sei zumindest festgehalten – das Klima „denkt“ in gewaltigen Zyklen.) Zweitens: Viele Weinbauern – und besonders deutsche – ziehen einen Nutzen daraus, sofern sie intelligent und spontan genug sind, auf die Extremereignisse, zum Beispiel die oft geradezu schlagartig einsetzende frühe Reife mancher Rebsorten, zu reagieren. Im Gegenzug werden ihre Weine eleganter und geschmacklich nuancierter. Drittens und daraus folgend: Immer mehr Winzer arbeiten nach den Kriterien des biologischen (oder biodynamischen) Weinbaus. Das heißt, sie produzieren den Wein als reines Naturprodukt, verzichten auf Insektizide, investieren dafür mehr Zeit in die sozusagen individuelle Pflege der Reben und so weiter. Es bedeutet keineswegs, dass – analog zum koscheren Wein – ein grüner Landtagsabgeordneter seinen Segen über dem Fass sprechen muss. Stattdessen gibt es einen Subtrend dahingehend, dass die Winzer ihren Wein zwar biologisch herstellen, aber auf ihren Flaschen nicht darauf hinweisen wollen. „Den grünen Stiefel“, sagte einer, „ziehe ich mir nicht an“. Dass „Bio“ als „Gütesiegel“ aufs Ganze gesehen ein Etikettenschwindel und zuweilen nicht mehr als eine abgefeimte Gaunerei ist, kann nicht schöner illustriert werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Acta diurna.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Michael Klonovsky

Über Michael Klonovsky

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige